Künstlerappell: Flick-Erbe soll NS-Entschädigung zahlen - DER SPIEGEL
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Künstlerappell Flick-Erbe soll NS-Entschädigung zahlen

Sein Vermögen verdankt er nicht zuletzt der Arbeit von NS-Zwangsarbeitern, aber entschädigen will er sie nicht: der Kunstsammler Friedrich C. Flick. Jetzt fordert die deutsche Künstlerelite in einem gemeinsamen Aufruf, Flick müsse sich an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft beteiligen.
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Berlin - Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören einige der prominentesten Kunst- und Kulturschaffenden der Bundesrepublik: der Fernsehmoderator Roger Willemsen, der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, die Schauspielerin Katharina Thalbach und der Regisseur Volker Schlöndorff. Insgesamt schlossen sich 29 Kunstschaffende der Initiative an.

Scharf verurteilen sie, dass sich die meisten Erben von Industrievermögen aus der Nazizeit bis heute weigern, dem Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft beizutreten. Die Vermögen dieser Erben seien zu einem erheblichen Teil auf Firmen zurückzuführen, die in den menschenverachtenden Einsatz Hunderttausender Frauen, Männer und Kinder als Zwangsarbeiter eingebunden waren.

Vor allem Friedrich Christian Flick versuche, sich mit dem Aufbau einer privaten Kunstsammlung aus der Affäre zu ziehen. Der Konzernerbe war bereits im März von der Stiftungsinitiative der Wirtschaft aufgefordert worden, der Initiative beizutreten und "einen angemessenen Beitrag zur Verfügung zu stellen".

Er sei Mitglied "einer der bedeutendsten Industriellenfamilien Deutschlands, die für die Kriegswirtschaft außerordentlich wichtige Funktionen ausübte", schrieb die Stiftungsinitiative der Wirtschaft. Es war sein Großvater Friedrich Flick, der den gleichnamigen Konzern gründete.

Der Enkel hatte daraufhin sein Bauvorhaben für ein privates Kunstmuseum in Zürich bekannt gegeben und erklärt, er sehe für seine Person keinen Anlass und keine moralische Verpflichtung, dem Entschädigungsfond beizutreten.

Die Unterzeichner des Appells kritisieren, dass es "in keiner Weise tolerierbar" sei, wenn Herr Flick den Eindruck erwecke, sich durch den Bau eines Ausstellungsgebäudes für seine private Kunstsammlung "einer Unterstützung der Initiative entziehen zu wollen".

Dadurch würden die Urheber der Kunst instrumentalisiert und der "gesamte Prozess freien künstlerischen Schaffens an eine private Verweigerungshaltung verraten", so die Unterzeichner. Der Einsatz von künstlerischen Werken als "private Ablasswährung" sei zynisch und in hohem Maße schädlich für das Ansehen der deutschen Kunst und Kultur. "Wir verwahren uns gegen jede Form von Kompensationsgeschäften."

Die 29 Unterzeichner fordern zudem all jene Firmen zur Zahlung von Entschädigungsgeldern auf, die bis heute der Stiftungsinitiative nicht beigetreten sind.

Die Stiftungsinitiative der Wirtschaft begrüßte die Initiative der Künstler. "Das sind sehr überzeugende Argumente", sagte ihr Sprecher Wolfgang Gibowski. Es sei richtig darauf hinzuweisen, wie Kunst und Kunststiftung instrumentalisiert würden. Er hoffe auf die Wirkung der Argumente. Allerdings habe Friedrich Christian Flick bisher auf keinen Brief der Stiftungsinitiative geantwortet.