Expertenbericht zur "Gorch Fock" Kadetten sollen besser geschult werden
Minister de Maiziére (beim Marinebesuch auf Zypern): Neue Standards für die "Gorch Fock"
Foto: Federico Gambarini/ dpaBerlin - Wann genau das Schulschiff "Gorch Fock" wieder für die Marine in See sticht, ist noch ungewiss. Obwohl eine Kadettin im vergangenen Jahr an Bord starb, soll die Arbeit auf dem Dreimaster fortgesetzt werden. Dies bekräftigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag. Dafür gebe es einen breiten Konsens.
De Maizière nahm den Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Zukunft der Ausbildung auf der "Gorch Fock" entgegen. Zu konkreten Veränderungen will er sich erst nach der Auswertung des Papiers äußern. Die Kommission unter Leitung des Historikers Reiner Pommerin macht Vorschläge zur Verbesserung der seemännischen Ausbildung in der Marine.
Künftig könnten unter anderem folgende Punkte verbessert werden:
- die Qualifikation der Ausbilder,
- die medizinischen Vorschriften,
- die jungen Kadetten sollen erst nach einer Vorbereitungszeit von sechs Monaten an Bord geschickt werden, um vor allem die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern,
- die Ausbildung auf der "Gorch Fock" soll von sechs auf sieben Wochen verlängert werden,
- der Einsatz in der Takelage soll besser vorbereitet werden, etwa an einem Trainingsnachbau des Mastes der "Gorch Fock".
Die Kommission war nach dem Tod einer 25-jährigen Kadettin auf der "Gorch Fock" im November eingesetzt worden. Die grundsätzliche Entscheidung, dass das Schiff weitersegelt, hatte sich bereits abgezeichnet. In den vergangenen Wochen hatte sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, und der Inspekteur der Marine, Axel Schimpf, nach den Berichten der Staatsanwaltschaft Kiel für einen Weiterbetrieb ausgesprochen. Ähnlich hatte sich auch der Verteidigungsausschuss des Bundestages geäußert.
Die Kadettin war bei einer Übung aus der Takelage gestürzt. Ihr Tod hatte eine heftige Debatte über die Zustände auf dem Schiff ausgelöst. Später hatten Berichte über die harsche Ausbildung an Bord, Ekel-Rituale und sexuelle Belästigung für Schlagzeilen gesorgt.
Die Aufregung steigerte sich so, dass der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Kommandanten suspendierte und die "Gorch Fock" nach Hause beorderte. Seitdem untersucht die Marine die Vorwürfe. Ein Ende Juni vorgelegtes Gutachten über die Vorkommnisse hatte Berichten zufolge gravierende Mängel bei der Dienstaufsicht festgestellt. Mit dem tragischen Todesfall und den Zuständen auf der "Gorch Fock" hatte sich auch die Staatsanwaltschaft Kiel befasst.
Die "Gorch Fock" liegt seit der Rückkehr von ihrer schlagzeilenträchtigen Südamerika-Reise im Mai in ihrem Heimathafen Kiel. Offen ist derzeit noch, wer neuer Kommandant des Schulschiffs wird.
Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte, die Ausbildung auf der "Gorch Fock" müsse freiwillig sein. Viele Offiziersanwärter wüssten, dass sie später im Einsatzführungsstab landeten - für sie sei der Aufenthalt an Bord nicht sinnvoll. Andere wollten unbedingt auf die "Gorch Fock". Der FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen erklärte, dass die Ausbildung attraktiver werde, sei von zentraler Bedeutung für eine Freiwilligenarmee, die die Bundeswehr nun ist.