Ernährungsministerin Medienanstalt prüft Klöckners Nestlé-Video
Julia Klöckner (CDU), Bundesagrarministerin
Foto: Britta Pedersen/ DPAWar es Werbung für Nestlé - oder nur die Anerkennung einer guten Sache? Das Video von Julia Klöckner (CDU) mit dem Nahrungsmittelkonzern hat der Ernährungsministerin viel Ärger eingebracht, bei Twitter wurde sie unter anderem als "Konzernhure" beschimpft.
Nun prüft auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg den Clip. "Wir wollen erstmal hören, was da passiert ist", sagte eine Sprecherin der Medienanstalt. Die Behörde wolle sich mit dem Ministerium über den Hintergrund des Videos austauschen.
Das Ministerium hatte das Video bereits am Montag bei Twitter gepostet. Darin bedankt sich die Ministerin bei Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch für die Unterstützung des Konzerns bei Klöckners Initiative für weniger Zucker, Fette und Salz in Lebensmitteln.
Weniger #Zucker, Fette und #Salz in Fertigprodukten – dafür setzt sich BMin @JuliaKloeckner mit der #Reduktion|s- und #Innovationsstrategie ein.
— BMLEH Landwirtschaft · Ernährung · Heimat (@BMLEH_Bund) June 3, 2019
Dass dies geht, zeigt @NestleGermany, die die Strategie unterstützen. Sie haben 10% der Inhalte reduziert; weitere 5% sollen folgen. pic.twitter.com/jLpVSHRoyJ
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In sozialen Medien warfen zahlreiche Nutzer der Ministerin vor, bei dem Video handele es sich um Schleichwerbung. Zu den Kritikern gehörten auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.
Auch die Verbraucherorganisation foodwatch warf Klöckner zu große Nähe zu Lebensmittelunternehmen vor. Geschäftsführer Martin Rücker sagte: "In einer solchen Situation erwarte ich von einer Ministerin, dass sie sich nicht gemein macht mit den Interessen der Unternehmen."
Klöckner und ihr Ministerium verteidigten das Video, die Ministerin nannte Kritiker im Internet "Hatespeaker" (Hassredner). Das löste weitere Kritik aus.
An die Hatespeaker, weil ich mit Nestlé gesprochen habe: Mal eigene Forderungen #Zuckerreduktion nachlesen! Dass Unternehmen unsere Zielen für bessere Nahrungsmittel umsetzen, ist ein Erfolg. Erst unterstellen, dass nichts geschieht. Dann durchdrehen, wenn man was erreicht 🙄
— Julia Klöckner (@JuliaKloeckner) June 4, 2019
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Der YouTuber Rezo schrieb auf Twitter: "Fun Fact: Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau so einem Video gepostet, hätte ich es als #Werbung kennzeichnen müssen." Rezo hatte mit dem Video "Zerstörung der CDU" mit der Politik der Partei abgerechnet. Bei der Reaktion darauf machte die Parteispitze um Annegret Kramp-Karrenbauer keine gute Figur.
Eine Sprecherin des Klöckner-Ministeriums sagte, das Nestlé-Video sorge auch intern für Debatten. Zur Umsetzung der Strategie für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln gehöre aber auch, mit allen Beteiligten zu sprechen, auch mit Unternehmen. Wenn diese sich verpflichteten ihre Produkte zu ändern, sei das ein Erfolg - und darum sei es gegangen.
Nestlés Geschäfte mit Grundwasser
Nestlé werden teils fragwürdige Geschäfte vorgeworfen. So prangerte die Umweltorganisation Greenpeace 2010 an, das Unternehmen trage mit der Verwendung von Palmöl zur Zerstörung von Regenwald bei. Nestlé hat versprochen, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen.
Im Dokumentarfilm "Bottled Life" wurde Nestlé 2012 vorgeworfen, in Weltregionen, die unter Dürre leiden, Geschäfte mit Grundwasser zu machen, das gereinigt und in Plastikflaschen teuer verkauft wird. In Pakistan sei das Unternehmen für die Austrocknung einer Region mitverantwortlich.
Laut dem Unternehmen zeigt der Film ein verzerrtes Bild und manipuliert die Zuschauer. Nestlé habe in der Region Lahore in Pakistan nur zwei Tiefbrunnen, während dort 680.000 Brunnen für die Bewässerung der Landwirtschaft sowie Industrie und die kommunale Wasserversorgung genutzt würden.