Pakistan Blutbad in Karatschi
Karatschi - Nach Angaben der Polizei in Karatschi fesselten die Täter die Mitarbeiter des Büro der Amn-o-Insaf, einer christlichen Nichtregierungsorganisation, an ihre Stühle und töteten sie dann mit Kopfschüssen. Nur der Telefonist des Büros entkam unverletzt und alarmierte die Polizei. Bei den Toten handelt es sich um drei pakistanische Christen und drei Muslime. Eine weiterer Mitarbeiter starb später im Krankenhaus.
Mehrere hundert Polizisten riegelten daraufhin die Umgebung des 13-stöckigen Gebäudes ab, in dem sich das Büro der Amn-o-Insaf (Frieden und Gerechtigkeit) befindet. Die Organisation ist in Karatschi seit 30 Jahren an Hilfsprojekten für Arme beteiligt und arbeitet mit lokalen Menschenrechtsgruppen zusammen. Zu dem Überfall bekannte sich zunächst niemand.
Pakistanische Christen Opfer der Rache
"Wir ermitteln ohne Vorbehalte", sagte der Polizeichef der Stadt, Sayed Kamal Shah, auf die Frage, ob eine Verbindung zur militanten islamischen Gruppierung Harkat-ul-Mujahedin al Alami (HMA) bestehe. Die HMA wird für eine Serie von Anschlägen in Pakistan in Folge des US-Kampfes gegen Taliban- und al-Qaida-Kämpfer in Afghanistan verantwortlich gemacht.
Ein führender Vertreter der christlichen Minderheit in Pakistan, Shahbaz Bhatti, sagte in Islamabad: "Es ist klar, dass al-Qaida-Leute in den jüngsten Anschlag in Karatschi verwickelt sind. Pakistanische Christen sind Opfer ihrer Rache für alles, was die USA ihnen in Afghanistan zugefügt haben." Die Christen befürchteten einen Genozid, falls die Regierung die Extremisten nicht stoppe.
Informationsminister: "Täter sind Feinde Pakistans"
Der pakistanische Informationsminister Nisar Memon verurteilte die Bluttat als feigen Terroranschlag. "Wir sind besonders traurig über die Tötungen in Karatschi, weil die Terroristen unbewaffnete christliche Zivilisten angegriffen haben", sagte er. Die Täter seien Feinde Pakistans. Sie könnten die Regierung in Islamabad jedoch nicht davon abbringen, den internationalen Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen.
Der Anschlag ist der fünfte seit dem Beginn einer blutigen Kampagne islamischer Extremisten gegen christliche Einrichtungen in Pakistan im vergangenen Jahr. Ende Oktober erschossen muslimische Fanatiker bei einem Anschlag gegen Christen in Bahawalpur 16 Gläubige. Im März kamen fünf Menschen, darunter zwei Amerikaner, bei einem Anschlag auf eine Kirche im Diplomatenviertel von Islamabad ums Leben.