"You Must Build A Boat" im Test: Einmann-Boot mit eingebautem Selbstbetrug - DER SPIEGEL
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You must build a boat: Rennen und Puzzlen

Foto: Eighty Eight Games

Spiel "You Must Build A Boat" Einmann-Boot mit eingebautem Selbstbetrug

"You must build a boat" ist der Indie-Hype der Stunde. Entwickelt von einem einzigen Spieldesigner, mit einer seltsamen, schwer zu erklärenden Mechanik - und gewaltigem Suchtpotential.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich habe gewonnen! Schon wieder. Mit jedem Durchgang, den ich in "You Must Build A Boat" mache, fahre ich einen neuen Sieg ein. Obwohl ich zugeben muss, dass sich manche Siege wie eine Niederlage anfühlen. Dann, wenn ich nicht sonderlich weit gekommen bin zum Beispiel. Oder ich es nicht geschafft habe, das letzte Schloss zu knacken und wieder von vorn beginne.

"You Must Build A Boat" ist der Nachfolger von "10.000.000" und hat genau wie der Vorgänger einen Namen, der nicht suchmaschinentauglich ist. Beides sind zudem Spiele, die auf den ersten Blick eher Fragezeichen im Kopf erzeugen, um dann in kürzester Zeit süchtig zu machen. Eighty Eight Games ist der Name des Entwicklerstudios, das wiederum eigentlich nur aus einem Mann besteht: Luca Redwood, ein Programmierer aus London, der Spiele in seiner Freizeit macht.

Man muss gar kein Boot bauen

Auf den ersten Blick erinnert "You Must Build A Boat" an "Bejuweled" oder "Canabalt" - je nachdem welchen Teil des Bildschirms man betrachtet. Unten ein Puzzle, oben ein Endlos-Runner. Kombiniert ergibt das eine Art Action-Rollenspiel, in dem Waffen aufgelevelt und Monster für eigene Zwecke rekrutiert werden können. Das Boot existiert bereits, muss aber mit einer Mannschaft gefüllt werden, um immer weiter einen Fluss hinauf zu fahren. Nach und nach werden es auch tatsächlich mehr. Ein Schmied und eine Zauberin verbessern die Waffen, ein weiterer Matrose erklärt die Monster. Und alle zusammen hüpfen in die Luft, um das Schiff eine gute Strecke weiterfahren zu lassen - warum auch immer. Zwischendurch gibt es Puzzleabschnitte, die so großartig wie gemein sind.

Darin geht es darum, im unteren Teil des Bildes drei oder mehr Blättchen zu kombinieren und so Aktionen auszulösen, mit denen der Läufer im oberen Teil des Bildes Gegner schlägt oder Schatztruhen öffnet. Kombinierte Schwerter ermöglichen einen Schlag, Schlösser öffnen eine Truhe und Zauberstäbe zaubern eben. Ganz einfach. Und doch ungeheuer effektiv.

Unter Zeitdruck schiebe ich Blättchen hin und her, fluche, freue mich, wenn ich in letzter Sekunde entwische und sammele Schätze, um meine Waffen effektiver zu machen. Ich entscheide immer wieder, dass der nächste Lauf erst einmal der letzte sein wird. Und weiß schon da, dass ich mich selbst belüge. Weil ich immer wieder gewinnen will, selbst wenn sich das wie eine Niederlage anfühlt.


"You Must Build A Boat" von Eighty Eight Games , für PC, Mac, Linux, iOS und Android; ab 2,99 Euro