Rüstungslieferungen U-Boot-Deal führt zu außergewöhnlich hoher Summe bei Waffenexporten nach Israel
Israelische Soldaten auf Patrouille nahe dem Gazastreifen: »Kooperation deutscher und israelischer Firmen im Interesse der Bundeswehr«
Foto: Pavel Nemecek / APDie Bundesregierung hat zwischen Januar und Juni Rüstungsexporte nach Israel im Wert von knapp 800 Millionen Euro genehmigt. Der Großteil der Summe entfällt auf das zweite Quartal. So wurden zwischen April und Juni Ausführungen in Höhe von 735,8 Millionen Euro zugesagt. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.
Die Zahlen belegen eine drastische Steigerung. Die Ausfuhrgenehmigungen sind schon jetzt nach einem Halbjahr viermal so hoch wie im gesamten Vorjahr. 2025 wurden Israel Waffen und Rüstungsgüter im Wert von rund 201 Millionen Euro zugesagt. Bei den Zahlen handelt es sich um vorläufige Werte, die sich noch ändern können. Zunächst geht es um genehmigte Exporte, keine tatsächlichen.
-
Teilstopp wegen Israel-Gaza-Kriegs: Deutschland will wieder alle Rüstungsgüter an Israel liefern2 Min
2 Min -
2 Min
-
4 Min
Die hohe Summe geht unter anderem auf den Verkauf eines U-Boots zurück. Die Bundesregierung selbst spricht davon, dass rund 67 Prozent des Genehmigungswerts im zweiten Quartal auf ein »Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich« entfallen. Gemeint ist das U-Boot INS »Drakon« des deutschen Marineschiffbauers TKMS. Es ist das dritte und letzte U-Boot der Dolphin-Klasse von TKMS mit einem AIP-Antrieb. Dieser Antrieb ist von der Außenluft unabhängig und erlaubt es nichtnuklearen U-Booten, wochenlang unter Wasser zu bleiben. Erst am Dienstag hat die INS »Drakon« ihre Werft in Kiel auf dem Weg nach Israel verlassen.
Weitere rund 21 Prozent der Rüstungsexporte im zweiten Quartal entfielen laut Bundesregierung »auf Kooperation deutscher und israelischer Firmen im Interesse der Bundeswehr«. Der verbleibende Wert verteile sich auf Genehmigungen für sonstige Rüstungsgüter, aber keine Kriegswaffen. Genaue Güter listet die Bundesregierung in ihrer Antwort aus Sicherheitsgründen nicht auf. Allerdings gibt sie einzelne Positionen bekannt. Demnach wurden unter anderem Handfeuerwaffen, Munition, Explosivstoffe, aber auch Luftfahrzeuge wie möglicherweise Drohnen und Kriegsschiffe – eben das U-Boot – genehmigt.
»Grenzenlose Doppelmoral«
Lea Reisner, Sprecherin für Internationale Beziehungen der Linksfraktion, nennt die genehmigten Exporte gegenüber dem SPIEGEL eine »grenzenlose Doppelmoral« der Regierung. »Während sich Friedrich Merz gerade noch angeblich über die menschenverachtenden Aussagen von Ben-Gvir empört hat, treibt seine Bundesregierung die Kooperation mit einer Regierung und einer Armee voran, gegen die vor dem Internationalen Gerichtshof der Vorwurf des Genozids verhandelt wird, die Siedlergewalt im Westjordanland unterstützt und die weiterhin den Südlibanon besetzt.«
Die Linkenabgeordnete bezieht sich auf den israelischen Sicherheitsminister. Der rechtsextreme Itamar Ben-Gvir hatte gefordert, in Gaza jede Nacht mehrere Dutzend Palästinenser zu töten. Es sollten nicht nur Menschen getötet werden, von denen unmittelbar eine Gefahr ausgehe. »Es gibt dort Menschen, die des Lebens nicht würdig sind. Sie sollten nicht leben. Sie sind nicht einmal Menschen«, sagte Israels Sicherheitsminister. Die Bundesregierung hatte die Aussagen als völkerrechtswidrig scharf verurteilt.
Reisner drängt nun auf einen vollständigen Exportstopp für alle Waffen und Rüstungsgüter und die Aussetzung des EU-Israel-Abkommens. Zudem müssten endlich die aus ihrer Sicht völkerrechtlichen Verbrechen im Gazastreifen aufgearbeitet werden, »auch jener, die mit deutschen Waffen begangen wurden«.
Tatsächlich gab es nach dem Überfall der Hamas im Oktober 2023 und dem daraus resultierenden Gazakrieg bereits einmal einen Exportstopp. Im August 2025 hatte Merz erklärt, »bis auf Weiteres« keine Ausfuhren von Rüstungsgütern mehr an Israel zu genehmigen. Betroffen waren allerdings lediglich Rüstungsgüter, »die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können«, so Merz. Güter zur Verteidigung Israels gegen Angriffe von außen waren ausgenommen. Bereits Ende November 2025 wurde der Ausfuhrstopp wieder aufgehoben. Die Exportpause dürfte dennoch mit ein Grund dafür sein, warum die Genehmigungen im ersten Halbjahr 2026 nun deutlich höher ausfallen als zuvor 2025.