Uni Darmstadt: Hacken steht auf dem Lehrplan - DER SPIEGEL
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Uni Darmstadt Hacken steht auf dem Lehrplan

An der Darmstädter Universität lernen Studenten das Eindringen in fremde Computer. Denn wer die Arbeit der Feinde kennt, soll sie auch bekämpfen können - aber ohne mit dem Wissen aus dem Hacker-Praktikum Unfug zu stiften.
Von Thomas Veitinger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Darmstadt - Es gibt böse Hacker. Und es gibt gute. Studenten an der Technischen Universität Darmstadt werden dazu ausgebildet, in fremde Computer einzubrechen – und trotzdem stehen sie auf der guten Seite. "Hacker Contest" heißt ein Praktikum, das dort seit 1999 läuft. "Um ein System verteidigen zu können, muss der Verteidiger in der Lage sein, das System aus der Sicht des Angreifers zu sehen", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Markus Schumacher.

Zwölf Studenten erarbeiten sich im Praktikum dabei zunächst die rechtliche Situation. "Es ist keine Anleitung zum Unfugmachen", stellt Veranstalter Schumacher klar. Die Rechtslage ist beim Hacken oft nicht eindeutig, es gibt viele Grauzonen. Damit die Studenten nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, üben sie allerdings nicht am "lebenden Objekt". Die Teilnehmer bauen selbst Netze auf, die andere wiederum versuchen zu knacken. Als Szenario greifen sich im kommenden Semester zwei konkurrierende Firmen gegenseitig an.

Wie Klingelstreiche am Hochhaus-Eingang

Gestartet wird mit Software, wie sie in Computergeschäften zu kaufen ist. Dabei sind laut Schumacher zunächst die Angreifer im Vorteil. Aber die Abschottung der Computer wird von Stunde zu Stunde besser. "Aus den Angriffen lernt man", so Schumacher. Nach einiger Zeit wende sich dann das Blatt: Die Verteidiger bekommen ihr Netz immer wasserdichter. Am Ende haben es die Angreifer sehr schwer, noch irgendwo ein Leck zu finden.

Zunächst spähen die Studenten die Situation aus: Welches Betriebssystem, welche Software kommen zum Einsatz? Anschließend wird abgetastet. Schumacher sagt, man könne sich das wie das Klingeln an allen Wohnungen eines Hochhauses vorstellen: Wer sich nicht meldet, ist vermutlich nicht da - und irgendjemand lässt einen immer ins Haus. Wer einmal drin ist, verändert möglicherweise Dateien, stiehlt Informationen oder richtet sich durch eine Hintertür einen dauerhaften Zugang ein.

Der "Hacker Contest" wird zwar als Studienleistung anerkannt. Dafür müssen die Studenten aber mindestens zwölf Stunden pro Woche investieren. Ein Vorbereitungssemester soll alle Teilnehmer auf den gleichen Stand bringen. Bis Jahresende stehen in Darmstadt drahtlose Funk-Computernetze, so genannte Wireless Lans, im Mittelpunkt. In der Vergangenheit waren ein Thema zum Beispiel "Trojanische Pferde": Programme, die hinter der Fassade eines Bildverarbeitungsprogramms ihr bösartiges Verhalten verstecken.

"In der freien Wildbahn strafbar"

"Die Studenten versprechen sich von dem Praktikum eine zusätzliche Qualifikation und bessere Aussichten auf einen Job", sagt Schumacher. Auf ein dutzend Plätze kommen in diesem Semester 24 Bewerber. "Meist haben die Studenten aber auch Bedarf sich selbst zu schützen, weil sie eine eigene Homepage haben oder einen Server mit einer selbst geschriebenen Firewall schützen wollen."

Bei der Kooperation mit der Wirtschaft sind die Darmstädter Informatiker vorsichtig. "Wir hatten auch schon Angebote von Firmen, die ihre Sicherheitssysteme von unseren Studierenden testen lassen wollten. Wir mussten aber ablehnen, weil das Risiko, dabei unabsichtlich Schäden zu verursachen, zu groß gewesen wäre", sagt Schumacher. Dass mit dem erlangten Wissen Unfug getrieben wird, glaubt der Wissenschaftler nicht: "In der freien Wildbahn macht man sich damit strafbar."