Angespielt: Need for Speed: Rivals - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Angespielt: "Need for Speed: Rivals"

Foto: Electronic Arts

Angespielt Need for Speed: Rivals

Straßenrennen als Freiheitskampf? Der neue Teil der "Need for Speed"-Reihe kommt mit reichlich pseudophilosophischem Ballast daher, der eher albern wirkt. Doch das macht nichts: Als Räuber- und-Gendarm-Rennspiel funktioniert "Rivals" nämlich hervorragend.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brennende Barrikaden, Polizeischilde, drohend erhobene Knüppel. Stimmen, die von Freiheit sprechen, andere von Ordnung. Von der Art und Weise, wie sich beides durchsetzen lässt. Warum der eigene Weg der einzig richtige ist. Dramatisch soll das sein - und wirkt doch lächerlich. Hier geht es nämlich nicht um das Schicksal der Menschheit, sondern um ein Autorennspiel. Um den Kampf zwischen Rasern und Polizei, um einen neuen Teil der "Need for Speed"-Reihe. Zum Glück bleibt das geballte Pathos Nebensache.

"Need for Speed" ist die wahrscheinlich langlebigste und bestverkaufte Autorennspielserie. Seit 1994 gibt es sie, die verschiedenen Ableger sind kaum zu zählen. Eine sichere Bank für den Hersteller Electronic Arts, auch wenn der amerikanische Konzern nicht immer sorgsam mit dem Erbe umgegangen ist. Nach frühen Höhepunkten hatte die Serie viele Durchhänger. 2010 erreichte sie mit dem von den "Burnout"-Machern Criterion entwickelten "Hot Pursuit" einen neuen Qualitätsstandard, an dem sich auch "Rivals" orientiert. Und ihn hält.

"Rivals" lässt Spieler in einer großen Welt rasen. Als Polizei oder als Racer. Wechselweise, wie es gerade Spaß macht. So kann man Rennen fahren und der Polizei entkommen oder als Polizist Streife fahren, schnell zu einem Einsatzort brettern oder Rennrowdies von der Straße rammen. Zimperlich ist das Spiel dabei nicht. Das hat es von der unfallträchtigen "Burnout"-Reihe gelernt. Angehalten wird nur, wenn das Auto Schrott ist. Egal ob man von der Straße gedrängt wurde, durch ein Nagelband gefahren ist, oder die Elektronik per Impuls abgeschaltet wurde.

Auch die Welt ist aus den Vorgängern bekannt. Redview County heißt sie, und ist ein Miniaturabbild der amerikanischen Westküste zwischen den Wäldern des Nordens und den Wüsten im Süden. Städte wurden dabei ignoriert. Dort lässt es sich hervorragend fahren. Auch weil das Rennsystem schlank und unkompliziert ist.

Ich blinke potentielle Gegner kurz an und das Rennen startet. Als Polizist rempele ich einen Raser an, die Jagd geht los. Schnell und ohne Pause. Ich springe über Schanzen, suche Schleichwege. Drifte durch die Kurven und lande immer wieder im Gegenverkehr, was die Jagd aprupt beendet. Und manchmal, ganz selten muss ich mich etwas schütteln, wenn in einer Zwischensequenz wieder über Racer und Cops, Freiheit und Ordnung philosophiert wird.

"Need for Speed: Rivals" von Electronic Arts, für Xbox 360, Playstation 3, PC, Xbox One und Playstation 4; ab 50 Euro; USK: Ab 12 Jahren