Napster: Droht jetzt doch das endgültige Aus? - DER SPIEGEL
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Napster Droht jetzt doch das endgültige Aus?

Der Ton im Fall Napster wird wieder schärfer: Richterin Patel droht mit der Schließung der Tauschbörse. "Sie haben dieses Monstrum geschaffen", sagte Patel, "jetzt müssen Sie auch damit zurechtkommen".
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San Francisco - Im Fall Musikindustrie gegen Napster folgt Anhörung auf Anhörung. Seit Wochen wird darum gestritten, ob Napster nun seine Auflagen, zu denen die File-Sharing-Börse Anfang März in einer spektakulären Gerichtsverhandlung verdonnert wurde, erfüllt oder nicht. Jetzt musste Napster sich mal wieder abwatschen lassen: Ungewöhnlich deutlich tadelte Richterin Marilyn Patel den P2P-Dienst, schloss auch die Schließung nicht aus.

Doch wie so oft hat Napster auch hier Glück im Unglück: Bezirksrichterin Marilyn Patel tadelt, sie verteilt aber keine Tiefschläge. Das US-Unternehmen, meinte Patel, müsse seine Anstrengungen verstärken, mit Filtern urheberrechtlich geschützte Musikstücke vom Tausch auszuschließen. Es sei skandalös, dass Napster noch immer geschützte Titel im Programm habe.

Napster hat nach eigenen Angaben seine Filtertechnologie verfeinert, doch die Richterin hält dies nicht für ausreichend. "Vielleicht muss das System (Napster) geschlossen werden", fügte sie hinzu. Die bestehenden Filter seien "erbärmlich".

"Sie haben dieses Monstrum geschaffen..."

"Sie haben dieses Monstrum geschaffen, Sie müssen jetzt auch damit zurechtkommen," sagte Richterin Patel vor Napster-Vertretern. Das sind ungewöhnlich deutliche Worte, aber letztlich eine letzte Chance nach der letzten Chance nach der letzten Chance für Napster, denn die Richterin beklagt einen Zustand, der seit rund einem Monat Status Quo ist. Sowohl Musikindustrie wie Napster sind vollends damit beschäftigt, zu mauern und zu taktieren: Niemand wirft Patel derzeit einen Mangel an Geduld vor. Der Prozess wird zunehmend zur Posse.

Auch, dass sie vorschnell urteile, kann man Patel nicht vorwerfen: Wieder kündigte sie an, vor einer Entscheidung über eine eventuelle Schließung zunächst eine Expertenmeinung darüber einzuholen, was die Napster-Filter tatsächlich zu leisten vermögen.

Der von Napster beauftragte Anwalt Bob Silver äußerte sich zuversichtlich, dass der Experte bestätigen werde, dass die Musiktauschbörse alles in ihrer Macht stehende getan habe, um die Betriebsauflagen zu erfüllen.

Daran muss er wohl fest glauben, denn Napster agiert durchaus nicht wie ein Unternehmen, dem gerade die Schließung droht.

Einkaufstour: Napster rüstet technisch auf

Soeben kaufte Napster Anteile an der Musiktechnologiefirma Gigabeat, um seine Website mit neuer Software auszustatten. Man wolle sich so die Nutzung neuer Katalogisierungs- und Suchprogramme sichern, sagte Napster-Chef Hank Barry am Dienstag. Napster wolle die Gigabeat-Technologie in seinen derzeitigen Umbau der Tauschbörse in einen kostenpflichtigen Abonnentenservice integrieren. Zahlen über den Kauf wurden nicht genannt. Die Gigabeat-Mitgründer Wilburt Labio und Narayanan Shivakumar sowie die Techniker des Unternehmens sind bereits zu Napster gewechselt.

Napster liegt mit der Musikindustrie im Streit, weil Nutzer der Online-Börse bislang kostenlos Musik herunterladen können. Anfang März verpflichtete ein US-Gericht die Börse per einstweiliger Verfügung dazu, einen Filter einzurichten, durch den urheberrechtlich geschützte und von der Musikindustrie gekennzeichnete Titel vom Tausch ausgeschlossen werden.

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann war im Herbst mit der Bertelsmann Music Group aus der Reihe der gegen Napster klagenden Utnernehmen ausgeschert und will Napster bis Juli in eine kostenpflichtige Börse umwandeln. Augenscheinlich muss er allerdings nicht befürchten, auch finanziell in die Pflicht genommen zu werden, selbst wenn Napster zu hohen Zahlungen verurteilt werden sollte: Richterin Patel ist der Ansicht, dass die Investoren nicht belangt werden könnten. "Die Investitionen", sagte Patel, "sind zu klein, um sie haftbar zu machen".