Martin Schulz: SPD-Fraktion feiert Kanzlerkandidaten in spe - DER SPIEGEL
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Kanzlerkandidatur SPD-Fraktion feiert Martin Schulz

Minutenlanger Applaus für den Kanzlerkandidaten in spe: Martin Schulz hat die SPD-Fraktion besucht. Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte Sigmar Gabriel für die Art und Weise seines Rückzugs.
Schulz, Gabriel, Oppermann
Schulz, Gabriel, Oppermann

Schulz, Gabriel, Oppermann

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP
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Einen Tag nach dem überraschenden Rückzug von Sigmar Gabriel hat der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Fraktion besucht. Die Minister und Abgeordneten begrüßten den Europapolitiker mit minutenlangem Applaus.

Schulz rief seine Partei auf, trotz schlechter Umfragen selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. "Wenn wir Sozis den Menschen zeigen, dass wir an sie denken, dann gewinnen wir die Wahl", sagte der 61-Jährige. Es gebe viele Menschen, die sich erst ganz zum Schluss entscheiden würden, was sie wählen. Daher lohne sich ein Wahlkampf bis zur letzten Sekunde, zitierten Teilnehmer Schulz gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Nach der Sitzung sagte Schulz: "Das war ein guter Start." Zugleich appellierte er an die Sozialdemokraten, die Alltagssorgen der Menschen ernst zu nehmen. Das habe er in seiner bisherigen politischen Arbeit unter anderem als Bürgermeister gelernt.

Fraktionschef Thomas Oppermann sprach Schulz das Vertrauen aus und sicherte ihm den Rückhalt der Fraktion zu. Der 61-Jährige habe eine große persönliche Glaubwürdigkeit und vermittele den Menschen das Gefühl, dass er ihre Probleme ernst nehme. "Wir glauben, dass wir mit Martin Schulz etwas bewegen können", sagte Oppermann.

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Foto: Matt Dunham/ AP

Der SPD-Vorsitzende Gabriel hatte am Dienstag angekündigt, dass er nicht als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen wird. Stattdessen sprach er sich für Schulz als Kanzlerkandidaten aus. Dieser habe "die besseren Chancen. Das liegt auf der Hand", begründete Gabriel die Entscheidung. Noch am Abend nominierte das SPD-Präsidium den 61-jährigen Schulz einstimmig als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel und künftigen Vorsitzenden.

Oppermann kritisierte nach Angaben von Sitzungsteilnehmern Gabriel für die Kommunikation seines Rückzugs. Die meisten SPD-Abgeordneten hatten über Medienberichte von Gabriels Entscheidung erfahren. "Aber das war gestern. Ab heute heißt es: nicht mehr lamentieren, sondern kämpfen", wird Oppermann zitiert.

Das Kabinett soll noch in dieser Woche umgebaut werden. Gabriel will weiterhin Vizekanzler sein, den Parteivorsitz und den Posten als Wirtschaftsminister aber abgeben und stattdessen ins Außenministerium wechseln. Der Ministerposten dort wird frei, weil Frank-Walter Steinmeier am 12. Februar aller Voraussicht nach zum Bundespräsidenten gewählt wird.

Neue Wirtschaftsministerin soll die frühere Justizministerin Brigitte Zypries werden. Schulz soll wahrscheinlich im März auf einem vorgezogenen Parteitag zum SPD-Chef gewählt werden und dann Kanzlerin Merkel bei der Bundestagswahl am 24. September herausfordern. Gabriel war dann siebeneinhalb Jahre SPD-Vorsitzender. (Lesen Sie hier mehr zu den Reaktionen auf diesen Schritt.)

brk/dpa