Prozess: Ulrikes mutmaßlicher Mörder schildert Tathergang - DER SPIEGEL
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Prozess Ulrikes mutmaßlicher Mörder schildert Tathergang

Am zweiten Prozesstag gegen den mutmaßlichen Mörder von Ulrike beschreibt der Angeklagte, was vor dem Verbrechen passierte. Der Tathergang selbst wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.
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Frankfurt/Oder - Er habe auf dem Waldweg in Eberswalde die Kontrolle über seinen zuvor gestohlenen Wagen verloren und sei deshalb mit dem Rad fahrenden Kind kollidiert, erklärte Stefan Jahn am Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt an der Oder. Der 25-Jährige hatte bei der Polizei bereits gestanden, das Mädchen am Nachmittag des 22. Februar 2001 entführt, vergewaltigt und dann getötet zu haben.

Der Angeklagte sagte aus, er habe Ulrike nie vorher gesehen. Aus Angst vor Ärger mit der Polizei wegen des gestohlenen Fahrzeugs habe er das Mädchen nach dem Zusammenstoß spontan mitgenommen. Nach dem Unfall habe er zunächst den Lenker von Ulrikes Fahrrad zurechtbiegen wollen. Nachdem sich das Kind gewehrt habe und flüchten wollte, habe er es "in den Schwitzkasten genommen" und ins Auto gesperrt.

Nachdem er die vom Zusammenprall leicht am Unterschenkel verletzte Ulrike auf den Beifahrersitz des Wagens gezwungen hatte, versperrte er die Tür und schraubte nach eigenen Angaben den Verriegelungsknopf ab. Die als Nebenkläger anwesenden Eltern nahmen mit empörten Gesichtern die Behauptung des Angeklagten auf, er habe das Kind nach kurzer Zeit wieder freilassen wollen. Ulrikes Vater Detlef Brandt reagierte mit dem Zwischenruf "Lüge" auf diese Aussagen.

Erneut sagte der Angeklagte nur stockend und mit leiser Stimme aus. Auf Nachfrage der Richterin räumte er ein, verschiedene Cremes bei sich gehabt zu haben. Damit will sich der Mann, der zuvor mehrere Wochen auf der Straße lebte, gepflegt haben. Die Anklage geht davon aus, dass er die Lotionen für die Vergewaltigung verwenden wollte.

Stefan Jahn schilderte, wie er vor der Tat mit der S-Bahn aus Berlin nach Strausberg fuhr und dort ein Auto stahl. Eigentlich habe er zu Freunden nach Neu Golm fahren wollen. Dann habe er aber doch den Weg nach Eberswalde eingeschlagen. Im Gegensatz zu früheren Vernehmungen gab der Angeklagte an, schon auf dieser Strecke anderthalb Flaschen Schnaps und zwei Flaschen Bier getrunken zu haben. Wegen seines Alkoholpegels habe er vor der Kollision mit Ulrike auch die Kontrolle über sein Auto verloren.

Zum Sexualverbrechen wollte sich der Angeklagte am Nachmittag äußern. Dann sollte nach einem Beschluss des Gerichts die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Zu Beginn des Prozesses am Mittwoch hatte der Angeklagte zunächst von seiner schwierigen Kindheit berichtet. Nach dem Tod seiner Mutter hatte er im Heim gelebt und begonnen Autos zu stehlen. Deswegen ist er mehrmals vorbestraft. Vier Ausbildungen brach er kurz nach Beginn wieder ab. Zuletzt lebte er vor seiner Festnahme als Arbeitsloser in Fürstenwalde östlich von Berlin.

Ulrike Brandt war am 22. Februar 2001 nur wenige Meter von ihrem Elternhaus im brandenburgischen Eberswalde entfernt entführt worden. Laut Anklage fuhr Stefan J. das Mädchen auf ihrem Fahrrad mit einem gestohlenen VW Polo an, sperrte sie in den Wagen und fuhr mit ihr auf ein abgelegenes früheres Militärgelände. Dort vergewaltigte er das Kind mehrmals. Anschließend tötete er es, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen.

Ein Großaufgebot an Polizisten hatte nach Ulrikes Verschwinden erfolglos nach dem Mädchen gesucht. Erst zwei Wochen später war sein Leichnam entdeckt worden. Mittels Fingerabdrücken auf einer Flasche neben dem toten Kind hatte die Polizei Stefan Jahn als Täter ermittelt und ihn am 28. März festgenommen.