Annalena Baerbocks Verzicht: Kanzlerkandidatin? Das hat nur die AfD zu bieten - DER SPIEGEL
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Anna Clauß

meinung •Baerbocks Verzicht Kanzlerkandidatin? Das hat nur die AfD zu bieten

Anna Clauß
Eine Kolumne von Anna Clauß
Annalena Baerbock will nicht, Union und SPD haben keine. Bei der nächsten Bundestagswahl wird wohl nur die AfD eine Kanzlerkandidatin ins Rennen schicken. Selten war das Patriarchat attraktiver.
• aus DER SPIEGEL 29/2024
Ex-Kanzlerkandidatin Baerbock: Treffen Frauen an den Schalthebeln der Macht klügere Entscheidungen als Männer?
Ex-Kanzlerkandidatin Baerbock: Treffen Frauen an den Schalthebeln der Macht klügere Entscheidungen als Männer?

Ex-Kanzlerkandidatin Baerbock: Treffen Frauen an den Schalthebeln der Macht klügere Entscheidungen als Männer?

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Ein Parteivorsitzender, der ganz locker auf die Kanzlerkandidatur verzichtet, um einer Frau den Vortritt zu lassen? Gibt es! Am vergangenen Wochenende überraschte AfD-Chef Tino Chrupalla im ARD-Sommerinterview mit der Ankündigung: »Alice Weidel wäre eine sehr gute Kanzlerkandidatin.«

DER SPIEGEL 29/2024

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Daran darf man zweifeln. Was aber stimmt: Sie sticht als Frau im ansonsten männlichen Bewerberfeld heraus. Da Annalena Baerbock auf eine erneute Kanzlerkandidatur verzichtet, läuft bei den Grünen alles auf Robert Habeck zu. In der Union lauern ein Markus und ein Hendrik auf die Fehler Friedrichs. SPD-Kanzler Scholz muss seinen Amtsbonus gegen den wesentlich populäreren SPD-Verteidigungsminister Pistorius verteidigen. Rund um die Fünfprozenthürde bekommen der Ein-Mann-Stammtisch Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und der Ein-Mann-im-Unterhemd Christian Lindner (FDP) zwar Konkurrenz vom Eine-Frau-Bündnis. Sahra Wagenknechts Chance auf den Einzug ins Kanzleramt aber dürfte bei null liegen.

Blickt man auf die Postfaschistin Giorgia Meloni in Italien oder die rechtsextreme Marine Le Pen in Frankreich, muss man konstatieren, dass Frauen an der Spitze populistischer Bewegungen beklemmend erfolgreich sein können. Das »Blondinen der Macht«-Momentum scheint nun auch die AfD mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin nutzen zu wollen.

Die Frage ist: Machen Politikerinnen wirklich bessere Politik als Politiker?

Extremistische Parteien wirken mit Frauen an der Spitze nicht nur wählbarer in Mitte-Milieus. Mit Versprechen wie dem Schutz vor sexuellen Übergriffen oder einer angeblich von Muslimen importierten Machismo-Kultur haben sie auch politische Inhalte, die für Wählerinnen relevant sein können. Außerdem huldigen sie einem Mutterideal, das manchen Frauen schmeichelt. Höckes Nazi-AfD in Thüringen fordert unter anderem eine Aufwertung von Sorgearbeit und kostenlose Haushaltshilfen für Familien.

Sollten Feministinnen und Feministen, die sich mehr Unterstützung für Familien wünschen, bei der nächsten Bundestagswahl ihre Stimme also der AfD geben? Wer glaubt, dass Frauen an den Schalthebeln der Macht klügere Entscheidungen treffen als Männer, wird AfD wählen müssen.

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Die Frage ist nur: Machen Politikerinnen wirklich bessere Politik als Politiker? Wäre die Ampelregierung erfolgreicher, würden statt Habeck, Lindner und Scholz drei Frauen die Haushaltslöcher stopfen? Momentan spricht wenig dafür. Die Kabinettsmitglieder, die in der vergangenen Legislatur ihre Posten räumen mussten oder kurz davor sind, waren Anne Spiegel (Grüne), Christine Lambrecht (SPD) und Bettina Stark-Watzinger (FDP) – allesamt Frauen. Ob mit dem Trio Le Pen, Meloni, Weidel an der Macht Krieg und Krisen leichter zu bekämpfen wären? Wohl kaum.

Vielleicht ist das demokratisch legitimierte Patriarchat am Ende das kleinere Übel.

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