www.diebild.de Guter Witz, miese Pointe
Heiko Häusler wirkt besorgt. Den Start seines Satiremagazins "diebild" hatte der 24-Jährige sich wohl lustiger vorgestellt. Im Stil von Deutschlands größter Boulevardzeitung "Bild" wollten der Freiburger Student und ein paar Freunde für ein Dauerschmunzeln bei Deutschlands Internetsurfern sorgen.
Erst ging auch alles recht witzig los: Zu Ostern meldete das Magazin, der Islam habe in einer feindlichen Übernahme die Aktienmehrheit der katholischen Kirche an sich gerissen, und die Zwillinge von "Tagesthemen"-Frau Gabi Bauer seien in Wirklichkeit von Dieter Bohlen. Doch jetzt, gut zwei Wochen nach Erscheinen des Magazins, hat Häusler selbst nicht mehr viel zu lachen.
Seine Laune hat ihm ein Brief von einer Hamburger Anwaltskanzlei verdorben, in dem die Juristen nicht mal zum Start des Internetprojektes gratulierten. Humorlos fordern sie im Auftrag des Axel Springer Verlags, dass Häusler bis Mittwoch, 18 Uhr, die Domain www.diebild.de freigibt und das abgewandelte rote "Bild"-Logo von seiner Seite entfernt. Häusler habe die Kennzeichenrechte des Verlages verletzt, der die "Bild"-Zeitung herausgibt. Jetzt herrscht Krisenstimmung bei den Machern der "Bild"-Persiflage.
Schon vor dem Fristende zieht das Magazin um
"Wir hatten nicht damit gerechnet, dass der Verlag so heftig reagieren würde", sagt Häusler etwas bekümmert und fügt hinzu: "Schließlich ist 'diebild' nur ein privates Projekt, und wir haben bisher erst ein paar hundert Leute, die überhaupt unsere Seite kennen."
Doch zum kämpferischen David fehlt Häusler die Lust - auf ein Gerichtsverfahren will er es nicht ankommen lassen. Zu gewaltig wirkt für ihn die juristische Keule, die der Springer-Goliat schwingt. Und so werden die Internetsurfer schon vor dem Fristende von www.diebild.de auf www.bloeff.de, die neue Adresse des Magazins, dirigiert.
Die Rechnung der Springer-Anwälte für die Abmahnung reißt ein tiefes Loch in die Taschen der Hobbysatiriker. Mehr als 3000 Mark soll sie der Spaß kosten, weil die Anwälte von einem "Gegenstandswert" von einer halben Million Mark ausgegangen sind - ein teures Vergnügen.
- "Bild"-Satire vorher:DieBild.de
- ...und nachher:Bloeff.de signalisiert deutlich "Vorsicht Satire"
- "X"total -:ehemals "BildTotal.de"
- Homepage der "Bild"
Damit greifen die Juristen auf Bewährtes zurück. Auch der österreichische Betreiber der "Bild"-Verballhornung "bildtotal" bekam im März einen Blauen Brief von Springers Anwälten. Nikolaus Formanek ging damals in die Offensive und prallte hart ab. Der Umzug auf www.bbiilldd.de brachte einen zweiten Brief und nach Formaneks Angaben insgesamt mehr als 6000 Mark auf das Konto der abmahnenden Kanzlei. Seitdem verwurstet der Österreicher unter dem politisch korrekten Namen "X total" die Schlagzeilen, die sonst "Bild"-Zeitungsleser beeindrucken. Doch er spricht seinen deutschen "Kollegen" Mut zu: "Humor ist einfach das beste Mittel, um gegen solche Großkonzerne anzukommen. Und mit ihren Juristen sorgen sie letztlich nur für unsere Popularität."
Für Formanek ist das okay, er ist immerhin im "Web-Business". Die Freiburger Studenten hatten es dagegen nicht auf werbende Effekte abgesehen: Für sie war die ganze Sache nur ein Spaß. Der dürfte ihnen nachhaltig vergangen sein.