Frauenwahlrecht wird 100: Kampf muss sein - DER SPIEGEL
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meinung •100 Jahre Frauenwahlrecht Kampf muss sein

Frauen dürfen in Deutschland wählen und politische Ämter bekleiden. Das ist schön, das ist gut, das ist längst selbstverständlich. Doch der Kampf für Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorbei.
Womens March 2018 in Washington (USA)
Womens March 2018 in Washington (USA)

Womens March 2018 in Washington (USA)

Foto: XinHua / dpa / picture alliance
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Politisches Denken liege nicht in der Natur der Frauen, ihre Hauptaufgabe liege in der stillen Arbeit zu Hause, das Wahlrecht schade der "wahren Weiblichkeit" und könne "die Harmonie in der Familie" gefährden. Diese und ähnliche Argumente schlugen Frauenrechtlerinnen im 19. Jahrhundert entgegen, als sie anfingen, politische Teilhabe für Frauen zu fordern.

Als am 30. November 1918 das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft trat, endete dieser Kampf, der über 70 Jahre gedauert hatte.

Wo stehen wir heute, im Jahr 2018? Und was bleibt noch zu tun?

Das Wahlrecht ist das eine - wahre Gleichberechtigung das andere

Frauen verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer, Frauen bekleiden weniger öffentliche Ämter als Männer, Frauen bekommen im Schnitt weniger Rente, Frauen sind seltener in Führungspositionen, noch immer wird im Schnitt jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner ermordet . Frauen sind in Deutschland immer noch strukturell benachteiligt. Der 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts ist ein guter Tag, sich daran zu erinnern, dass der Kampf weitergeht und so schnell nicht vorbei sein wird - auch wenn schon viel erreicht wurde.

Frauen wählen die Zukunft

Die Idee eines Wahlrechts für Frauen wurde am Anfang als völlig abwegig abgetan, verlacht und nicht ernst genommen. Hundert Jahre später sind sowohl Frauenwahlrecht als auch die formale Gleichberechtigung von Mann und Frau in diesem Teil der Erde fest im gesellschaftlichen Denken verankert. Mehr noch, in Deutschland bekleidet seit nunmehr 13 Jahren eine Frau das Amt der Bundeskanzlerin - und trotzdem ist das Land nicht in Chaos und hysterischer Anarchie versunken.

Eintreten!

Jungen Frauen, die nicht wählen wollen, sage ich: Ja, ich weiß, es ist schwer, eine Partei zu finden, die sich für eure Wünsche einsetzt. Aber auch das Frauenwahlrecht musste von mutigen Frauen wie Louise Otto und Hedwig Dohm erst erstritten und erkämpft werden, sie hatten mit zahlreichen Repressalien zu kämpfen, denn natürlich haben Männer damals den Zugang zur Macht nicht freiwillig mit 50 Prozent der Bevölkerung geteilt. Und so gibt's auch heute Fortschritt nicht ohne Widerstände: Wenn euch die Parteien zu langweilig und alt sind, tretet in eine ein und macht sie jünger und weiblicher - der Bedarf ist da.

Diese Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass gerade die Jungen sich nicht engagieren, denn man muss gar nicht so weit blicken, um zu sehen: Repressive Kräfte sind auf dem Vormarsch. So kann sich die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD seit Monaten nicht dazu durchringen, den unseligen und aus der Zeit gefallenen Paragrafen 219a aus der Welt zu schaffen - auch, weil radikale "Lebensschützer" dagegen lobbyieren. Die nur 30 Prozent Frauenanteil im Bundestag tun ihr Übriges.

Die gute Nachricht zum Schluss

Der erfolgreiche Kampf der Frauen für ein aktives und passives Wahlrecht birgt im Kern ja eine gute Nachricht für diejenigen, die wegen ihrer progressiven Ideen und Wünsche ausgelacht oder sogar eingeschüchtert werden. Denn wer weiß? Vielleicht sitzt in 100 Jahren wieder eine Autorin an einem Rechner und schreibt einen Kommentar darüber, wie eine irre Idee innerhalb von ein paar Jahrzehnten zu einem Grundpfeiler unserer Gesellschaft werden konnte.

Video zum Frauenwahlrecht: "Gleichstellung haben wir trotzdem nicht"

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