Naturkatastophe im Iran: "Das ist die Apokalypse" - DER SPIEGEL
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Naturkatastophe im Iran "Das ist die Apokalypse"

Nach einer kalten Nacht unter freiem Himmel erleben die Einwohner von Bam einen trostlosen Tag. Trauer um Angehörige, Freunde und Nachbarn ist allgegenwärtig. Stündlich steigt die Zahl der Todesopfer. "Wir fürchten, dass es bis 40.000 gehen wird", sagt der Gouverneur der Provinzhauptstadt Kerman, Akbar Alawi.
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Bam - In einer einzigen Stunde habe er mit seinen Leuten am Samstag 200 Leichen aus den Trümmern einer Wohnstraße geborgen, sagt der Leiter eines Bergungsteams, Ahmad Nadschafi. Auf einem der Friedhöfe von Bam hebt ein Bulldozer ein Massengrab aus. Mehr als 20 Tote liegen schon darin. An einem Einzelgrab in der Nähe betet ein Geistlicher mit einer Gruppe von zehn Angehörigen. Männer und Frauen schlagen sich ins Gesicht und auf ihre Brust - diese traditionelle Trauerbekundung ist überall in Bam zu sehen.

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"Das ist die Apokalypse", sagt Mohammed Karimi, der die Leichen seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter zum Friedhof gebracht hat. "Es gibt nichts als Verwüstung und Trümmer." Mit Schaufeln und manchmal auch mit bloßen Händen wird im Schutt der eingestürzten Häuser nach Toten und möglichen Überlebenden gegraben. In einigen Teilen der Stadt haben auch Bulldozer mit der Räumung von Trümmern begonnen.

Die Nacht im Freien

Der iranische Innenminister Abdolwahed Musawi Lari macht sich am Samstag persönlich ein Bild von den Verwüstungen in Bam. Während er mit Journalisten spricht, wird er von einem weinenden Mann unterbrochen. "Mein Vater liegt unter den Trümmern", klagt er. "Seit gestern suche ich überall Hilfe, aber niemand steht mir bei. Bitte helfen Sie mir. Ich will, dass mein Vater weiter lebt!" Der Innenminister versucht, den Mann zu beruhigen und weist einen Helfer an, ihm weiterzuhelfen.

Es gebe kaum ein Gebäude in Bam, das nicht zerstört sei, sagt der Minister. Auch in den wenigen noch stehenden Häusern sei das Einsturzrisiko zu hoch. Bis zum Abend sollten aber alle Obdachlosen eine Notunterkunft finden, verspricht Lari. Am Samstag werden weitere Zelte in die Stadt gebracht.

Die erste Nacht nach der Katastrophe haben Tausende von Überlebenden im Freien verbracht, bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Einige Hundert konnten in Zelten schlafen, die von den ersten Helfern errichtet wurden. Aus vielen Ländern, von Australien über Deutschland bis Russland, wurde Hilfe zugesagt. Am Samstag treffen Spürhundestaffeln aus Deutschland und der Schweiz in Bam ein, um in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. In der zur Abstimmung der Hilfseinsätze in Bam eingerichteten Zentrale heißt es, dass Kleidung, Zelte, Schaufel und Bulldozer jetzt am dringendsten gebraucht werden.

Das Beben vom Freitagmorgen hat das historische Antlitz der alten Stadt zum größten Teil zerstört. Das Wahrzeichen der Festung - ein gewaltiger Komplex aus Trümmern, Mauern und Kuppeln - ist wie eine Sandburg in sich zusammengefallen; nur wenige Mauern des einzigartigen Lehmziegelgebäudes stehen noch. Das einzige Lächeln, das in Bam zu sehen ist, ist das der Schauspieler auf einem Filmplakat. Das Kino dahinter liegt in Trümmern.

Ali Akbar Dareini, AP

Spendenkonten

DRK: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 41 41 41, BLZ 370 205 00, Stichwort "Iran"

Aktion Deutschland Hilft: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 10 20 30, BLZ 370 205 00, Stichwort "Iran"

Caritas: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 202, BLZ 660 205 00, Stichwort `Erdbeben Iran"

Diakonie "Katastrophenhilfe": Postbank Stuttgart, Konto 502 707, BLZ 600 100 70, Kennwort "Erdbebenhilfe Iran"

Welthungerhilfe: Sparkasse Bonn, Konto 1115, BLZ 380 500 00, Stichwort "Iran"