Geiseldrama in der Wüste Erst mal ein Schnitzel
Bayreuth - Dieser Tage braucht es offenbar nicht viel, um Ulrich Hanel aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein glücklich zu machen: Er sei sehr froh, dass er lebe und das Feuergefecht bei der Befreiung überstanden habe, sagte der 53-Jährige der Nachrichtenagentur AP. Und der Nachrichtenagentur dpa verrät er seinen ersten Wunsch: ein Schnitzel mit Sauerkraut und Serviettenkloß. Schließlich habe er während der Gefangenschaft 18 Kilogramm abgenommen.
Müde, aber äußerlich unversehrt war Hanel am Donnerstagmorgen gegen 03.00 Uhr in seiner Heimat eingetroffen. Mit an Bord der Maschine, die den Ex-Lehrer nach Deutschland zurückgebracht hatte, saßen seine Leidensgenossen: Melanie Simon aus Bayreuth, ihr Freund Axel Mantey aus Sulzbach-Rosenberg sowie Harald Ickler, Andreas Kiehlechner und Michaela Joubert aus Miesbach.
Über die näheren Umstände seiner Geiselhaft nahe der Stadt Tamanrasset schweigt sich Hanel mit Rücksicht auf die noch vermissten 15 Geiseln aus. "Ich will jetzt einfach Luft holen, die ganze Sache verarbeiten. Man hat mir psychologische Hilfe angeboten."
Doch neben den Anweisungen des Bundeskriminalamtes gibt es noch einen anderen Grund für das Schweigen der befreiten Geiseln: "Was zahlen Sie eigentlich?", fragt Hanel am Donnerstag jeden Reporter, der ihn befragen will. Der Sohn eines weiterhin vermissten Mannes aus Bayern soll für Gespräche mit TV-Sendern bereits mehrere hundert Euro kassiert haben. Alle wollen die Geschichte der Geiseln.
Auch am Lehrstuhl für Geomorphologie, an dem Melanie Simon in Bayreuth studiert, laufen die Telefone heiß. "Wir können hier nicht mehr klar denken", sagte ein Mitarbeiter. Am 1. April sollte die ausgebildete Chemie-Laborantin im Institut eine Stelle antreten. "Die haben wir für sie freigehalten", sagt ihr Professor Ludwig Zöller. Dem Wissenschaftler schilderte Melanies Vater Hartmut aus Göppingen nähere Umstände der Befreiung: "Es war demnach wohl keine gezielte Befreiungsaktion, vielmehr haben die Geiseln einfach die Gunst der Stunde genutzt und sind in die Arme einer Militärpatrouille geflüchtet", sagt Zöller. Erst danach hätten die Soldaten die Verfolgung aufgenommen. Jetzt wartet der Professor, dass auch die 25-jährige Studentin sich bei ihm meldet. Vorerst wird sie noch von ihren Eltern daheim in Göppingen abgeschirmt.
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Marion Simons Freund Axel Mantey, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bayreuther Lehrstuhl für Polymere Werkstoffe arbeitet, ist untergetaucht: "Der Axel ist nicht hier in Sulzbach, an die Uni kann er vorerst nicht zurückkehren", sagt seine Mutter Erika auf AP-Anfrage. Genau darauf wartet man aber in Bayreuth: "Wenn er wiederkommt, machen wir eine Riesenparty für ihn", kündigt Professor Volker Altstädt an. Und dann ergänzt er noch: "Am liebsten schon am Montag - wir haben genug Arbeit für ihn."