Neue, alte E-Conomy: Gezerre um die Mitbestimmung - DER SPIEGEL
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Neue, alte E-Conomy Gezerre um die Mitbestimmung

Mit- oder gegeneinander? Der Ruf nach Mitbestimmung wird in der "New Economy" immer lauter. In Deutschland gedeihen die Betriebsräte - während sie in den USA mit härtesten Bandagen bekämpft werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf die Unterschiede im Umgang miteinander, in der Führung von Unternehmen, in der Einbeziehung von Mitarbeitern in Entscheidungsprozesse ist in Sachen New Economy jahrelang beispielhaft auf die USA verwiesen worden. Dort, hieß immer wieder, trage der Manager keinen Schlips, stattdessen einen Vornamen.

Doch die unkonventionellen Zeiten scheinen vorbei. Miteignerschaft über Aktienoptionen bietet kaum mehr einen Anreiz für Angestellte, sich für eher unterdurchschnittliche Gehälter selbst zu verheizen. Der Ruf nach mehr Regelung, mehr institutionalisierter Sicherheit wird lauter. Die "runden Tische" der ersten Internet-Jahre weichen zunehmend einem klassischen Instrument der Vermittlung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen: dem Betriebsrat.

Deutschland

Das gilt zumindest für Deutschland, wo man sich wieder auch auf die positiven Effekte solcher Gremien besinnt: Der Trend wird inzwischen selbst von Arbeitgebern - wenn auch manchmal zähneknirschend - begrüßt. "Pixelpark und Co" haben "Den Rat neu erfunden". Auch die SPIEGELnet AG hat inzwischen einen eigenen Betriebsrat.

Auskunftsfreudig sind vor allem die Gewerkschaften, in vielen Unternehmen munkelt man derzeit noch lieber anonymisiert: Allerorten sind Betriebsräte in Gründung - nur in trockenen Tüchern sind die Strukturen der Mitarbeiter-Mitbestimmung längst nicht überall. Entsprechend groß ist (noch) die Nervosität - obwohl sich längst herumspricht, dass sich das ehemalige "Aktienkurs-Gift" Betriebsrat längst positiv auswirkt. In turbulenten Zeiten, erkennen immer mehr Unternehmen und Analysten, verheißt eine Mitarbeitervertretung Stabilität.

USA

Ganz anders sieht das im Vorbildland der New Economy aus. Dort hatte man Gewerkschaften und Betriebsräte jahrelang zum Beelzebub stilisiert. Die Yahoos und Amazons und eBays der New-Economy-Welt setzten auf familiäre Nähe, in der jeder Mitarbeiter auch ein kleines Stück Unternehmer sein sollte. Wer über Aktien am Unternehmenserfolg beteiligt würde, glaubte man, könne gar kein Interesse an einer formalisierten Mitbestimmung haben.

Nur sind die Mitarbeiter per Aktien und -option inzwischen oft am Unternehmensmisserfolg beteiligt: kein guter Anreiz, sich unterbezahlt für Mini-Löhne zu verheizen.

In den Vereinigten Staaten ist der Trend "zurück zu den Wurzeln" der Old Economy klar zu spüren. Doch die ach so lockeren Dot.com-Unternehmer zeigen inzwischen, dass sich der rücksichtslose Clinch mit den Arbeitnehmern auch ohne Schlips ganz prächtig ausfechten lässt. In den Vereinigten Staaten wird der Interessenskonflikt zwischen Arbeitgebern und -nehmern zunehmend als Kampf geführt - nach dem Motto: "Wer aufmuckt, fliegt!"

Im Extremfall schreckt man selbst vor "Exempeln" nicht zurück. Dass Mitarbeiter, die sich für Gewerkschaften oder Betriebsräte engagierten, sang- und klanglos gefeuert wurden, lässt sich belegen. Doch damit nicht genug: Zumindest in einem Fall gibt es Indizien dafür, dass ein ganzes Unternehmen abgewickelt wurde, weil sich dort ein Betriebsrat in Gründung befand. Das Instrument dafür hätte kaum "Dot.comiger" sein können: Die Investoren drehten einfach über Nacht den Geldhahn zu.

Frei nach dem Motto: keine Knete, kein Unternehmen. Kein Unternehmen, kein Betriebsrat. Allen anderen zur Mahnung?

Frank Patalong

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