Reemtsma-Lösegeld Nach fingiertem Überfall tauchen 600.000 Dollar auf
Aachen - Es sollte aussehen wie eine "normale" Schießerei. Dafür nahm der Physiotherapeut mit Praxis in Aachen auch schlimme Schmerzen in Kauf. In seiner belgischen Wohnung ließ er sich Anfang November von einem Komplizen anschießen. Seine Geschichte für die Polizei: ein Raubüberfall. Der 33-jährige Deutsche musste sogar mit einem Hubschrauber ins Klinikum Aachen transportiert und dort notoperiert werden.
Der Hintergrund dieser obskuren Geschichte kam erst jetzt ans Licht, denn der Komplize packte aus. Der 39-Jährige erzählte der Polizei, dass nie ein Überfall stattgefunden habe. Beamte durchsuchten daraufhin die Wohnung des Deutschen und fanden dort 600.000 Dollar.
Inzwischen hat der Mann selbst die Aussage seines Komplizen bestätigt - und die Wahrheit hat es in sich: Die Dollars stammen aus dem Lösegeld, das vor fünf Jahren für den entführten Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma gezahlt wurde.
Der 33-Jährige hat es nach eigener Aussage versteckt. Alles in allem habe es sich sogar um 700.000 Dollar gehandelt, die er von einem 57-Jährigen erhalten hatte, dessen Bruder zum engen Umfeld des Reemtsma- Entführers Thomas Drach gehört. Das Geld war ihm demnach nur zur Aufbewahrung anvertraut worden - doch er gab 100.000 Dollar für sich aus. Deshalb sei er in Panik geraten, als kürzlich Personen aus dem Umkreis von Drach das Geld zurückgefordert hätten, erklärte er.
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Den Entführer hatte das Hamburger Landgericht am 8. März dieses Jahres zu vierzehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte Reemtsma 1996 gegen 30 Millionen Mark Lösegeld wieder freigelassen. Davon waren bisher lediglich 1,2 Millionen sichergestellt worden.
Gegen den Therapeuten erging nun Haftbefehl wegen Geldwäsche und Verstoßes gegen das Waffengesetz, wie die Staatsanwaltschaft Aachen am Dienstag mitteilte. Der 39 Jahre alte Komplize wurde nach seinem Geständnis vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt.