Big Diet 3,5 atü im Darm
"Wenn der Stuhlgang die Düse verlässt, kann es schon mal sein, dass einem die braunen Brocken um die Ohren fliegen." Michael, 32, 110,6 Kilogramm Körpergewicht, 94,6 Kilogramm Zielgewicht, hat durch ungewohnt viel Salatgenuss rund 3,5 atü, Atmosphärenüberdruck, im Darm, so sagt er. Eigentlich kein Problem. Doch dass auf dem Klo eine Kamera installiert ist, stört den jungen Mann dann doch. Dabei hat er sich das stille Örtchen selbst ausgesucht.
Die Toilette befindet sich im "Big Diet"-Haus, einer Villa, in der seit dem Wochenende zwölf Übergewichtige leben, essen, den schwabbeligen Körper drillen und vor allem eins wollen: Substanz abbauen. Unterstützt werden sie dabei von einer Moderatorin, die das richtige Format für dies Doku-Drama zu haben scheint. Margarethe Schreinemakers, 42, 52 Kilogramm verteilt auf 168 Zentimeter. Die Passion der drahtigen Wahlbelgierin ist, die Bundesdeutschen zu motivieren, mal wieder "den Hintern zu heben". Bewegen und Abnehmen, Abnehmen und Bewegen. So wie sie es selbst vorgemacht hat. Schreinemakers ist begeistert: 7820 Menschen haben sich beworben, fast die Hälfte davon Männer, ihr Leben zu ändern. "Toll."
"Big Diet soll Ihr Sommerprogramm sein," erklärt sie den Zuschauern durch die zusammengebissenen Backenzähne. Spricht sie so gepresst, um ihr Dauergrinsen möglichst breit zu halten? Jeden Tag "einen Fitnesstipp fürs Wohnzimmer". "Schön. Ne?" freut sich Schreinemakers, die "Tränen-Grete", geschasste Ex-Quotenqueen von Sat.1 und RTL, die mit dem großen Fasten nach drei Jahren Bildschirm-Abstinenz ein Comeback versucht. "Schön. Ne?" sind die meist gesagten Wörter der Sendung. Gleich danach kommt "toll".
Das Muster der Show ist simpel. Zwölf Dicke sind eingezogen, um Pfunde zu lassen. Am Ende jeder Woche muss das Zielgewicht erreicht sein. Wer es schafft, wird belohnt - beim Sieger und der Siegerin werden die verlorenen Fettkilos mit ebenso viel Gold aufgewogen. Wer moppelig bleibt, fliegt. Anders als bei "Big Brother", wo Kandidaten nach Sympathie aus dem Container rausgewählt wurden, wird bei "Big Diet" aus der "tollen Wellnessfarm" rausgewogen.
Hautnah erfährt das Publikum dann die Motivationen zum öffentlichen Abspecken. "Ich würde mal gern wieder meinen Schniedel sehen," sagt der eine. Sabina, 31, 112,8 Kilogramm, Zielgewicht 94,8 Kilogramm, muss beim Sex so den Bauch einziehen, dass sie "ganz dicke Knie" davon bekommt. Hüseyin, 28, der von 126,6 Kilogramm auf 108,6 Kilogramm abmagern soll, bekommt Druck von seiner Frau. Sie will "endlich mal wieder trocken bleiben, wenn ich mit ihm tanze". "Er schwitzt so arg." Schreinemakers versteht die Frau. Überhaupt hat sie Verständnis für alle, das Publikum, die Zuschauer an den Bildschirmen und natürlich die Kandidaten. Und Sorgen um die Intimsphäre brauche sich niemand zu machen. Kameras auf den Toiletten seien lediglich dazu da, zu überwachen, dass niemand - das Gold vor Augen - Essen erbreche.
Nun werden auch die Zuschauer daheim aufgefordert, mitzumachen. "Wir haben jetzt mal eine ganz private, persönliche und intime Frage an Sie. Schauen Sie mal auf die Person, die da neben Ihnen auf dem Sofa sitzt. Finden Sie auch heute noch Ihren Partner schön? Oder sind Sie der Meinung, das, was ich da sehe, gefällt mir nicht mehr." Per Telefonabstimmung bekommt so auch der Sofa-Partner sein Fett ab. Denn mit so einem Ted kann "man doch mal, ohne jemand zu verletzen, seine Meinung kundtun". Jau. Das ist schön, ne? Das Ergebnis kommt dicker als befürchtet: Nur 31,79 Prozent der Anrufer sind mit ihren Partner zufrieden. 68,21 Prozent sind das nicht. Toll für Schreinemakers. Kurzfristig, zumindest. Denn richtig mager ist an diesem Abend vor allem eins: Die Quote, die mit 5,9 Prozent in der Zielgruppe (rund 1,2 Millionen Zuschauer) weit unter den bereits im Vorfeld tief gestapelten Erwartungen liegt.
Claudia, 26, der gut gelaunte Wonneproppen unter den Kandidatinnen (knapp 90 Kilogramm), liebt Männer, Erotik und Sexualität. "Ich babbel ziemlich viel d' ganze Tag, sei's der größte Scheißdreck. Aber des is' halt schön." Ist das vielleicht der Leitspruch der Sendung?