Markus Söder Hallodri, Machtmensch, Durchboxer
Keine Frage, er kann sich sich selbst als Bundeskanzler vorstellen.
Markus Söder, Ministerpräsident Bayern 14.4.2021
»Am Ende wird alles gut werden.«
Wir werfen einen Blick auf den Mann, der die Nachbesetzung von Merkels Büro anstrebt:
Mit 16 Jahren wurde Söder, der Franz Josef Strauß verehrt, CSU-Mitglied und ging in die Junge Union. Politik verkauft er seitdem als seine Leidenschaft.
Markus Söder (2016)
»Ich empfinde es persönlich als großes Privileg, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf machen durfte. Mich hat es immer – meine Frau fragt mich im Urlaub, wieso liest du jetzt was Politisches und keine Biografie oder was anderes. Na, weil´s mir Spaß macht.«
1. Das Prinzip Durchboxen
Markus Söder hat sich durchgeboxt: Vom Generalsekretär zum Finanzminister. Der Franke hatte wenige Unterstützer, dafür gab es viele, die ihn belächelten.
Die Zahl seiner politischen Widersacher in den eigenen Reihen war stets groß. 2017 zieht Horst Seehofer noch einmal alle Register, um Söder als seinen Nachfolger als Ministerpräsidenten zu verhindern – es kam anders.
Markus Söder (2016)
»Im Endeffekt kommt es darauf an, ob man sich selbst treu sein kann. Und das hat sich bei mir über die letzten zehn Jahren sehr entwickelt. Ich hatte ja schlechte Zeiten gehabt auch, heftig attackiert und schwierige Zeiten. Zeiten, in denen glaubt, man muss sich orientieren, an was andere sagen: Berater, Profis, Journalisten. Und irgendwann findet man seinen eigenen Stil. Und ab dann reift man und ab dann hat man auch kein Problem mit Kritik gelassener umzugehen.«
Der stets Unterschätzte ist endlich da, wo er hinwollte: Er ist die Nummer Eins in Bayern – mit einem Draht in die große Politik.
Söder mit Emanuel Macron in Videoschalte
"You have a beautiful landscape." "Yeah, this is Bavaria at its best."
2. Das Prinzip Verwandlung
Markus Söder, der Mann im Kostüm. Die Bilder kennt jeder. Nicht nur zu Faschingszeiten zeigte sich seine Lust an der Verwandlung. »Shrek« als Metapher für politische Wandelbarkeit:
Markus Söder (11.4.2021)
»Es kommt nicht auf unsere Ambitionen an – sondern das Wohl nicht nur der Union, sondern vor allen Dingen Deutschlands an.«
Bevor Söder das gesamtdeutsche Projekt und nebenher seine Kanzlerkandidatur anging, gab es bereits eine Reihe von Themen, die er als seine jeweils wichtigste Agenda verkauft hat, immer mit vermeintlichem Herzblut: Von »stoppt Rot-Grün« über die christliche Leitkultur, bis hin zur Digitalisierung. Das Fischen nach AfD-Stimmen am rechten Rand beim Wahlkampf 2018 gehörte auch dazu:
Markus Söder, designierter bayerischer Ministerpräsident (14.2. 2018)
»Für mich ist klar, liebe Freunde, wir müssen eines sagen: Wir sind für die bürgerliche Mitte da, aber wir wollen auch die demokratische Rechte wieder bei uns vereinen, liebe Freunde.«
Seine Aussagen über den "Asyltourismus" musste Söder zurücknehmen. Damit konnte er bei den Landtagswahlen nicht punkten – das Ergebnis fiel mehr als bescheiden aus.
Prompt entdeckte Söder ein neues Thema für sich: das Klima. Seit 2019 ist er plötzlich grüner als die Grünen.
Markus Söder, Ministerpräsident Bayern (31.12.2019)
»Wir haben eine Menge vorangebracht. Auf der einen Seite haben wir den Klima- und Artenschutz in Bayern zu einem neuen Stellenwert verschafft. Und wir haben einen nächsten Schritt in der Digitalisierung gemacht, den kein anderes Bundesland schafft. Und: Wir bauen beispielsweise für die Familie neben finanziellen Leistungen vor allem Krippenplätze aus – was für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade für unsere jungen Frauen ein ganz wichtiges Anliegen ist.«
Markus Söder, Ministerpräsident Bayern (30.3.2021)
»Die Corona-Lage wird leider düsterer in Deutschland. Die Inzidenz steigt und steigt.«
Die bislang jüngste Volte: Seine Rolle als Pandemie-Krisenmanager und strenger Landesvater. Zwar kommt Bayern nicht besser durch die Coronakrise als andere Bundesländer – aber Söders gute Umfragewerte zeigen, dass seine Selbstvermarktung erfolgreich ist.
3. Das Prinzip Inszenierung
Söder, der gelernte Fernsehredakteur, hat ein Gefühl für Bilder und Posen. Früh fing er an, die sozialen Medien zu bespielen.
Facebook/MarkusSöder
»Heute ist Sonntag, ich gehe hier bei uns in Nürnberg im Wald spazieren, es ist wunderschön.«
»Neunzehn Grad! Echt kalt, aber wunderschön!«
»OK, nochmal.«
Seitdem ist er auf allen Kanälen omnipräsent.
Er gibt sich – auch Journalisten gegenüber – schon mal kumpelhaft. Gern doziert er dann über seine Fähigkeit, Menschen in Bierzelten zu erreichen.
Markus Söder (Nov. 2016)
»Das ist ein harter Job. Ein Bierzelt, das ist physisch und psychisch eine Herausforderung. Das muss man können. Das wird immer wieder unterschätzt, ja. Es ist net nur irgend so eine dumpfe Kultur, sondern das ist politische Hochkultur das zu können.«
»Ozapft ist!« (2007)
In Söders Krug war schon immer Cola light. Den geselligen Part überlässt er gern anderen.
Was seine politische Zukunft angeht: Wer sich Markus Söder so gar nicht als Bundeskanzler vorstellen kann, sollte sich wahrscheinlich auf die nächsten Verwandlungen des Franken gefasst machen.