Fall 3 Messerstecher laufen frei herum
Hamburg - Ganz harmlos sollte der Abend werden. Die drei Hamburger hatten sich am 9. März im Kino verabredet. Auf dem Programm stand die Liebeskomödie "...und dann kam Polly". Eine halbe Stunde nach Beginn der Vorstellung betraten mehrere Jugendliche den Kinosaal - offensichtlich wollten sie den Film nicht wirklich sehen. Sie unterhielten sich laut, zündeten sich trotz des Rauchverbots Zigaretten an. Das störte die drei Kinogänger, also forderten sie die Störenfriede zur Rücksichtnahme auf.
Doch nach der Vorstellung kam die Revanche: Es kam zu Handgreiflichkeiten. Schließlich stachen zwei aus der Rabaukengruppe mit Messern mehrmals auf die drei Männer ein. Einer erlitt mehrere Stichwunden in beiden Oberschenkeln, sein Freund wurde am Oberarm getroffen. Der Schnitt traf die Schlagader, drei Finger seiner rechten Hand sind seither taub.
Die Polizei hat die vier Jugendlichen inzwischen gefunden - per Zufall. Einer der Täter hatte sich bei dem Überfall ebenfalls verletzt und ließ sich im selben Krankenhaus behandeln wie die Opfer. Trotzdem reicht es nicht für einen Haftbefehl - bei keinem der vier Verdächtigen, denn die Jugendlichen äußerten sich im Verhör zu den Vorwürfen nicht. Es sei noch kein Haftbefehl beantragt, weil noch keiner eindeutig als Täter identifiziert worden sei und die individuelle Schuld nicht feststehe, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger gegenüber SPIEGEL ONLINE. Bis dahin bleiben alle vier auf freiem Fuß.
Verlierer sind die Opfer. Er sei fassungslos, "dass die Messerstecher frei herumlaufen", sagte der 28-Jährige dem "Hamburger Abendblatt". "Und dass ihnen, nachdem die Polizei sie ermittelt hat, erst einmal nichts passiert."