Afghanistan: Erneut abgelehnte Asylbewerber nach Abschiebung in Kabul gelandet - DER SPIEGEL
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Sammelabschiebung Erneut abgelehnte Asylbewerber in Afghanistan gelandet

Ein Abschiebeflug aus Deutschland ist in Kabul eingetroffen. Zum vierten Mal seit Dezember sind damit abgelehnte Asylbewerber in ihr Heimatland gebracht worden.
Demonstranten vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Berlin
Demonstranten vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Berlin

Demonstranten vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Berlin

Foto: Silas Stein/ dpa
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Nun sind es schon 92 Männer, die seit Dezember nach Afghanistan zurückgeflogen worden sind: Das Flugzeug mit 15 Migranten an Bord erreichte Kabul von München aus am Dienstagmorgen. Es ist der vierte solche Abschiebeflug seit Beginn der umstrittenen Sammelabschiebungen in das umkämpfte Land.

Es handele sich "ausnahmslos um alleinstehende Männer", einige von ihnen seien in Deutschland straffällig geworden, teilte das bayerische Innenministerium mit. Außer Bayern hatten sich an der Rückführungsaktion auch Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz beteiligt.

Der Sprecher des Flughafens in Kabul, Mohammed Adschmal Faisi, sagte, die Ankunft sei ruhig verlaufen. Viele der Männer wirkten müde oder wütend.

"Hier gibt es keine Sicherheit, keine Arbeit, kein Leben"

Obaid Ros aus der ostafghanischen Provinz Nangarhar sagte, er habe sieben Jahre lang in Landshut gelebt. Er habe Arbeit gehabt, habe Computer repariert. "Ich habe keine Ahnung, wieso sie meine Asylbewerbung gestoppt haben", sagte der 24-Jährige. Als er von der bevorstehenden Abschiebung gehört habe, sei er geflohen, aber die Polizei habe ihn wieder eingefangen und drei Wochen lang festgehalten. Er werde versuchen, nach Deutschland zurückzugehen. "Hier gibt es keine Sicherheit, keine Arbeit, kein Leben", sagte Ros.

Abgeschobener Asylbewerber Obaid Ros am Flughafen in Kabul

Abgeschobener Asylbewerber Obaid Ros am Flughafen in Kabul

Foto: Mohammad Jawad/ dpa

Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich in Afghanistan der Konflikt zwischen Regierung und den radikalislamischen Taliban verschärft und es landesweit Gefechte und Anschläge gibt. In Berlin demonstrierten am Montag mehrere Menschen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gegen Sammelabschiebungen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, "die Bewertung der aktuellen Sicherheitslage" durch Bundesinnenministerium und Auswärtiges Amt sei unverändert. Sie lasse Rückführungen in gesicherte afghanische Provinzen zu.

Die meisten Passagiere sollen aus nicht schwer umkämpften Provinzen stammen, sagte ein Mitarbeiter des Kabuler Flüchtlingsministeriums der Nachrichtenagentur dpa. "Viele sind aus Kabul, andere aus Pandschir oder Parwan." Einige kämen allerdings aus unsicheren Provinzen wie Wardak oder Nangarhar.

Das Uno-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) hatte am Montag gemeldet, seit Jahresbeginn seien fast 50.000 Afghanen vor Gefechten zwischen Regierung und Taliban aus ihren Dörfern geflohen.

Laut US-Militär kontrolliert die afghanische Regierung nur gut die Hälfte des Landes, 15 Prozent weniger als Ende 2015. In Kabul, wo viele Abgeschobene erst einmal bleiben, gab es seit Jahresbeginn fünf größere Anschläge mit mehr als 130 Toten und Hunderten Verletzten. Die jährlich stattfindende Frühjahrsoffensive der Taliban steht kurz bevor.

cht/dpa