Merkel und Hollande nach Referendum "Wir haben nicht viel Zeit"
Kanzlerin Merkel und Staatschef Hollande: "Die Tür steht für Diskussionen offen"
Foto: BERTRAND GUAY/ AFPWie geht es weiter nach dem Referendum zur Sparpolitik in Griechenland? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in Paris mit Frankreichs Präsident François Hollande getroffen, um die Antwort auf diese Frage zu erörtern. In ihrer gemeinsamen Presseerklärung sagten sie, man bleibe gesprächsbereit.
Griechischen Hoffnungen auf ein weiteres schnelles Hilfsprogramm erteilte Merkel vorerst jedoch eine Absage. "Die Voraussetzungen für den Eintritt in Verhandlungen zu einem konkreten ESM-Programm sind zurzeit nicht gegeben", sagte die Kanzlerin. Das Ergebnis des griechischen Referendums, in dem sich am Sonntag eine Mehrheit gegen die Sparpläne der Geldgeber ausgesprochen hatte, respektiere man. Es sei die Entscheidung eines souveränen Landes, mit der man nun umgehen müsse.
"Wir sagen, dass die Tür für Gespräche offen bleibt", sagte Merkel. Die Zeit dränge aber. Athen müsse noch in dieser Woche Vorschläge unterbreiten, wie es weitergehen solle, so die Kanzlerin. "Wir haben nicht viel Zeit", sagte auch Hollande. Bei dem Referendum in Griechenland votierten am Sonntag gut 61 Prozent der Teilnehmer gegen die Forderungen der internationalen Gläubiger.
Zuvor hatten beide Politiker mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras telefoniert. Zu zweit wollten Merkel und Hollande nun vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs aller 19 Euroländer eine gemeinsame Linie abstimmen.
Am Dienstag wollen die Spitzenpolitiker in Brüssel über das weitere Vorgehen beraten. Am Mittag kommen zunächst die Finanzminister der Eurozone zusammen, am Abend beraten dann die Staats- und Regierungschefs der Währungsunion bei einem Sondergipfel, ob sie das vom Staatsbankrott bedrohte Land weiter unterstützen wollen.
Die griechische Regierung selbst will mit den Europartnern bei dem Gipfel auch über eine Umschuldung verhandeln. Dieser Vorschlag ist in der Euro-Gruppe höchst umstritten. Dennoch verständigten sich Tsipras und die Opposition auf diese Forderung.
Auch die britische Regierung hatte die Regierung in Athen und die Euroländer aufgefordert, zügig einen tragfähigen Kompromiss in der Schuldenkrise zu vereinbaren. "Es gibt keinen einfachen Ausweg", sagte Finanzminister George Osborne im Londoner Parlament. "Aber auch in letzter Minute drängen wir die führenden Köpfe der Eurozone und Griechenlands, eine nachhaltige Lösung zu finden." Auch Premier David Cameron versprach, alles Notwendige zu tun, um die britische Wirtschaft zu schützen.