ISLAMISMUS Das Phantom der Oper
Sie ist ganz allein. Sie ist von allen kritisiert worden, sogar von der Bundeskanzlerin. Ihre Entscheidung hat weltweit Wellen geschlagen. Sie habe die Kunstfreiheit verraten, sie habe sich windelweich gezeigt gegenüber einer angeblichen Bedrohung durch Terroristen. Man hat sie feige genannt.
Ihr geht es schlecht. Anderen geht es gut. Sie konnten draufhauen, sie konnten sich mutig zeigen, dem Islamismus die Stirn bieten, den Terror in die Schranken weisen. Sie konnten sich ganz sicher sein, richtig zu liegen.
Alles ist so eindeutig.
Kirsten Harms, die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin, hat die Oper »Idomeneo« aus dem Programm genommen, weil am Schluss Poseidon, Mohammed, Christus und Buddha mit abgeschlagenen Köpfen gezeigt wurden. Nach einer vagen Warnung der Berliner Sicherheitsbehörden hatte sie Angst vor einem Anschlag islamistischer Terroristen.
Es war »appeasement«, Beschwichtigung. Und es war ein Fehler, keine Frage. Doch in der Masse und Einhelligkeit wirkten die kritischen Kommentare auch wohlfeil. Nie war Widerstand gegen den Terror billiger zu haben. Kein Selbstmordatten-
täter in Sicht, niemand riskierte mehr als ein Verhaspeln vor den Mikrofonen. Es war nur ein Phantomaufbegehren.
Die eigentliche Frage bleibt auch nach dem verbalen Heldentum der vergangenen Woche offen: Sind wir zu Opfern bereit, um unsere Kultur zu verteidigen?
Man muss den Fall »Idomeneo« nur variieren, um erkennen zu können, welche Prüfungen auf Deutschland warten. Was wäre gewesen, Kirsten Harms hätte die Einschätzung des Landeskriminalamts ignoriert und es hätte tatsächlich einen Anschlag gegeben, mit Verwundeten und Toten? Wie wären die Kommentare dann ausgefallen? Sind wir wirklich bereit, für Freiheit auf Sicherheit zu verzichten, wenn die Freiheit einen Blutzoll verlangt?
Das heißt, die Deutschen müssten mal wieder gründlich über sich nachdenken. Anders als bei den alten Debatten, als es vor allem um Erinnerungskultur ging, müssen sich die Deutschen diesmal im Verhältnis zu anderen finden. Wer sind wir, wenn der Islamismus uns bedroht, heißt die neue Frage der Nation.
»Wir sind verurteilt zur Verwundbarkeit«, hat der holländische Publizist Geert Mak nach dem Mord an Theo van Gogh geschrieben. Der Filmemacher van Gogh war im November 2004 von einem Islamisten erschossen worden, weil van Gogh an einem islamkritischen Film beteiligt gewesen war.
Der Satz gilt auch für Deutschland, auch wenn hier noch kein Terroropfer zu beklagen ist. Aber die versuchten Attentate auf zwei Züge haben gezeigt, dass Deutschland Ziel ist und dass Deutschland verwundbar ist. Nur Fehler beim Bauen der Bomben haben Blutbäder verhindert.
Bislang hat die Gesellschaft auf diese Bedrohung eher mit »appeasement« reagiert. Der Publizist und SPIEGEL-Autor Henryk M. Broder hat ein ganzes Buch darüber geschrieben: »Hurra, wir kapitulieren - Von der Lust am Einknicken«. Er beschreibt, wie Karnevalisten vor Spöttelei gegen den Islam zurückschrecken oder wie eine junge Künstlerin eine islamkritische
Skulptur von einer Werkschau zurückzieht, nachdem sie bedroht worden war.
Dieses Einknicken sieht Broder als Folge des Karikaturenstreits. Im Winter hatte Dänemark die Wut eines Teils der islamischen Welt auf sich gezogen, weil in einer dänischen Zeitung Karikaturen über Mohammed veröffentlicht worden waren. Es gab Boykotte und gewaltsame Demonstrationen, die auch in Deutschland Wirkung zeigten. Broder: »So entstand innerhalb weniger Wochen eine Kultur der Angst, des Bedauerns und der Entschuldigung, wie sie Deutschland noch nicht erlebt hatte.«
Es ist nicht zu erwarten, dass diese Angst aufgehört hat. Der Fall »Idomeneo« ist ein Wendepunkt beim Trockenschwimmen. Man machte sich für die Freiheit stark, als die Gegner der Freiheit weit weg waren.
Die Deutschen sind ein Angstvolk. In keinem anderen Land ist dies ein so großes Thema wie hier. Die Engländer haben nicht einmal ein eigenes Wort für diese diffuse Furcht. Sie nehmen das deutsche. Es liegt nahe, dass ein ängstliches Volk besonders sensibel auf Gefahren reagiert.
»Terror verwandelt alle sozialen Räume in Orte höchster Gefahr«, schreibt der Soziologe Wolfgang Sofsky. Und weiter: »Auf Schonung darf niemand hoffen.«
Das galt im Kalten Krieg zwar ebenso, weil die Atombomben alles Leben ausgelöscht hätten. Aber in dem Wort »alles« steckt genau der Unterschied. In den Zeiten des Terrors ist das Schicksal individualisiert. Es sterben nicht alle, sondern einige. Das heißt auch: Mein persönliches Verhalten kann über mein Schicksal entscheiden. Das steigert Angst und Hysterie.
So kann die Frage, in welches Flugzeug man steigt, welchen Zug man nimmt, welche Oper man besucht, über Leben und Tod entscheiden.
Genauso entsteht eine neue Verantwortlichkeit für Worte und Taten. Über Leonid Breschnew oder Ronald Reagan konnte der Bürger, ob als Regisseur oder Karikaturist, nach Herzenslust schimpfen und spotten, die Atomraketen blieben in ihren Depots.
Heutzutage kann praktisch jeder islamistischen Furor entfachen, indem er sich über Mohammed äußert. Papst Benedikt XVI. konnte das jüngst erfahren, als er während einer Vorlesung in Regensburg Äußerungen eines byzantinischen Kaisers über den Propheten zitierte.
Andere, auch weniger prominente Fälle sind längst aktenkundig. Es muss sich nur einer finden, der beleidigt ist. Übers Internet findet sich leicht einer.
Kirsten Harms von der Deutschen Oper in Berlin hat das erkannt. Sie wollte nicht verantwortlich für Opfer sein. Davor hatte sie Angst, vorauseilend, ohne echte Bedrohung. Gleichwohl sollte jeder, der sie kritisiert, dazu sagen, ob er bereit ist, die Verantwortung für Opfer zu übernehmen, wenn die Freiheit tatsächlich verteidigt werden muss.
Bislang zeichnet sich Deutschland durch Vorsicht aus. Die Soldaten der Bundeswehr bleiben vorerst im Norden Afghanistans, obwohl die Schlachten gegen die Taliban im Süden geschlagen werden. Vor allem dort entscheidet sich, ob in Afghanistan Demokratie und Menschenrechte Geltung bekommen können. Deutschland möchte dafür keine Opfer bringen.
Das ist für jeden einzelnen deutschen Soldaten eine gute Entscheidung. Für die Freiheit der Afghanen ist es womöglich eine schlechte (es sei denn, die Amerikaner füllen die Lücken mit ihren Soldaten, also möglichen Opfern).
Zugespitzt kann man sagen, die Bundesregierung und Kirsten Harms haben eine ähnliche Entscheidung getroffen: eine Entscheidung für die Sicherheit, nicht für die Freiheit, eine Entscheidung gegen deutsche Opfer.
Die Gesellschaft wird noch zu entscheiden haben, ob das zu einer Grundhaltung werden soll.
Es gibt neben der Angst vor Opfern einen zweiten Grund für »appeasement«. Er liegt in einer neuen Toleranz gegenüber anderen Gesellschaften. Bis in die neunziger Jahre hinein gab es starke Strömungen in der deutschen Politik, die sich für einen Universalismus der Werte starkgemacht haben. Freiheit und Menschenrechte sollten in aller Welt gelten. Dafür sind Politiker aller Parteien eingetreten, zum Beispiel Norbert Blüm von der CDU und die Grünen sowieso.
Das hat sich im Zuge der wirtschaftlichen Krisen und der Globalisierung geändert. Im Anderen wird jetzt vor allem der Handelspartner gesehen. Man will in aller Ruhe Geschäfte miteinander machen. Für diese Haltung stand vor allem Gerhard Schröder, der Kanzler von Rot-Grün.
In Dänemark hat der Boykott dänischer Waren in einigen islamischen Ländern eine Haltung des »appeasement« gefördert. Diese Dominanz des Ökonomischen macht den Westen schwach in der Vertretung seiner Werte.
Ein dritter Grund für das »appeasement« liegt im Zweifel an der eigenen , Zweifel bis hin zum Selbsthass. John Updike spielt damit gekonnt in seinem Roman »Terrorist«. Ahmad, ein junger Amerikaner mit muslimischen Wurzeln, lässt sich kobern für ein
Attentat auf den Lincoln-Tunnel, der von New Jersey nach New York führt. Dieser Ahmad ist kein sympathischer Bursche, aber man ertappt sich dabei, seine Abneigung gegen Konsumsucht, Sexwahn und Fernsehschwachsinn nachzuvollziehen, wenn nicht teilen zu können.
Auch in Deutschland gibt es ein starkes Unbehagen an der westlichen Kultur mit ihren hässlichen Wucherungen. Der Völkerkundler Hans Peter Duerr attestiert den modernen Zeiten eine »Brutalisierung« und eine »Auflösung des Schamgefühls«, die »beispiellos in der Kulturgeschichte« seien.
Seit fast hundert Wochen behauptet sich Peter Hahnes Pamphlet gegen die Spaßgesellschaft »Schluss mit lustig« in der Bestsellerliste. Ein Neuzugang der vergangenen Woche heißt »Lob der Disziplin«. Bernhard Bueb, ehemals Schulleiter des Elite-Internats Salem, fordert darin, bei Kindern Respekt und Achtung einzufordern.
Da macht sich mehr und mehr ein Widerwille gegen die Laisser-faire-Gesellschaft breit. So findet sich der eine oder andere in Deutschland plötzlich in dem einen oder anderen Punkt der Gesellschaftskritik mit einem Taliban einig.
Zu dieser Selbstdistanz aus aktuellen Gründen kommt bei den Deutschen eine Selbstdistanz aus historischen Gründen. Wegen der Nazi-Verbrechen hatte und hat man Probleme, sich selbst zu lieben. Und was man nicht liebt, empfiehlt man auch nicht weiter.
Lange haben die Deutschen vorgezogen, den Islam in Deutschland als eine fremde Kultur zu betrachten, die sie nicht viel angeht. Sie haben es hingenommen, dass muslimischen Mädchen jeder Kontakt zu deutschen Jungen verboten wird, dass sie nicht am Sportunterricht teilnehmen dürfen, nicht beim Schwimmen und, dass sie bei Klassenfahrten fehlen. Sie haben sich angewöhnt, über die Frauen hinwegzusehen, die selbst bei Hitze mit Kopftuch und fußlangem Mantel über die Straße gehen. Sie haben sich auch nicht dafür interessiert, dass viele Muslime nur gebrochen Deutsch sprechen, die Eltern, aber auch die Kinder.
So entstand das, was Soziologen Parallelgesellschaften nennen, eine abgeschlossene Welt mit eigenen Bräuchen und Sitten, die um Begriffe wie »Ehre« und »Respekt« kreisen. Tatsächlich muss man eher von einem Rückzug sprechen, einer Landaufgabe, bei der die Mehrheitsgesellschaft vor der Minderheitsgesellschaft zurückwich und ihr die freien Räume überließ.
Erst allmählich kommt in den Blick, dass der Rückzug Kosten hat, dass eine Gesellschaft nicht ungestraft auf jeden Anpassungszwang an ihre Normen und Werte verzichten kann, zumal, wenn der Teil der Leute, die sich bewusst abgrenzen, zahlenmäßig so bedeutsam ist, dass schon bald nicht mehr klar sein wird, wer Mehrheit und wer Minderheit ist. Schon in wenigen Jahren wird der Anteil der Zugewanderten in deutschen Großstädten bei den unter 40-Jährigen bei 50 Prozent liegen.
Es ist die Erkenntnis, dass die Dinge zu entgleiten drohen, die den Bundesinnenminister nun veranlasst hat, die erste Islamkonferenz abzuhalten, mit Vertretern von Muslimverbänden, Kritikern und Fachleuten aus seinem Haus. Wolfgang Schäuble will die muslimischen Einwanderer nicht mehr einfach so in Ruhe lassen; er spricht viel von »Dialog« und »Miteinander«, aber er sagt auch, dass es an der Zeit sei, denjenigen, die auf Dauer in Deutschland leben wollen, mehr abzuverlangen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla fordert auch vom Westen mehr Einsatz für das, was diesem wichtig ist: »Wir müssen bereit sein, für unsere christlich geprägten westlichen Werte einzustehen«, schreibt er in der »Bild am Sonntag«. Scharf kritisiert er zugleich islamistische Eiferer.
Wie es mancherorts um die Integration islamisch gläubiger Zuwanderer bestellt ist, zeigt der Blick in die Hauptschule eines Einwandererviertels wie Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh. Es ist eine Welt, in der deutsche Kinder als »Christenschweine« oder »Schweinefleischfresser« beschimpft werden. Deutsch zu sein gilt hier als Zeichen von Schwäche. Als die Berliner Schulbehörde nach der Aufregung im Frühling Psychologen an die Berliner Rütli-Schule entsandte, um dort nach dem Rechten zu sehen, stellten die überrascht fest, dass auch die wenigen verbliebenen deutschen Kinder nur noch gebrochen Deutsch sprachen. Sie taten das ganz bewusst, um auf dem Schulhof weniger aufzufallen.
Vierzig Prozent der Einwandererkinder schaffen nur einen Hauptschulabschluss, zwanzig Prozent nicht einmal das. Entsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit unter Ausländern. Sie liegt inzwischen bei 22,4 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Die Migrationsforschung hat die Schuldfrage schon vor Jahren entschieden. Nach ihrer Meinung hat die deutsche Aufnahmegesellschaft versagt, die Ausländer nicht genug willkommen heißt und sie so in die Leistungsverweigerung treibt. »Warum scheitern so viele muslimische Jungen in der Schule? Weil sie einem Rollenbild
folgen, das nach innen Gehorsam und Unterwerfung verlangt und nach außen Männlichkeit mit Stärke und Gewalt gleichsetzt«, sagt dagegen die Soziologin Necla Kelek.
Die Deutsch-Türkin Kelek gehört zu der kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, die einen Zusammenhang zwischen den Integrationsschwierigkeiten der muslimischen Einwanderer und ihrem Glauben vermutet. Kelek selbst ist das Paradebeispiel einer gelungenen Integration. Sie kam mit zehn Jahren nach Deutschland, sie machte ihr Abitur und studierte Soziologie und Volkswirtschaft, gegen den Willen des Vaters. Im März veröffentlichte sie »Die verlorenen Söhne«, eine hellsichtige Analyse zur Lage der muslimischen Männer.
Bei ihren Landsleuten, aber auch in weiten Teilen der Linken, gilt Kelek als Verräterin. Die »Zeit« veröffentlichte vor wenigen Monaten einen Aufruf von 60 Migrationsforschern, die ihre Arbeiten als »unseriös« und »unwissenschaftlich« bezeichneten, weil sie eigene, ältere Forschungsergebnisse neu gedeutet habe.
Kelek hat eine ziemlich klare Vorstellung, was schiefgelaufen ist, und vieles hat mit der Weigerung von Politik zu tun, Realitäten anzuerkennen. Die Rechten im Lande hätten Ausländerpolitik defensiv betrieben, gegen Ausländer, gegen Immigration, sagt Kelek. »Die Linke hat einfach die Vorzeichen umgedreht. Ausländer waren an sich gut, und wo sie es mal nicht waren, da war sofort die Sozialpädagogik zur Stelle, die nach dem Dreisatz verfuhr: erklären, verstehen, helfen.
Das ist nichts anderes als »appeasement« nach innen.
Nun wird nach Wegen gesucht, wie sich die Deutschen ertüchtigen können, um selbstbewusster ihre Werte nach innen und außen zu verteidigen. Zum Beispiel wird in manchen Kreisen eine Rückkehr der Religiosität erhofft und eingefordert, da nur der starke Christ dem starken Muslim etwas entgegenzusetzen habe. Den Deutschen soll wieder etwas heilig sein.
»Die Beleidigung, dass wir Christen von Muslimen als ,ungläubig' bezeichnet werden, beschwert den Dialog«, schreibt CDU-General Pofalla.
Der CSU-Fraktionschef in Bayern, Joachim Herrmann, nutzt den Fall »Idomeneo«, um die Kunstfreiheit in einem Atemzug zu verteidigen und zu kritisieren. Es sei falsch gewesen, die Aufführung abzusetzen, aber Christus, Mohammed und Buddha ohne Köpfe zu zeigen sei zugleich »Verhöhnung und psychische Gewalt gegenüber vielen Gläubigen«. Er meint vor allem Christen.
Die christlichen Kirchen haben in Deutschland immer wieder versucht, sich Schonräume zu sichern. Zuletzt gab es einen klerikalen Aufschrei gegen die Religionssatire »Popetown« von MTV. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter sagte, man könne nicht zulassen, »dass Christus und seine Leiden, die Mitte unseres Glaubens, so verhöhnt werden«. Zum wiederholten Male versuchte die CSU bei dieser Gelegenheit, Gotteslästerung verschärft unter Strafe zu stellen. Seit 1969 ist sie nur verboten, wenn der »öffentliche Friede« gestört werden könnte.
Nicht alles ist ein Kunstwerk, was im Namen der Kunstfreiheit geschützt werden soll. Und nicht jede Religionskritik ist Aufklärung, manches entspringt eher übergroßen Egos oder Geldgier. Aber wie will man objektiv in guten und schlechten Gebrauch von Kunstfreiheit unterscheiden? »Eine Freiheit, die nicht missbraucht werden kann, ist keine«, so der Soziologe Wolfgang Sofsky.
Deshalb liegt in der Verteidigung der Freiheit immer auch die Verteidigung dessen, was einem nicht passt. Das ganze Glück ist nicht zu haben. Es kommt für die westliche Gesellschaft darauf an, sich mögen zu können, auch wenn einen das eine oder andere abstößt. Man braucht vor allem Gelassenheit. Gerade die verhindert »appeasement«.
Ein Vorbild könnte Henry Perowne sein, der Held des Romans »Saturday« von Ian McEwan. Perowne ist Arzt und lebt in London. Eines frühen Morgens beobachtet er ein Flugzeug und hat den Eindruck, dass es abstürzt. Er denkt an einen Terroranschlag.
So beginnt sein Tag. Und es ist ein Tag, an dem er so ziemlich alles erlebt, was an der westlichen Gesellschaft gut und schlecht ist. Was an Perowne beeindruckt, ist die Gelassenheit, mit der er durch diesen ereignisreichen Tag geht. Und er hat nie Zweifel daran, dass es richtig ist, dieses Leben ganz und gar anzunehmen. Am Ende zeigt er sich tatsächlich wehrhaft und verteidigt seine Familie erfolgreich gegen einen Überfall. JAN FLEISCHHAUER,
DIRK KURBJUWEIT
* Bekir Alboga, Beauftragter der Islamorganisation Ditib, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und SPD-Politiker Badr Mohammed am vergangenen Mittwoch in Berlin. * Bei einem Treffen in Castelgandolfo am 25. September.