CDU-Finanzskandal E-Mail belastet Raabs Managerin
PR-Beraterin Allendorf: "Ich wusste damals nicht, dass man das so trennen muss"
Foto: dapdKrisen waren Gaby Allendorf stets willkommen, schließlich gehören sie zu ihrem Kerngeschäft. In der Kießling-Affäre beriet sie den damaligen Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner; der Mädchenband Tic Tac Toe stand die Kölner PR-Dame bei, nachdem bekannt geworden war, dass eine der drei Grazien früher im Rotlichtmilieu gejobbt hatte; mit dem Sänger Max Mutzke kämpfte sie gegen "Bild", die ihn fälschlich der Zechprellerei bezichtigt hatte.
In schweren Zeiten sei die Flucht nach vorn wichtig, erläuterte Allendorf einmal in einem Interview. Jetzt ist wieder Krise, doch die 51-Jährige ist persönlich nicht zu sprechen und verschanzt sich hinter ihren Anwälten, was daran liegen könnte, dass diesmal sie selbst im Schlamassel steckt.
Allendorf ist in den Finanzskandal der rheinland-pfälzischen CDU verstrickt; die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt gegen sie wegen möglicher Beihilfe zur Untreue. Zudem soll sie mit fingierten Rechnungen bei dem Versuch mitgewirkt haben, Gelder einer Stiftung abzuzweigen.
Ihren Ruf als seriöse PR-Frau könnte sie damit endgültig verspielen. Der wurde schon ramponiert, als vor knapp zwei Jahren herauskam, dass ihre Agentur Allendorf Media im Auftrag der Deutschen Bahn Hunderte bahnfreundliche Kommentare in Online-Foren fingiert hatte.
Die aktuelle Affäre begann indes schon 2005, als Allendorf mit der rheinland-pfälzischen ins Geschäft kam. Sie und die Düsseldorfer Beratungsagentur C4 sollten damals den Spitzenkandidaten für den Wahlkampf fit machen.
Die Mission endete im Desaster. Und das nicht nur, weil Böhr die Landtagswahl verlor, so dass sein Kontrahent von der SPD, Kurt Beck, fortan mit absoluter Mehrheit regieren konnte. Was erst im vergangenen Jahr ans Licht kam: Ein Teil der 385.918,40 Euro für C4 wurde an Allendorf weitergeleitet. Die Summe hatte die CDU wohl nicht mit Parteigeldern bezahlt, sondern aus der Fraktionskasse - und damit rechtswidrig.
Kurz vor Weihnachten verhängte der Bundestagspräsident gegen die Partei deshalb ein Strafgeld von 1,2 Millionen Euro. Gegen Böhr und zwei weitere Unionsleute ermittelt die Mainzer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue. Gegen Allendorf und Carsten Frigge, den damaligen Leiter von C4, läuft ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Beihilfe. Wie Böhr weist Frigge die Vorwürfe von sich. Dennoch trat er im Dezember als Hamburger Finanzsenator zurück.
Keine Gedanken über Finanzierung des Wahlkampfs gemacht
Gaby Allendorf beteuerte gegenüber der Staatsanwaltschaft, sie habe sich über die Finanzierung des rheinland-pfälzischen Wahlkampfs 2005/2006 damals "keine Gedanken gemacht". Das klingt umso erstaunlicher, als sie als eine besonnene Beraterin und Managerin gilt.
Den neuen "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka, den Sänger Thomas Anders und den Komiker Wigald Boning betreut sie seit Jahren. Manche Künstler vertrauen ihr so sehr, dass sie ihr gar die Führung ihrer Konten übertrugen. Ihr wichtigster Star ist . Wer zu ihm will, muss an ihr vorbei.
Wie Raab macht Allendorf sich wenig aus Promi-Partys. Sie zählt nicht zu jenen PR-Ladys, die selbst über jeden roten Teppich stolzieren müssen; sie zieht nie öffentlich über Künstler oder Kollegen her, auch das gilt als branchenuntypisch. So viel Diskretion kommt bei Kunden an.
Doch stets wollte sie auch mehr sein als nur die Tante aus dem Showbusiness. Immer wieder versuchte sie sich in der Wirtschafts- und Politikberatung. Letztes Jahr jedoch schloss sie die Berliner Dependance ihrer Agentur, die dieses Feld vorrangig beackerte. In Mainz ermittelte zu diesem Zeitpunkt bereits die Staatsanwaltschaft.
Allendorfs politische Biografie ist schillernd. Mit 24 war sie Bundesvorsitzende des rechtskonservativen Rings Freiheitlicher Studenten (RFS). Während der RFS später mit den Republikanern sympathisierte, zog es Allendorf zur CDU. Sie arbeitete in der Bundesgeschäftsstelle der Partei und in der Pressestelle des Verteidigungsministeriums.
Überraschend naive Aussagen
Das politische Geschäft ist Allendorf eigentlich vertraut. Eine Zeitlang beriet sie auch den EU-Parlamentarier Herbert Reul in PR-Fragen. In ihren Aussagen im Mainzer Untersuchungsausschuss gab sie sich dagegen überraschend naiv. Parteikasse? Fraktionskasse? "Ich wusste damals nicht, dass man das so trennen muss."
Nach der Wahlschlappe in Rheinland-Pfalz gingen die Mauscheleien offenbar weiter. Der bisherige Fraktionsgeschäftsführer der CDU, Markus Hebgen, kam im Juni 2006 im unionsregierten Nachbarland Hessen unter - als Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach. Womöglich, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, beglich er nun mit hessischen Stiftungsgeldern alte Rechnungen der rheinland-pfälzischen CDU, die zu diesem Zeitpunkt finanziell schwer angeschlagen war. Wieder war es Allendorf, die von den Geldflüssen profitierte.
Hebgen war noch keine sechs Wochen im Amt, als er zwei Zahlungen an sie über je 23.000 Euro von der Stiftung veranlasste. Angeblich bekam Allendorf das Geld als "Abschlagszahlungen" für Konzepte zum "Bibliothekssaal", zum "Seminarangebot" oder zur "Struktur Besucherrundgang" im Kloster Eberbach. Nach internen Untersuchungen der Stiftung hat sie solche Konzepte allerdings nie vorgelegt.
Insgesamt forderte die Beraterin ausweislich interner Unterlagen von Juli 2006 bis März 2008 in elf Einzelrechnungen 90.591,40 Euro von der Stiftung - offenbar für Leistungen, die sie noch im Auftrag der rheinland-pfälzischen CDU erbracht haben will. Gut ein Drittel davon zweigte Hebgen für sich persönlich ab, indem er sich Barschecks ausstellen ließ, die er bei einer Volksbank einlöste. Den Rest ließ er an Allendorf überweisen.
Für den Großeil der Honorare keine Leistung
Als ein Buchprüfer und der Rechtsanwalt der Stiftung im Frühjahr 2008 dem Fluss des Geldes nachspürten, fanden sie nur wenige Arbeitsnachweise: Immerhin organisierte Allendorf einen PR-Ausflug für Journalisten und brachte ein paar Artikel über das Kloster in Kundenmagazinen und Illustrierten unter. Für den größten Teil der Honorare erbrachte sie jedoch anscheinend keine Leistung.
In einem Vergleich verpflichtete ihre Agentur sich schließlich, knapp 37.000 Euro an die Stiftung zurückzuzahlen. Gegenüber "Bild" gab Allendorf im Dezember an, ihr sei nicht bewusst gewesen, "dass ich nach dem Parteiengesetz mein Honorar nicht an die vom Auftraggeber vorgegebene Stiftungsadresse hätte berechnen dürfen". Auch Hebgen erstattete die von ihm veruntreuten 31.340 Euro. Der Rechtsanwalt von Kloster Eberbach, Hermann Zimmermann, leitete seine Entdeckungen seinerzeit an die Staatsanwaltschaft Wiesbaden weiter. Bis heute rätselt er, weshalb diese zwar Ermittlungen gegen Hebgen einleitete, die auch zu einer Bewährungsstrafe führten - nicht aber schon damals gegen Gaby Allendorf. Dabei sieht es so aus, als habe sie durch fingierte Rechnungen den Griff in die Stiftungskasse erst möglich gemacht.
Belastet wird Allendorf unter anderem durch eine Mail, die sie selbst am 27. Juli 2007 an den damaligen Stiftungsgeschäftsführer Hebgen schickte. Darin beklagt sie sich über ausbleibende Zahlungen für eine "auf 2006 rückdatierte Rechnung". Die Mail lässt wenig Zweifel daran, dass es sich um eine Scheinrechnung handelte. Allendorf schreibt: "Wenn es eine ,echte' Rechnung wäre, hätten Sie ja schon längst Bekanntschaft mit unserem Anwalt gemacht."
In "Bild" sagte Allendorf: Weil sie das Geld zurückgezahlt habe, hoffe sie "natürlich, dass das Ermittlungsverfahren gegen mich eingestellt wird". Ihre Anwälte teilen mit, ihre Mandantin sehe sich als Opfer anderer Beschuldigter, die nun versuchten, sich auf ihre Kosten zu entlasten.
Sie könnte jetzt einen Krisenberater gebrauchen.