"Lego Worlds": Klötzchenangriff auf "Minecraft" - DER SPIEGEL
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Angespielt "Lego Worlds": Klötzchenangriff auf "Minecraft"

Foto: Warner Interactive

"Lego Worlds" Klötzchenangriff auf "Minecraft"

Das Weltenbauspiel "Minecraft" ist seit Jahren ein Riesenerfolg. An den möchte jetzt ein anderer berühmter Klötzchenhersteller anknüpfen: Lego bringt sein eigenes Spiel auf den Markt - mit verblüffenden Parallelen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das kleine Lego-Männchen hält etwas in der Hand, was sich wohl jeder Lego-Spieler wünscht: eine Kanone, die alle erdenklichen Legosteine ausspuckt und zu einem fertigen Bausatz zusammenfügt. Und das mitten auf einer Insel, die sowieso schon aus Legosteinen besteht. Der Spieler kann sie nach seinen Wünschen gestalten.

"Lego Worlds" heißt das PC-Spiel, in dem das möglich ist und in dem es - endlich einmal in einem Lego-Spiel - vor allem darum geht, zu bauen. Eigene, große Lego-Welten.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich endlich ein Lego-Spiel daran versucht, "Minecraft" nachzueifern, dem Spiel, das in den letzten Jahren die Spielewelt auf den Kopf gestellt hat: Als Spiel eines winzigen Studios wurde es zum bisher bestverkauften PC-Spiel und spielte Millionen ein. Auch auf Konsolen verkauft es sich immer noch hervorragend, auch Jahre nach Erscheinen.

Kein Wunder also, dass Warner Interactive, das die Lizenz für Lego-Videospiele besitzt, diesem Erfolg nacheifern will - und zwar recht offensichtlich, nicht nur im Spielprinzip, sondern auch im Vertrieb.

Ein Start wie bei "Minecraft": unfertig, aber charmant

"Lego Worlds" ist nämlich jetzt über die Downloadplattform Steam als sogenannte Early-Access-Version erschienen. Es handelt sich um eine frühe Version des Spiels, noch lange nicht mit all den Funktionen ausgestattet, die es einmal haben soll. Eine Version mit Programmfehlern, unfertig aber charmant. Genau so ist damals ja auch "Minecraft" erschienen, das mehr ein Versprechen als ein fertiges Spiel war.

Doch weil viele Spieler das Potenzial in "Minecraft" gesehen haben und geduldig Fehler gesammelt und berichtet haben und weil Entwickler Mojang diese Fehler nach und nach ausbesserte und Funktionen einbaute, die die Spielerschaft verlangte, wurde das Spiel zum Erfolg. Warner Interactive und Entwicklerstudio TT Games scheinen diesen Weg nachgehen zu wollen.

Das ist mutig in einer Welt der großen Studios, die normalerweise darum bemüht sind, vorab möglichst keine Informationen preiszugeben. Jetzt also Offenheit, warten auf Antworten, kommunizieren mit der Spielerschaft. Die ist erst einmal begeistert und stellt schnell Bilder ihrer Bauwerke ins Netz: Autohäuser, vor denen ein Lego-Cowboy reitet, ein Piratenschiff im Rohbau, Wolkenkratzer oder ein Nachbau des Brandenburger Tors. In den Steam-Foren des Spiels sind Pöbeleien selten, es wird ernsthaft diskutiert.

Auf Aussetzer muss man gefasst sein

Ein kleines Wunder, schließlich ist "Lego Worlds" im augenblicklichen Zustand vor allem etwas für Liebhaber. Es gibt einen Solo-Modus, Multiplayer-Funktionen sind zwar angekündigt aber noch nicht umgesetzt. Die Steuerung ist komplex und bisweilen hakelig. Kein Wunder, schließlich sind es hier nicht nur einzelne Klötzchen, die zusammengefügt werden müssen wie bei "Minecraft", sondern viele verschiedene Legosteine, den Originalen nachempfunden.

So drehe ich sie schon mal länger, bis ich endlich die passende Richtung gefunden habe. Auch die Kamera läuft immer wieder aus dem Ruder und konzentriert sich auf den Kopf meines Männchens. Doch wer "Early Access"-Spiele kauft, muss auf solche Aussetzer gefasst sein und sich eher auf das konzentrieren, was "Lego Worlds" verspricht. Wer dazu nicht bereit ist, wartet auf eine fertige Version, die aber nicht vor dem kommenden Jahr erscheinen wird.

Und so reite ich auf einem Pferd über die Insel, treffe Tiere und Lego-Männchen, fälle Bäume und bekomme so neues Baumaterial. Ich reite ans Meer, beschließe, ein Haus am Strand zu bauen, einen kleinen Pool und ein Auto inklusive. Zuerst nehme ich das Auto, fahre todesmutig einen Hang hinab und versenke es im Meer, um danach komplett bekleidet mit einem großen Platsch in den Pool zu springen. Schließlich mache ich noch den Grill an und genieße eine ruhige Minute am Meer, während ich darüber nachdenke, was ich als nächstes bauen könnte.


"Lego Worlds" von Warner Interactive, für PC, (unfertige) Early-Access-Version über Steam; 14,99 Euro