CDU wundert sich über Interview der Kohl-Ehefrau - DER SPIEGEL
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Altbundeskanzler Kohl und Ehefrau: "Ich war kein Groupie"

Foto: Ronald Wittek/ dpa

Interview von Kohl-Ehefrau Die CDU liest und denkt sich ihren Teil

Maike Kohl-Richter hat in einem Interview über ihre Liebe zum Altkanzler, über Hochzeit, Unfall - und den CDU-Parteispendenskandal gesprochen. In der Union löst das bei manchen Verwunderung aus.
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Berlin - Bei diesem Thema hält sich der CDU-Bundestagsabgeordnete dann doch lieber zurück. "Da mische ich mich nicht ein", schreibt er per SMS. Ein anderer führender Christdemokrat simst: "Zu diesem Thema nicht!" Andere halten es genau so, sie haben das mehrseitige Interview mit der Ehefrau von Helmut Kohl gelesen und wollen lieber namenlos bleiben. "Ich habe mit meinen politischen Freunden am Wochenende darüber gesprochen, fast alle hatten dafür kein Verständnis", erzählt einer am Telefon und fügt hinzu: "Die fragen sich, was soll das? Niemand hat Frau Kohl-Richter gebeten zu schweigen, aber es hat sie auch niemand gebeten, ihr Schweigen zu brechen."

Andere Länder haben ihre Royals, die Deutschen haben die Kohls - wann immer über Kohl und seine Familie berichtet wird, garantiert es hohe Aufmerksamkeit.

Die Causa Kohl - das ist 15 Jahre nach der CDU-Spendenaffäre, nach dem Selbstmord der ersten Ehefrau Hannelore, dem Zerwürfnis der Söhne mit ihrem Vater, der Heirat mit einer deutlich jüngeren Frau eine Art Fortsetzungsroman. Nun gibt es ein Kapitel mehr. Maike Kohl-Richter, die ihren späteren Mann Mitte der neunziger Jahre als Referentin im Kanzleramt kennengelernt und ihn 2008 geheiratet hat, hat sich in der "Welt am Sonntag" geäußert. Was hat das zu bedeuten?

Am Tag nach dem Erscheinen des Interviews  wird in und außerhalb der Union über mögliche Interpretationen des Gesagten orakelt. Dabei sind sich Freunde und Feinde der Kohls schnell einig: Mit dem Interview will sie das Bild einer egoistischen, auf den eigenen Vorteil bedachten Frau korrigieren, das immer mal wieder über sie durch die Medien geistert.

"Ich bin nicht in Helmut Kohls Leben getreten mit dem Anspruch, sein Leben zu verändern und mir Platz zu verschaffen", sagt sie an einer Stelle. Es geht über lange Strecken über das Leben mit einem Mann, der seit einem Treppensturz vor sechs Jahren schwer gezeichnet ist, der nur unter großen Mühen noch sprechen und sich bewegen kann. Sie ist jetzt 50 Jahre alt, damit 34 Jahre jünger als der Ex-Kanzler. Als sie ihn kennenlernte, sei sie Anfang 40 gewesen, er Mitte 70. Den Blick von Außen auf das ungewöhnliche Paar nimmt sie mit Humor: "Nein, ich war kein Groupie, ich stehe nur unter Groupie-Verdacht."

Wer das Gespräch liest, muss auch immer die andere Seite mitdenken. Die Söhne aus der ersten Ehe ihres Mannes, Walter und Peter Kohl, haben ihr vorgeworfen, den Zugang zum Vater zu kontrollieren, ihn abzuschirmen von ihren Familien, ihren Frauen und Kindern. Die Söhne tauchen in dem Interview nur an einer, für sie sogar positiven Stelle auf - als sie schildert, wie beide kurz nach dem schweren Sturz zum Vater eilten. Ansonsten sind sie kein Thema. Kohl-Richter, so scheint es, wollte diesen Streit, wie es ihn wohl in manchen Familien gibt, nicht noch weiter in der Öffentlichkeit befeuern.

Sorge um das historische Bild

Stattdessen geht es um ihre Jugend und politische Sozialisation, ihre Abneigung gegen die 68er, über die Aufenthalte in der Reha-Klinik und die kleinen Freuden des Alltags an der Seite eines nunmehr behinderten Mannes. Kurz gesagt: Es geht jetzt auch um sie. Sie ist erkennbar bemüht, auch ihre Bedeutung und Rolle im Leben von Helmut Kohl herauszustellen. Das ist einerseits verständlich, andererseits wirkt es dann doch stellenweise etwas eitel.

Vor allem aber verteidigt sie die historischen Größe Kohls. "Neben der Sorge um meinen eigenen Ruf bin ich auch der Meinung, dass es möglicherweise dem Bild von Helmut Kohl in der Geschichte schadet. Es bleibt ja immer was hängen", sagt sie.

Maike Kohl-Richter, die in ihrer Jugend Journalistin werden wollte, verteidigt ihren Mann vehement, auch da, wo er noch heute die Öffentlichkeit zutiefst spaltet. Die Spendenaffäre, sagt sie, sei der Versuch gewesen, Kohl zu "kriminalisieren", er habe sich "nicht persönlich bereichert, seine Politik war nicht käuflich". Auch die CDU bekommt ihr Fett weg. Sie tadelt indirekt Angela Merkel, die einst in der Spendenaffäre als damalige Generalsekretärin mit dem System Kohl brach und dadurch die CDU wieder stabilisierte. Die Partei habe aus "ihrem Verhalten selbst am meisten Schaden genommen", so sieht es Kohl-Richter. Man hätte Kohl "besser in der Mitte der Partei gelassen, aber es ist nun einmal passiert, das muss jeder mit sich selbst ausmachen."

Die Merkel-CDU pflegt mittlerweile ein pragmatisches Verhältnis zu Kohl. Die Kanzlerin zeigt sich gelegentlich bei ausgesuchten Anlässen an seiner Seite, ansonsten schweigt die CDU lieber, wenn es ums allzu Persönliche der Kohl-Familie geht. Maike Kohl-Richters Interview haben viele in der Partei gelesen und sich ihren Teil dabei gedacht. Willy Wimmer, einst enger Weggefährte Kohls und Ex-Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ist einer der wenigen, der offen zugibt, nicht glücklich über die Veröffentlichung zu sein. Aus seiner Sicht braucht Kohl keine weitere Hilfe bei der Einordnung seiner historischen Leistung - auch nicht durch seíne jetzige Ehefrau.

Über Helmut Kohl urteile die Geschichte, diese sehe ihn als Freund der benachbarten und fernen Völker, auch die Einheit Deutschlands werde immer mit seinem Namen verbunden sein. "Diese Wirkung", sagt der Ex-CDU-Abgeordnete mit Blick auf das Interview, "kann man nicht stören."