Tödlicher Schuss: Die Handschrift des Snipers - DER SPIEGEL
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Tödlicher Schuss Die Handschrift des Snipers

Die Serie heimtückischer Morde im Großraum Washington geht offenbar weiter. Die jüngste Tat, bei der ein 53-Jähriger an einer Tankstelle aus dem Hinterhalt niedergestreckt wurde, trägt die Handschrift des Heckenschützen.
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Washington - Der Schuss kam aus der Dunkelheit, wieder hatte das Opfer keine Chance. Alles scheint darauf hinzuweisen, dass ein 53-Jähriger das neunte Opfer eines Scharfschützen ist, der seit einer Woche in den Vororten von Washington sein Unwesen treibt. Zwei der ersten Opfer waren aus dem Hinterhalt an Tankstellen niedergeschossen worden - und nun ein Autofahrer, der gerade den Tank seines Wagens an der Sunoco-Tankstelle in Manassas, Virginia, rund 40 Kilometer südwestlich von Washington gefüllt hatte und noch an der Zapfsäule stand. Plötzlich, kurz nach 20 Uhr, peitschte ein einziger Schuss durch die Luft. Der Getroffene sackte zusammen und starb sofort.

Die Tat trug die Handschrift des von Hunderten Polizisten seit einer Woche gejagten Mörders, der mit Schüssen bereits sechs Menschen tötete und zwei schwer verletzte. Ob die tödliche Kugel aus demselben Gewehr kam, war am Donnerstag noch unklar.

Die Polizei hofft, dass Aussagen von Augenzeugen diesmal bei den Ermittlungen weiterhelfen. Erneut wurde nahe dem Tatort ein weißer Van gesehen, nachdem gefahndet wird. Zeugen hatten bereits vergangene Woche an einem der Tatorte von einem davonbrausenden weißen Kleinlaster gesprochen. Weil der Schütze jeweils aus großer Entfernung auf seine Opfer zielt und nur einen einzigen Schuss abfeuert, hat die Polizei bislang kaum Augenzeugen.

"Wir haben uns sofort mit den Kollegen in Verbindung gesetzt, die die anderen Fälle bearbeiten", sagte der Polizeichef im zuständigen Bezirk Prince William südwestlich von Washington, Charlie Deane. Der dortige Fahndungsleiter warnte zwar vor voreiligen Schlüssen. Beamte räumten jedoch ein, dass alles auf eine Attacke des Heckenschützen hinweise. "Wir haben noch keine harten Beweise, dass ein Zusammenhang besteht", sagte Polizeichef Charles Moose im Bezirk Montgomery am Donnerstagmorgen. Moose leitet eine der größten Polizeiaktionen, die die Region je gesehen hat. In seinem Bezirk streckte der Heckenschütze vor einer Woche die ersten fünf Opfer nieder.

Die Behörden haben die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung des Täters inzwischen auf mehr als 300.000 Dollar erhöht.

Die Polizei hatte im Bezirk Montgomery einen Waffennarren festgenommen, doch es ist äußerst fraglich, ob es sich bei ihm um den wahren Täter handelt. Der 38-Jährige habe in seiner Wohnung nur wenige hundert Meter von mehreren Tatorten entfernt aus dem Fenster geschossen, hieß es. Der Mann gelte als "geistig verwirrt". Er sei der Polizei als Waffensammler bekannt gewesen und schon zu Beginn der Fahndung vernommen worden. In seiner Wohnung wurden zahlreiche Waffen gefunden. Der Mann wurde in eine Einrichtung für psychisch Kranke gebracht.

Weiter Rätsel gibt eine an einem der Tatorte gefundene Tarot-Karte auf. "Ich bin Gott", war von Hand auf die Karte mit dem Symbol des Todes geschrieben. Die Karte wurde nahe der Tusker-Mittelschule gefunden, vor der ein 13-jähriger Junge angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde. Laut "Washington Post" stand auf der Karte auch die Bitte, den Fund nicht bekannt zu machen. Dennoch wurde über die Karte berichtet, was möglicherweise die Wut von Polizeichef Moose verursachte, der die Medien scharf kritisierte, sie behinderten die Polizeiarbeit.

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