Kevin Mitnick: Hacker protestiert gegen US-Schnüffelgesetze - DER SPIEGEL
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Kevin Mitnick Hacker protestiert gegen US-Schnüffelgesetze

Das Anti-Terror-Gesetzespaket der Bush-Regierung erntet immer mehr Kritik. Deutliche Worte fand nun Kevin Mitnick, bekanntester verurteilter Hacker der Welt: Die Schnüffel- und Anti-Hacker-Bestimmungen des "Patriot Act" seien schlicht "idiotisch" und gegen "Sündenböcke" gerichtet.
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"Ich war ein Sündenbock", sagte Kevin Mitnick im Interview mit der britischen Zeitung "The Observer". Das ist seine persönliche Perspektive, gezeichnet durch seine Geschichte. Die machte weltweit Schlagzeilen. Anfang der neunziger Jahre brach Mitnick in zahlreiche Firmennetzwerke und Regierungscomputer ein. Fast drei Jahre lang jagte ihn das FBI vergeblich, bis es einem IT-Experten in einem regelrechten Shootout gelang, ihn festzunageln. Mitnick wurde 1995 zu fünf Jahren Haft verurteilt, kam erst im Januar 2000 nach 46 Monaten wieder frei - auf Bewährung.

Zu seinen Auflagen zählt seitdem, keinen Computer mehr anzurühren. Außerdem musste Mitnick sich auch eine Überwachung im Alltag gefallen lassen und durfte sich nicht öffentlich äußern. Daher glaubt er nun, hinsichtlich der Folgen des neuen Anti-Terror-Gesetzespaketes der Bush-Regierung, umso deutlicher mitreden zu können. Für ihn sind die Gesetze, die nach der Terrorkatastrophe vom 11. September auf den Weg gebracht wurden, "idiotisch".

Mitnick: "Diese Terroristen haben bewiesen, dass sie an einem totalen Genozid interessiert sind, nicht an subtilen kleinen Computer-Hacks in die Infrastruktur der USA". Trotzdem habe die Regierung als Reaktion auf die Terrorattacken auf ein Gesetzespaket gedrängt, das einem "Freibrief, jedermanns Kommunikation auszuschnüffeln und auszuspionieren, gleichkommt".

Zugleich warnte er vor überzogen drakonischen Strafen für Hacker. Mitnick: "Glauben Sie mir, Sie wollen nicht dabei sein, wenn es darum geht, den nächsten großen Sündenbock zu küren".

Das Anti-Terror-Gesetz "Patriot Act" erklärt jede Form von Hacking zum Straftatbestand. Einbrüche in Netzwerke von Staat oder Militär werden in den USA künftig als terroristische Akte gewertet: Hacker sind somit per definitionem künftig entweder Kriminelle oder Terroristen. Die seit Jahren festzustellende Tendenz zu immer härteren Strafen für Hacker, befürchten nun viele, werde sich nun noch einmal verschärfen.

Ein "Sündenbock", meint Mitnick, wartet derzeit schon auf seinen Prozess: Der russische Hacker Dmitry Skylarov wurde verhaftet, nachdem er auf dem Defcon-Kongress in San Francisco einen Vortrag über Kopierschutzsysteme gehalten hatte - und wie leicht diese zu knacken sind. Auch Skylarov könnte eine exemplarisch harte Strafe erwarten: Darauf drängen Vertreter der Industrielobby der Buch- und Musikverlage.

Wie ungünstig das Klima für Hacker derzeit ist, zeigt sich nirgends klarer als im Fall Skylarov. Obwohl prominente Hacker und amerikanische Bürgerrechtler lautstark gegen seine Verhaftung protestierten, kam es zu keiner spürbaren Solidarisierung mit dem Hacker, der tatsächlich von vielen für unschuldig gehalten wird. Aufrufe, sich an mehreren zeitgleich in den USA organisierten Demonstrationen zu beteiligen, verpufften fast wirkungslos. Am Gerichtsort San Francisco kamen noch nicht einmal 200 Menschen zusammen. Widerstand und Protest im Fall Skylarov beschränken sich auf virtuelle Formen.

Für Mitnick macht auch dieser Fall klar, dass derzeit nicht die beste Zeit ist, um zu hacken. Für Skylarov hofft er trotz allem auf einen guten Ausgang. "Er hat einen guten Anwalt, ich hatte einen vom Gericht bestellten. Er ist unschuldig, ich war das nicht."