Fall 4 Keine Fluchtgefahr, keine U-Haft
Stuttgart - Es war Samstagabend, der 20. März: Die 16-jährige Gymnasiastin war mit ihrer gleichaltrigen Freundin in einem Stuttgarter Erlebniszentrum zum Bummeln verabredet. An einem Spielautomaten trafen die beiden Mädchen eine Gruppe von Jugendlichen. Ein 15-jähriger Junge aus der Gruppe gefiel der Schülerin. Sie unterhielt sich mit ihm und ging schließlich mit ihm zusammen nach draußen, zum Knutschen. Doch sie blieben nicht allein.
Nach Darstellung des Mädchens folgten ihr sieben weitere Jungs in den Park, sie hätten sie auf eine Wiese gezerrt, ausgezogen und seien nacheinander über sie hergefallen.
Einem der Wachmänner des Zentrums fiel auf, dass die Jugendlichen sich allesamt auf den Weg in den Park gemacht hatten. Er alarmierte die Polizei. Die Begleiterin des Mädchens fand ihre tränenüberströmte Freundin kurze Zeit später. Noch am selben Abend zeigte das Opfer seine Peiniger an. Die Polizei leitete daraufhin eine landesweite Fahndung ein.
Eineinhalb Wochen später spazierten sieben junge Männer zwischen 15 und 17 Jahren in Begleitung ihrer Angehörigen ins Polizeirevier Filderstadt. Sie seien es, nach denen gefahndet werde, es habe sich aber alles ganz anders zugetragen. Sie hätten das Mädchen nicht vergewaltigt. Vielmehr sei die 16-Jährige einverstanden gewesen, behaupteten die Jungs. Als Beweis für ihre Version sagten die Jugendlichen: Das Mädchen habe sich nicht gewehrt.
Da allerdings weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr bestand, wurden alle sieben wieder auf freien Fuß gesetzt. Allerdings meldete sich kurz darauf ein weiteres Mädchen bei der Polizei und zeigte zwei der Jugendlichen an. Abermals wegen Vergewaltigung. Diese beiden Beschuldigten sitzen nun seit dem 2. April in Untersuchungshaft. Bei ihnen bestehe im Gegensatz zu den anderen sowohl Verdunklungsgefahr als auch Wiederholungsgefahr, sagte der Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Eckhard Maak, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Ihre fünf Freunde sind weiterhin auf freiem Fuß.