Die Lage am Morgen Hat Iran den Krieg gewonnen?
Das Regime in Teheran feiert Trumps Waffenstillstand wie einen Sieg. Der BND begeht seinen 70. Geburtstag, wir gratulieren recht freundlich. Und wohl ein letztes Mal befasst sich ein Gericht mit Helmut Kohl.
Wer rettet das iranische Volk?
Womöglich versteht Donald Trump selbst nicht mehr ganz, was er tut: Mal erklärt er seinen Krieg gegen Iran für so gut wie gewonnen, dann droht er der gesamten iranischen Zivilisation mit Vernichtung, dann wieder will er mit der iranischen Führung bei der Kontrolle der Straße von Hormus zusammenarbeiten. Und zuletzt hat der US-Präsident eine Feuerpause ausgerufen. Ganz ohne Ultimatum will er unbegrenzt abwarten, bis das iranische Regime einen neuen Verhandlungsvorschlag unterbreitet (mehr dazu hier ).
Fahnenschwenkender Mann in Teheran (am Mittwoch)
Foto: Abedin Taherkenareh / EPATeheran feiert diese Entwicklung wie einen Sieg (mehr dazu hier ). Das ist nachvollziehbar: Ganz offensichtlich ist es den USA und Israel auch mit heftigen Angriffen nicht gelungen, das System des Mullah-Staates in die Knie zu zwingen. Sollte die Befreiung der iranischen Bevölkerung von der Macht der religiösen Fanatiker jemals das Ziel dieses Krieges gewesen sein (was bezweifelt werden darf), dann wurde dieses Ziel verfehlt.
In Berlin tritt heute ein Mann auf die Bühne der Bundespressekonferenz, den manche für das Gesicht einer iranischen Revolution halten und andere für eine Figur aus einer Vergangenheit, die nicht wiederkehren sollte: Reza Pahlavi ist der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, eines brutal herrschenden Monarchen. Er behauptet zwar – etwa im Gespräch mit meiner Kollegin Susanne Koelbl –, dem iranischen Volk die Demokratie bringen zu wollen. Aber ob das stimmt und wie genau er das anstellen will, weiß niemand. Pahlavi will in politischen Gesprächen um Unterstützung werben, von der Bundesregierung bekommt er allerdings nicht einmal einen Gesprächstermin.
Mehr Hintergründe hier: »Wir sehen eine Machtverschiebung zugunsten Irans«
Hoch die Schlapphüte!
Wenn der Bundesnachrichtendienst heute in Berlin mit einem Empfang seinen 70. Geburtstag feiert, dann darf eine Gratulation von dieser Stelle nicht ausbleiben. So herrlich viele Skandale hat uns der deutsche Auslandsgeheimdienst in den vergangenen Jahrzehnten geliefert! Da wurde schlampig aufgeklärt, sich astrologischer Methoden bei der Aufklärung bedient, es wurden Politiker und Journalisten bespitzelt, Waffen und Abhörtechnik an Diktatoren geliefert, der Schmuggel von Plutonium inszeniert und die Personalakten von ehemaligen Gestapo- und SS-Leuten beim BND vernichtet.
BND-Zentrale in Berlin
Foto: Jörg Carstensen/ dpaJüngstes Beispiel einer mit dem BND in Verbindung stehenden Peinlichkeit ist die aktuelle Affäre um mutmaßlich von Russland gehackte Signal-Accounts hochrangiger Politiker. Wie meine Kollegen Marcel Rosenbach und Paul-Anton Krüger berichten, ist etwa die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner betroffen, Inhaberin des zweithöchsten Amtes unserer Republik (mehr dazu hier ). Schon im März hatte der SPIEGEL gemeldet, dass ausgerechnet auch ein vermeintlicher Fachmann auf den mutmaßlich russischen Phishingangriff hereingefallen ist: der ehemalige BND-Vizepräsident Arndt Freytag von Loringhoven (mehr dazu hier).
Es sieht also nicht so aus, als würde dem SPIEGEL demnächst Stoff für interessante BND-Geschichten ausgehen. Vielen Dank dafür! Und weiter so? Vielleicht lieber doch nicht.
Mehr Hintergründe hier: Bundestagspräsidentin Klöckner ist Opfer des Signal-Hacks
Letzte Nachrichten aus Oggersheim
Nostalgisch stimmt auch ein Prozess, der heute in Karlsruhe seinen Abschluss findet: Der Bundesgerichtshof entscheidet über eine Unterlassungsklage der Witwe des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl. Maike Kohl-Richter klagt gegen die Veröffentlichung von Passagen des Buches »Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle«. Und wenn Sie sich jetzt zu erinnern meinen, das habe sie doch schon einmal getan, dann erinnern Sie sich richtig: Schon 2021 war Kohl-Richter mit einer ähnlichen Klage erfolgreich. Diesmal sollen aber noch weitere Zitate getilgt werden.
Maike Kohl-Richter vor dem Oberlandesgericht in Köln (2018)
Foto: Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpaDas Buch des ehemaligen Kohl-Biografen Heribert Schwan war bereits vor seinem Erscheinen 2014 juristisch umstritten. Schon Helmut Kohl selbst wollte seinen ehemaligen Vertrauten daran hindern, es zu veröffentlichen. Schwan hatte für gemeinsame Buchprojekte mehr als 600 Stunden mit dem Ex-Kanzler gesprochen, der ehemalige Politiker nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Nachdem sich Schwan und Kohl zerstritten hatten, nutzte der Autor sein Material auf eigene Faust.
Das mutmaßlich endgültige Ende dieses so lange wogenden Rechtsstreits ist eine gute Gelegenheit, noch einmal die zugehörige Geschichte meines Kollegen René Pfister nachzulesen und sich an den schönsten Fiesheiten des Altkanzlers zu weiden: Michail Gorbatschow? »Gescheitert.« Christian Wulff? »Ein ganz großer Verräter.« Und Angela Merkel? »Konnte nicht richtig mit Messer und Gabel essen.«
Die ganze Geschichte hier: »Das Wort Verräter muss rein«
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Merz und Macron begreifen den Ernst der Lage nicht: Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS droht zu scheitern. Für die Verantwortlichen ist der Vorgang peinlich, für Europa ist er bedrohlich.
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Gewinner des Tages…
Gruppenfoto vor Halbfinalsieg: FC Bayern in Leverkusen (am Mittwoch)
Foto: Ina Fassbender / AFP…ist der FC Bayern München. Nicht nur ist der Münchner Verein sowohl mit seiner Herren- als auch mit seiner Damenmannschaft vorzeitig deutscher Fußballmeister der noch laufenden Saison geworden – die Männer stehen nach einem Sieg über Bayer Leverkusen zusätzlich und erstmals nach sechs Jahren wieder im Endspiel um den DFB-Pokal.
Die ganze Geschichte hier: Diese Bayern sind als Kind in den Zaubertrank gefallen
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Libanon meldet drei Tote bei israelischem Luftangriff, darunter eine Journalistin: Israel hat den Süden des Libanon erneut aus der Luft attackiert. Dabei wurden offenbar drei Menschen getötet. Der libanesische Ministerpräsident kritisiert »gezielte Angriffe« auf Journalisten.
Trump bezeichnet Referendum über Wahlkreisreform in Virginia als »manipuliert«: Die Wähler in Virginia haben für einen Neuzuschnitt der Wahlkreise gestimmt – zum Vorteil der Demokraten. Donald Trump raunt von einer »Briefwahl-Stimmenflut« und hofft auf ein Eingreifen der Justiz.
Großbritannien zahlt Frankreich bis zu 760 Millionen Euro für Grenzkontrollen: Drohnen, Hubschrauber, fast 1100 Sicherheitskräfte: Großbritannien überweist Frankreich Hunderte Millionen Euro, um den Ärmelkanal gegen illegale Überfahrten zu sichern. Ein Teil der Zahlungen ist an Bedingungen geknüpft.
Heute bei SPIEGEL Extra: Was Schwangerschaftsdiabetes für Kind und Mutter bedeutet
Pieks in den Finger: Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes müssen ihren Blutzucker kontrollieren (Symbolbild)
Foto: Anastasia Khandozhenko / StocksyWer schwanger werden will, sollte sein Diabetesrisiko kennen, empfiehlt die Ärztin Julia Szendrödi. Hier erklärt sie, wer besonders gefährdet ist – und worauf Betroffene auch nach der Geburt noch achten sollten .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion