De-Branding: Das Handy "neutralisieren" - DER SPIEGEL
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De-Branding Das Handy "neutralisieren"

Telefone von Vodafone & Co sind mit Werbung und Links zu kostenpflichtigen Angeboten regelrecht zugepflastert. Jeder falsche Knopfdruck kostet Geld. Manche Kunden sind davon so genervt, dass sie auf die Garantie pfeifen und ihr Handy für 25 Euro "de-branden".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In nur wenigen Jahren haben Handys eine erstaunlich hohe Präsenz im Leben vieler Menschen erreicht. Mancher schaut mittlerweile öfter auf das kleine Silberne als in die Augen seiner Frau. Und weil die Dinger so oft berührt, gestreichelt und gehätschelt werden, dienen sie den Netzbetreibern zunehmend als willkommene Projektionsfläche für ihr Corporate Design, ob das denn Nutzern nun passt oder nicht.

Das Display eines Vodafone-Handys etwa leuchtet in knalligem Rot, der Hausfarbe des Telefonkonzerns. Bei T-Mobile ist es Magenta und ein bisschen Weiß. Und damit niemand den Netzbetreiber vergisst, wenn sein Gerät ausgeschaltet ist, wird das Firmenlogo aufs Aluminium-Gehäuse gedruckt.

"Vodafone ist da am aggressivsten", erzählt Alexander Krug vom Handy-Fachblatt "Connect". Manche Geräte seien "regelrecht verschandelt".

Am meisten ärgern sich Benutzer jedoch über die so genannten Soft-Keys. Das sind Knöpfe, die zum Beispiel direkt ins kostenpflichtige Wap-Portal des Netzbetreibers führen. Da können schnell ein paar Euro zusammenkommen, wenn man mal die Tastatursperre vergessen hat. In der Hosentasche drückt der Schlüssel gegen den Knopf - und schon wählt sich das Handy ganz von allein ein. Je nach Tageszeit kassieren T-Mobile & Co dabei bis zu 49 Cent je Minute.

Neutralisieren für 25 Euro

"Die Leute wollen den blöden Button weghaben", berichtet ein Händler, der so genannte De-Branding-Sets für 25 Euro bei eBay versteigert. Diese funktionieren vorerst bei Sony-Ericsson-Handys, wie dem T610 oder dem T68.

"Manche haben zehn Euro pro Monat fürs versehentliche Tastendrücken bezahlt", erklärt der Verkäufer, der lieber anonym bleiben will, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Er hat seit Anfang März mehrere hundert dieser "Terminator Dongles" für Sony-Ericsson-Handys verscherbelt. Er verkauft nur ein Stück Kabel mit passenden Steckern dran, mit dem sich das Telefon an einen PC anschließen lässt. Nach dem De-Branding kann jeder selbst festlegen, was beim Drücken der Soft-Keys passiert, vorher ging das nicht.

Keine Werbung, bitte: Ein Job für den Radiergummi

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De-Branding: Das Mobiltelefon tunen

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Programme zum Löschen der Vodafone- oder T-Mobile-Software auf den Telefonen vertreibt der eBay-Händler nicht selbst - er schickt den Käufern stattdessen die Links zu einschlägigen Websites und zu ausführlichen Anleitungen. Wer Probleme hat, kann ihn telefonisch um Hilfe bitten oder mit seinem Gerät zu ihm nach Hause kommen. "Ich entferne auch Ihr Branding, wenn Sie aus dem Raum Berlin kommen", heißt es in der Artikelbeschreibung.

Ganz koscher ist ihm das Ganze jedoch nicht, obwohl es nach seiner Aussage noch kein einziges Mal Probleme beim "Flashen" der Geräte gab. "Sogar ein Vodafone-Shop hat einmal bei mir bestellt", berichtet er. "Die machen das wohl unter der Hand für ihre Kunden." Juristischer Ärger mit Netzbetreibern, wie ihn etwa Anbieter bekamen, die Netzwerksperren von Prepaid-Handys entfernten (SIM-Locks), sind bislang nicht bekannt.

Löten ist out

Handy-Tuning ist kein völlig neues Geschäft. Bis vor kurzem griff mancher Handy-Schrauber zum Lötkolben, um seinem heiß geliebten Hightech-Toy eine neue, meist blaue Beleuchtung zu verpassen. Orange oder grüne LEDs hatte damals ja jeder Dahergelaufene. Mit dem Aufkommen der Farbdisplays hat sich das umständliche Löten jedoch erledigt.

Zum De-Branding braucht man neben dem passenden Kabel ("Terminator Dongle") noch ein Übertragungstool und die Original-Handy-Software (Firmware). Sowohl das Übertragungsprogramm als auch die werbefreie Firmware stammen offensichtlich direkt von Handybauern wie Sony-Ericsson. Auf welchen verschlungenen Pfaden diese auf Websites wie www.cellular-support.com gelangt sind, darüber kann man nur spekulieren. Offiziell ist die Software jedenfalls nicht erhältlich. Eine Garantie für das fehlerfreie Funktionieren übernimmt logischerweise niemand.

Nach dem De-Branding, das nur wenige Minuten dauert, strahlt das Handy-Display in neutralen Farben. Auch die Zahl der Klingeltöne ist gesunken - das spart auch ein bisschen Platz im Speicher, ein nicht unerwünschter Nebeneffekt.

"Keine Gewähr"

Uneingeschränkt empfehlen kann man das Ganze allerdings kaum, denn "es kann Garantieschwierigkeiten geben", warnt Connect-Redakteur Krug. T-Mobile-Sprecherin Marion Kessing sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wenn Kunden die Firmware eigenmächtig abändern, übernimmt T-Mobile keine Gewähr für die Funktionalitäten des Geräts." Bei Reklamationen helfe man jedoch "gerne", dann werde aber zunächst wieder die Ursprungssoftware aufgespielt. Der Kunde werde in diesem Fall auch an den Kosten beteiligt, erklärte Kessing.

Connect-Redakteur Krug kennt auch andere Wege, um Softkeys abzuschalten. Beispielsweise, indem man die Settings im Handy so ändert, dass kein Ziel erreicht wird. Bei Geräten von T-Mobile könne man zudem meist die Menüfarben ändern, so Krug. "Das geht bei Vodafone leider nicht."

Er hält den Markt für De-Branding für "sehr begrenzt". "Das ist ein Thema, das viele Leute ärgert." Aber man gewöhne sich auch daran.

Sollte das Handy nach dem Flashen völlig den Dienst verweigern, braucht der wagemutige De-Brander nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Neben den Versionen mit jungfräulicher, werbefreier Firmware liegen auf den Servern diverser Handy-Tuning-Sites auch die aktuellen Vodafone- und T-Mobile-Versionen bereit.

Das aufgedruckte Netzbetreiber-Logo kriegt man übrigens mit ganz konventionellen Mitteln weg: Ein Radiergummi mit extra harter Seite reicht. Nach einigen Minuten Reiben löst sich die Farbe nach und nach - rückgängig machen lässt sich dies freilich nicht mehr.

Ergänzung: Der Link zu www.cellular-support.com funktioniert mittlerweile nicht mehr.

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