Michas-Formel1- Site.de: Verkehrte Welt - DER SPIEGEL
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Michas-Formel1- Site.de Verkehrte Welt

Ein Streit zwischen Michael Schumacher und den Betreibern von "michas-formel1-site.de" bringt die Fronten durcheinander. Jetzt vertritt der "Abmahn-Anwalt" Günter von Gravenreuth nicht nur die Gegenspieler des Rennfahrers, sondern auch das Internet-Magazin "Advograf".
Von Ingo Butters
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich sind der Münchner Anwalt Günter Freiherr von Gravenreuth und das Internet-Magazin "Advograf" so etwas wie natürliche Feinde. Gravenreuth gilt vielen Netz-Aktivisten als Gegner der freien Meinungsäußerung im Internet. "Advograf" dagegen, ein in der Freizeit produziertes Internet-Magazin, als deren glühender Verfechter. Jetzt arbeiten beide zusammen und wollen Formel-1-Star Michael Schumacher Paroli bieten.

Die Lorbeeren, diese ungewöhnliche Partnerschaft möglich gemacht zu haben, verdient Nils Harder, Anwalt von Michael Schumacher. Der Jurist hatte die Betreiber der Internetseite "michas-formel1-site.de" abgemahnt. Diese verletzte die Namensrechte seines Mandanten, so die Begründung. Die Website sei mehr als eine normale Fan-Homepage, da auf dem Angebot Werbebanner geschaltet seien. Um eine "gerichtliche Auseinandersetzung" zu vermeiden, sollte der Domaininhaber, die Penco GmbH, die Internetadresse freigeben.

Schumacher und der Schüler

Die Penco GmbH, und damit die Domain, gehört dem Schwaben Ernst Gierer. Und der hat sie für seinen 17-jährigen Neffen Michael Stanka reserviert. Stanka, Formel-1-Fan, betreut die Seite in seiner Freizeit und geht sonst brav zur Schule. "Advograf" berichtete in gewohnter Manier über Harders Abmahnung und schrieb unter anderem, dass der Schüler indirekt Post von Schumacher erhalten habe, die es in sich habe.

Das entspreche nicht den Tatsachen, entgegnete Harder. Denn die Abmahnung sei schließlich nicht an den Schüler adressiert gewesen, sondern an die Penco GmbH. Schumis Rechtsvertreter setzte gleich noch eine Abmahnung auf und schickte diese an "Advograf". Das Internet-Magazin müsse den entsprechenden Passus ändern. Und so kam es zur denkwürdigen Zusammenarbeit.

Alexander Kleinjung, Herausgeber von "Advograf", hatte bereits erfolgreich Michael Stanka samt Onkel an den Münchner Anwalt vermittelt. Nun wandte er sich selbst an Gravenreuth. Und der übernahm das Mandat. Ergebnis der Kollaboration: "Advograf" änderte den Artikel entsprechend und gab eine Unterlassungserklärung ab. Das Internet-Magazin ist damit fürs erste aus dem Schneider.

"Netzschreck" aus München

Sein Negativ-Image in der Internet-Gemeinde verdankt Gravenreuth einer Reihe spektakulärer Fälle. So schuf er sich leidenschaftliche Gegner mit seiner Aktion der so genannten "Tanja-Briefe". Damals, Ende der Achtziger, verschickte Gravenreuth fingierte Briefe an männliche Computerfans, mit der Bitte der vermeintlichen Absenderin, eben "Tanja", eine Raubkopie eines Programms zu schicken. Diese landeten jedoch in Gravenreuths Kanzlei, und die jungen Computerfreaks mussten einen saftigen Geldbetrag zahlen. Später erarbeitete sich der Anwalt einen soliden Ruf als Abmahn-Guru, indem er Dutzende Verletzungen am Namens- und Markenrecht von Firmen durch Internet-Seiten beanstandete. Sogar eine Anti-Gravenreuth-Homepage wurde eingerichtet, auf der das Treiben des Anwalts verfolgt wird.

"Er hat so ein bisschen das Image des Netzschrecks", sagt Alexander Kleinjung. "In der Rolle gefällt er sich ganz gut." Kleinjung betreibt "Advograf" mit einer vierköpfigen Mannschaft. Unter dem Motto "Wir wehren uns" veröffentlicht das Magazin Nachrichten zu juristischen Scharmützeln zwischen den Betreibern privater Homepages und Firmen, die sich durch den Domain-Namen oder einzelne Links gestört fühlen. Gravenreuth stand fast immer auf der anderen Seite und damit im Kreuzfeuer der Kritik.

Nun haben beide Seiten vorerst Frieden geschlossen und üben sich in Harmonie: "Er ist gar nicht dieser grauenvolle Ignorant, als der er sich in der Öffentlichkeit verkauft", sagt Kleinjung über Gravenreuth. Und der Anwalt meint über den Netzpublizisten: "Wir kennen uns seit einiger Zeit." Gezögert habe er überhaupt nicht, als Kleinjung um seinen juristischen Beistand ansuchte. "Ich versuche immer, die Interessen meiner Mandanten durchzusetzen."

"Ich fühle mich durchaus auf der Seite der Guten"

Die Sache Pento GmbH versus Schumacher scheint sich allerdings nicht so schnell aus der Welt räumen zu lassen. "Wir warten ab. Klein beigeben werden wir nicht, dazu sind wir nicht die Typen", sagt Ernst Gierer. Und Schumachers Anwalt Harder entgegnet vielsagend: "Die Dinge bleiben am Rollen."

Dass Anwalt Nils Harder jetzt ähnlich in der Kritik steht wie früher Gravenreuth, passt ihm allerdings nicht in den Kram. "Ich fühle mich durchaus auf der Seite der Guten", kommentiert er das Geschehen.

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