EU Und noch eine Klage gegen Microsoft
Viel Langeweile dürfte in den Rechtsabteilungen von Microsoft dies- und jenseits des Atlantik zurzeit kaum aufkommen: In den Staaten lehnte das Gericht soeben nicht nur einen Microsoft-Antrag ab, das Verfahren gegen den Softwarekonzern zu verschieben - es beschleunigte das Verfahren sogar und lud die beteiligten Parteien für den 21. September zu einer ersten Anhörung vor.
Zugleich brachte sich nun die EU-Kommission in Erinnerung, die ebenfalls seit rund zwei Jahren kartellrechtlich gegen Microsoft ermittelt. Auch in diesem schwebenden Verfahren geht es um die Frage, ob und inwieweit Microsoft über ein Monopol in welchen Märkten verfügt - und ob das Unternehmen diese Monopolstellung missbraucht hat.
Die entsprechenden Vorwürfe beziehen sich auf Microsofts Versuche, auch auf dem Markt der Server-Software eine beherrschende Stellung zu erlangen.
Doch zum einen bleibt die Zeit nicht stehen, zum anderen sind die EU-Ermittler nicht blind: Das dürfte für Arbeit in den europäischen Rechtsabteilungen von Microsoft sorgen. Denn die EU-Ermittler beschäftigt seit heute zusätzlich die Frage, ob die Verknüpfung des Microsoft Media Players mit dem Betriebssystem Windows legal ist. Media Player steht in einem direkten Verdrängungswettbewerb mit Realplayer - eine Analogie zur Wettbewerbssituation zwischen Internet Explorer und Netscape Browser vor einigen Jahren.
EU-Kommisar Mario Monti sagte zur Erweiterung des Verfahrens, die Kommission befürchte, dass Microsoft durch seine Marktstellung den Fortschritt behindern und Wahlmöglichkeiten von Verbrauchern einschränken könne. Auch im Marktsegment der Abspiel-Software für Film- und Tondateien wünsche sich die Kommission einen freien Wettbewerb.
Nun hat Microsoft zwei Monate Zeit, um auf die Klage zu reagieren. Zu einer Anhörung, die Microsoft beantragen könne, dürfte es noch vor Ende des Jahres kommen. Im Gegensatz zu den USA haben europäische Wettbewerbshüter noch nicht damit begonnen, die neuen "XP"-Produkte von Microsoft unter die Lupe zu nehmen.