"Weckruf": Bush lobt seine Landsleute - DER SPIEGEL
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"Weckruf" Bush lobt seine Landsleute

Für den US-Präsidenten ist der größte Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas ein "Weckruf". Er sei ein Zeichen, dass das Stromnetz modernisiert werden müsse, sagte George W. Bush. Er lobte erneut das Verhalten seines Volkes: Die Menschen hätten "den großartigen Charakter Amerikas" gezeigt.
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New York - 40.000 Sicherheitskräfte patrouillierten auf den Straßen New Yorks. Anders als beim letzten großen Stromausfall 1977 kam es diesmal kaum zu Plünderungen. Lediglich aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, der kanadischen Hauptstadt Ottawa und Toronto wurden einzelne Fälle gemeldet. Insgesamt blieb die Lage in den betroffenen Städten jedoch weitgehend ruhig.

Jetzt komme es erst einmal darauf an, das Problem zu finden, sagte Bush beim Besuch eines Naturparks bei Santa Monica in Kalifornien. Dann werde man es analysieren und "eine Antwort geben".

Nach dem Stromausfall waren die E-Werke am Freitag fieberhaft mit der Wiederherstellung der Versorgung beschäftigt. Von dem Ausfall waren am Donnerstagabend bei hochsommerlichen Temperaturen rund 50 Millionen Menschen betroffen, praktisch die gesamte Nordostküste sowie Teile Kanadas wurden lahm gelegt. Viele mussten sich auf ein ganzes Wochenende ohne Licht, teilweise ohne Telefon und - bei sengender Hitze - ohne Klimaanlage einstellen.

Unterdessen mehrten sich die Hinweise, dass der Blackout vom Mittleren Westen der USA ausging. Industrievertreter betonten jedoch, dass die Ursache noch nicht geklärt sei. Ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen.

In New York blieben tausende Menschen in U-Bahnen und Aufzügen stecken. Generatoren konnten lediglich eine Notversorgung aufrechterhalten. Tausende Pendler mussten in Bahnhöfen oder gar auf der Straße übernachten. Auch Gäste eines Hotels waren betroffen, da die elektronischen Zimmerschlüssel nicht funktionierten. Am Freitagmorgen war die Stromversorgung teilweise wieder hergestellt, die U-Bahnen standen im morgendlichen Berufsverkehr jedoch weiter still. Vielerorts wurden die Arbeitnehmer aufgefordert, den Freitag freizunehmen.

Tausende strömten nach Beginn des Stromausfalls kurz nach 16 Uhr Ortszeit (22 Uhr MESZ) aus den Hochhäusern von Manhattan, nachdem sie schier endlose Treppen hinabgelaufen waren, und machten sich bei Temperaturen von über 30 Grad zu Fuß auf den Heimweg. Die Brücken wurden für den Verkehr stadteinwärts gesperrt. Laut Bürgermeister Michael Bloomberg wurden in 800 Fällen Menschen aus Aufzügen gerettet, 60 Mal musste die Feuerwehr ausrücken, weil brennende Kerzen Feuer ausgelöst hatten. Ein Mann erlitt während eines solchen Feuers einen Herzanfall und starb.

Neun Akws abgeschaltet

Der Staat New York war zu 80 Prozent ohne Elektrizität. Neben den meisten Staaten an und nahe der Nordostküste waren auch die weiter westlich gelegenen Staaten Michigan und Ohio sowie die kanadische Provinz Ontario mit Toronto betroffen. Dort wurde ebenso wie in New York, New Jersey und Michigan der Notstand ausgerufen. Überall brach der Verkehr zusammen, neun Atomkraftwerke wurden abgeschaltet. Auch die Telefonnetze funktionierten nur noch eingeschränkt. Zahlreiche Autohersteller mussten die Produktion einstellen. In Cleveland, Ohio, waren drei Vororte ohne Wasserversorgung.

Der Handel an der New Yorker Börse wurde am Freitag planmäßig aufgenommen. Die beiden Flughäfen in New York sowie jene in Newark, Cleveland, Toronto und Ottawa nahmen am Donnerstagabend den Betrieb wieder auf.

Über die Ursache des Ausfalls herrschte am Freitag Rätselraten. Kritiker fragten, wie es möglich sei, dass ein einziger Fehler zu einem Stromausfall dieses Ausmaßes führen könne. Experten sahen eine Ursache darin, dass das System von weit verzweigten und miteinander verbundenen Stromnetzen nicht ausgebaut worden sei, um der gestiegenen Nachfrage standzuhalten. Bush sagte rasche Hilfe zu. Es habe sich aber mit Sicherheit nicht um einen Terrorakt gehandelt.

Die Behörden in den USA und Kanada forderten die Bürger in der Region auf, ihre Klimaanlagen auch nach der teilweisen Wiederherstellung der Stromversorgung nicht gleich wieder einzuschalten, um eine erneute Überlastung zu verhindern.