Nahost: Scharon spricht mit Arafat - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nahost Scharon spricht mit Arafat

Die Koalitionsgespräche in Israel sind in vollem Gange. Wahlsieger Ariel Scharon hat Amtsvorgänger Ehud Barak den Posten des Verteidigungsminister angeboten. Auch mit Jassir Arafat sprach Scharon. Derweil geht die Gewalt im Westjordanland weiter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jerusalem - Baraks Büro nahm keine Stellung, mehrere Rundfunksender berichteten jedoch, er wolle sich zunächst aus der Politik zurückziehen.

Arafat habe in dem Telefonat mit Scharon am Freitag sein Interesse an neuen Friedensgesprächen erklärt, berichteten israelische Radiosender. Scharon habe Arafat versichert, dass ihm der Frieden am Herzen liege. Zunächst müssten aber die Kämpfe aufhören.

Bei neuen Gefechten im Westjordanland wurden mindestens 28 Menschen verletzt. Wie palästinensische Sanitäter berichteten, wurde auch ein belgischer Fotograf angeschossen. Israelische Soldaten feuerten auf leer stehende Gebäude, die palästinensischen Kämpfern als Deckung dienten. Die Kämpfe nahe Ramallah hielten fast den gesamten Nachmittag an. Im Gazastreifen drohten rund 2500 demonstrierende Anhänger der radikalislamischen Hamas-Bewegung mit neuen Anschlägen auf israelische Einrichtungen.

Bereits in der Nacht lieferten sich israelische Truppen und Palästinenser in der Nähe der Stadt El Bireh ein Feuergefecht, bei dem mehrere Wohngebäude und auch Büroräume der Konrad-Adenauer-Stiftung von israelischen Schüssen beschädigt wurden, wie die Stiftung mitteilte. Sprecher Gregor Meiering erklärte, die in einem arabischen Wohngebiet gelegenen Büros der Stiftung seien während des dreistündigen Schusswechsels menschenleer gewesen. Meiering will nach eigenen Worten Protest bei der israelischen Armee einlegen.

Scharon spricht sich für "Gewaltverzichtsabkommen" aus

Der Zeitung "Jediot Acharonot" erklärte der rechtsgerichtete Scharon am Freitag, er strebe mit den Palästinensern keinen Friedens-, sondern ein "Gewaltverzichtsabkommen ohne Zeitplan" an. Er kritisierte, sein Vorgänger habe den Palästinensern weitgehende Zugeständnisse gemacht und damit "für alle zukünftigen israelischen Regierungen die Arbeit erschwert".

Barak hatte vor Beginn der Koalitionsverhandlungen dem Wahlsieger indirekt den Rücken gestärkt und in einem Brief an US-Präsident George W. Bush geschrieben, Scharon sei nicht an die Vorschläge gebunden, die er, Barak, den Palästinensern unterbreitet habe. Barak hatte den Palästinensern unter anderem die Kontrolle über 95 Prozent des Westjordanlands und Teile Jerusalems angeboten. Momentan stehen 42 Prozent des Westjordanlands und zwei Drittel des Gazastreifens unter palästinensischer Verwaltung.

Die meisten Israelis bevorzugen laut Umfragen eine breit angelegte Koalition. Scharons Likud-Block stellt in der zersplitterten Knesset nur 19 der 120 Abgeordneten. Baraks Wahlbündnis Ein Israel verfügt über 26 Mandate. Dem offiziellen Endergebnis der Ministerpräsidentenwahl zufolge stimmten am Dienstag 62,3 Prozent der Wähler für Scharon. Barak erhielt 37,7 Prozent der Stimmen, wie die israelische Wahlkommission am Donnerstagabend bekannt gab. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 62 Prozent.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel