Web-Satire Ist "Dabblju" Bush ein Primat?
Wer etwa die Suchmaschine Google bemüht, um nach dem amerikanischen Präsidenten zu suchen, wird sofort fündig. An allererster Stelle steht ein Link, der sowohl Google-typisch (die Betreiber sind als Witzbolde bekannt) als auch Bush-typisch sein dürfte: "G.W. Bush for President", eine Hohn- und Spott-Seite.
Den Spott hat noch niemand schneller gesammelt als George der Jüngere. Auf Hunderten von Websites bekommt er es knüppeldicke ab. Immer wieder reiten die Spötter auf seiner angeblichen Legasthenie herum; fragen vielleicht nur, ob er nicht etwa ein mentales, sondern ein Besessenheitsproblem haben könne. Eine ganze Reihe von Website-Betreibern ist sich sogar sicher: "George W. Bush ist der Antichrist ."
"Der Bush, der die Wahl stahl"
Doch es geht auch charmanter. Bush inspiriert die Multimediakünstler , die ihn saufend und Kokain-schnupfend auf die Autobahn schicken (ein wahres Highlight!); er beflügelt die Phantasie der Karikaturisten , denen der Jim-Carrey-Film "Grinsh" die Steilvorlage zu "Bush, der die Wahl stahl " lieferte; er reizt die Satiriker zu einer bisher kaum bekannten Sammelwut.
Denn der größte Fundus an Bush-Witzen wird von ihm selbst beigesteuert: Websites wie BushWatch oder FearBush notieren akribisch jede miese oder leicht beknackte Nachricht, die sich auf das Tun und - so sagen viele - Stammeln des Präsidenten bezieht. Da bleibt kein Tag ohne News und kein Auge trocken.
Nichts für Mädchen und Schwule: Bush-Puppen
Toll auch News-Sites wie "George W. Bush Campaign Headquarters", die noch immer fleißig Nachrichten verbreiten. Wie zum Beispiel die vom Spielzeughersteller Mattel, der eine Georg-Bush-Puppe anbieten soll. Sorry, das muss man leicht korrigieren: "Das ist keine Puppe", sagt dazu angeblich Bush-Sprecher Edward J. Allen. "Nur Mädchen und Schwule spielen mit Puppen. Das hier ist eine Action-Figur. Und ja, George hat den Prototyp genehmigt."
Zur Ausstattung gehört natürlich auch ein Haus für die Action-Figur, "gesperrt für ethnische Minderheiten, es sei denn, sie sind als Diener beschäftigt". Muss man dazu noch erwähnen, dass die Action-Figur natürlich und lebensnah ihre Handflächen nur nach oben drehen kann, "als ob sie Spenden sammelte"?
Ob man Bush nun gleich zum Papst machen muss, darüber kann man streiten; ob die extensive Sammlung bei "BushorChimp " nun wirklich beweist, dass der Präsident in Wirklichkeit ein Primat ist, ebenfalls. Die rattenfreche Website dürfte wohl die Krone unter den Bush-Satiren für sich beanspruchen: Sie sammelt Log-ins und Visits wie sonst nur große kommerzielle Angebote. Das Konzept könnte dabei kaum einfacher sein: Eine Unzahl von Bush-Fotos wird Schimpansen-Fotos mit teils sehr ähnlicher Mimik gegenübergestellt: Ein Indizienbeweis für die These, die die Site bereits im Namen trägt - BushOrChimp?
- Bush:Ist der Präsident ein Primat?
- Bush:Multimediale Häme
- Bush:Karikaturensammlung
- Bush + Bruder:Saufend und schniffend auf der Autobahn
- Bush:Leicht voreingenommen - FearBush
- Bush:Ist George W. der Antichrist?
- Bush:GWBush.com - fast offiziell
- Bush:Election Headquarter - ein Service des Gegners
- Bush:Die dunkle Seite des Präsidenten
- Wahlkrampf:Bush-Watch
- Bush:Wilde Gerüchte und Konspirationstheorien
- Bush:Verzeichnis von Spott-Seiten
- Bush:TooStupidToBePresident
- Bush:Seltsame Zitatensammlung - "Wenn Bush spricht"
- Bush:Salon.com bleibt das Lachen im Halse stecken
- That's my Bush!:- Homepage bei Comedy Central
- Wahlkrampf:Die Georg W. Bush-Tanz-Homepage
- Wahlkrampf:Milliardäre für Bush (oder Gore)
Der Erfolg der Website hat längst dazu geführt, dass die Betreiber ein eigenes Merchandising auf die Beine gestellt haben, mit den unvermeidlichen T-Shirts und Postern. Trotzdem kann die Site am Ende den Beweis nicht liefern, da sie sich durch eine offensichtliche Fälschung selbst entlarvt: Da sind Seite an Seite Bush und ein Schimpanse beim Lesen zu sehen. Bush in einer Zeitung, der Schimpanse in Darwins "Ursprung der Arten". Das, erkennen Experten sofort, ist überhaupt nicht möglich: Bush liest nie, wie er selbst sagt.
Völlig unstrittig dürfte dagegen sein, dass neben Bush selbst würdige Vorgänger in der Massenproduktion von Anekdoten wie Reagan, Lübke oder Kohl ("Wer ja sagt zur Frau, muss auch ja sagen zur Familie") verblassen. Entsprechend deutlich fällt das Urteil vieler Satiriker dann auch aus, bis hinein in die Web-Adressen: "TooStupidToBePresident.com".
Doch alle schöpfen sie letztlich aus der unerschöpflichen Quelle der Reden und Taten Bushs. Wenn der bekennende Nicht-Leser den Mund aufmacht, spitzen seine Gegner die Ohren. Ungehört verhallt da nichts, wenn www.GeorgeBushSpeaks.com .