Misshandlungsaffäre Coesfelder Rekruten stellen Strafanzeige
Münster - Die bisherigen Untersuchungen haben die Vorwürfe gegen die Bundeswehrausbilder bestätigt. Das berichtete der Sprecher der Münsteraner Staatsanwaltschaft Wolfgang Schweer. Insgesamt hätten die Beamten der "Ermittlungskommission Flamschen" bei der Kreispolizeibehörde Coesfeld bereits 28 ehemalige Rekruten der Ausbildungskompanie 7/7 vernommen. Sie hätten angegeben, dass die Ausbilder nach ihrer Auffassung weit über das Ziel hinausgeschossen seien.
Allerdings sei die Wahrnehmung der Vorfälle durch die Soldaten sehr unterschiedlich, betonte der Staatsanwalt. Der größere Teil der Soldaten habe die Methoden als inakzeptabel, demütigend und entwürdigend empfunden. Ein Teil der Rekruten habe die Übung aber auch als "Höhepunkt der Ausbildung" bezeichnet und sie als nicht so schlimm empfunden.
Struck schließt weitere Fälle nicht aus
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Verteidigungsminister Peter Struck schließt weitere Fälle von Soldatenmisshandlungen nicht aus. Bei den beschuldigten Ausbildern handele es sich aber um eine kleine Minderheit, sagte er der "Bild"-Zeitung. "99,9 Prozent verhalten sich so, wie wir es von ihnen erwarten. Es gibt - von geringen Ausnahmen abgesehen - keine Rambos in der Bundeswehr." Struck betonte aber im ZDF: "Wer Behandlungen ausgesetzt war, soll sich gefälligst melden."
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble sagte, er habe den Eindruck, dass wirklich aufgeklärt werde. Ein Rücktritt von Struck mache deshalb keinen rechten Sinn. Er kritisierte jedoch, dass Strucks Ministerium nicht unmittelbar nach Bekanntwerden des Misshandlungsfalls in Coesfeld die Öffentlichkeit informiert habe.
Auch Ex-Generalinspekteur Klaus Naumann sagte, Struck habe mit Augenmaß reagiert. Zu kritisieren sei aber, dass der Minister offenbar nicht sofort über die Vorfälle unterrichtet wurde, sagte Naumann dem "Münchner Merkur". Die militärische Ausbildung in Deutschland sei nicht zu hart. "Mit den Auslandseinsätzen kam eine ganz andere Realität auf die Bundeswehr zu, eine dichtere Konfrontation mit den Extremfällen soldatischen Lebens. Darauf mussten wir reagieren."