Pioneer Rayz im Test: Ein Headset mit Digitalanschluss
Headset für iPhones im Test Dieses Headset kann was, könnte aber mehr
Als Apple beim iPhone 7 die Kopfhörerbuchse wegließ, gab es gewaltiges Gemecker. Wie konnte der kalifornische Konzern das nur tun? Einfach so den Anschluss einsparen, über den wir seit Jahrzehnten Musik hören. Apple hat es trotzdem getan, des Fortschritts wegen - und weil es so leichter war, das Handy wasserdicht zu machen.
Ein passendes Headset, die EarPods mit Lightning Connector, liegt zwar jedem iPhone 7 bei und klingt auch nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut. Ein altes analoges Headset über den ebenfalls mitgelieferten Adapter anzuschließen verschenkt die Möglichkeiten der neuen Digitalbuchse.
Zeit also, ein Headset auszuprobieren, das ausdrücklich für und mit Lightning-Stecker entwickelt wurde. Klingt so ein Kopfhörer mit Lightning-Buchse besser? Bietet die Technik neue Funktionen? Lohnt sich der Umstieg?
Pioneer Rayz im Test: Ein Headset mit Digitalanschluss
Weil es noch nicht allzu viele Headsets mit Apples Digitalstecker gibt, habe ich das neueste Modell getestet, das Rayz-Headset von Pioneer. Seit Mitte Juni ist es verfügbar und nutzt Apples Digitalschnittstelle nicht einfach nur, um Musik zu übertragen, sondern auch, um den kleinen Kopfhörern ein paar Kunststücke beizubringen. Die wären mit einer regulären Kopfhörerbuchse so nicht realisierbar.
Das Draußen wird leiser
Dreh- und Angelpunkt dafür ist Pioneers Rayz-App, über die die Funktionen der In-Ohr-Kopfhörer gesteuert werden. Eine davon ist die aktive Geräuschunterdrückung. So etwas bieten natürlich viele andere Hersteller auch an, doch kosten geräuschmindernde Kopfhörer meist weit mehr als die 130 Euro, die für die Rayz in der Grundversion verlangt werden. Bose etwa verlangt für seine Quiet Control 30 mehr als das Doppelte.
Dabei bieten die Rayz noch eine Besonderheit: Bevor die Geräuschunterdrückung aktiv wird, vermessen die Kopfhörer die Ohren des Nutzers mit einem Testton (siehe Fotostrecke). Pioneer bezeichnet das als "Smart Noise Cancellation" und verspricht, das System könne sich an jede Umgebung anpassen.
Noise-Cancelling-Kopfhörer im Test: Die sorgen für Ruhe
Im Test zeigte sich das System in der U-Bahn, am Flughafen, im Büro und in einem ICE als wirkungsvoll. Ob es auch im Flugzeug so gut wirkt wie in diesen Situationen, vermag ich mangels Gelegenheit nicht zu beurteilen. In den meisten Umgebungen jedoch dürfte Pioneers Geräuschminderung ausreichen.
Nicht so smart: der Smart Button
Im Zusammenspiel mit der Rayz-App gibt es noch einige weitere Funktionen, die allerdings nicht immer wirklich nützlich sind. Etwa die, dass die Musikwiedergabe automatisch angehalten wird, sobald man die Kopfhörer absetzt. Das klappt ganz gut. Die Möglichkeit, beim Musikhören den Außenton in die Kopfhörer zu leiten, damit man sich zum Beispiel mit jemandem unterhalten oder beim Laufen den Verkehr hören kann (siehe Fotostrecke), schien bei unserem Test dagegen weitgehend nutzlos. Ab einem bestimmten Lautstärkepegel ist auch mit dieser Funktion kaum etwas von dem zu hören, was außen vor sich geht.
Skullcandy Crusher Wireless: Der Kopfhörer mit dem Extrabass
Als großes Plus wertet Pioneer auch den Smart-Button auf der integrierten Kabelfernbedienung. Den kann man per App mit Kurzbefehlen belegen, um verschiedene von acht möglichen Funktionen auszulösen. Etwa: zweimal drücken, um das Mikrofon stumm zu schalten, oder drücken und halten, um Apple Music zu starten. Leichter wird die Bedienung des iPhones damit nicht.
Aber der Klang!
Was mich dann aber wirklich überrascht, ist der Sound. Auf meine Ohren kalibriert und mit Schaumstoff-Passstücken ins Ohr gedrückt, klingen die Rayz viel besser, als mich der Preis von 130 Euro erwarten ließ. Vor allem die Bässe werden außerordentlich satt und bis weit runter im Frequenzspektrum wiedergegeben.
Dabei wirken sie weder übertrieben noch verwischen sie den Gesamtklang. Vielmehr produzieren die Rays einen angenehm warmen und transparenten Grundsound, der auch nach Stunden nicht langweilig wird. Es ist ein HiFi-Sound, kein Studiosound, der weniger zum analytischen Hören als zum Berieseln geeignet ist.
Fazit
Perfekt sind die Pioneer Rayz nicht. Einige der Extrafunktionen, die durch den digitalen Anschluss möglich werden, sind nett, arbeiten aber teils noch nicht ganz so wie erwartet. Dafür ist der Klang für diese Preisklasse sehr gut, und das sollte beim Kopfhörerkauf das entscheidende Kriterium sein.
Der Aufpreis von 50 Euro für das Plus-Modell ist überzogen. Der maßgebliche Unterschied zum Standardmodell ist eine ins Kabel integrierte Ladebuchse, um das iPhone während des Musikhörens aufladen zu können. Das ist nett, aber keine 50 Euro wert.