News: Martin Schulz, Donald Trump, Schimpansen lernen Schnick Schnack Schnuck - DER SPIEGEL
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Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Martin Schulz hält heute eine Berliner Rede zur Integrationspolitik. Man darf gespannt sein, ob der entscheidende Satz fällt, und das ist einer der unbeliebtesten Sätze überhaupt. Er heißt: Du musst dich ändern. Es ist ein Satz aus Beziehungsdiskussionen oder sogenannten Entwicklungsgesprächen mit dem Chef. Niemand hört das gerne.

Aber Integration heißt, dass sich jemand ändern muss, sonst wäre es ein Nebeneinanderherleben. Die einen erwarten, dass Neuankömmlinge einen Teil ihrer Sitten und Gebräuche aufgeben. Die anderen erwarten, dass die Gesellschaft ihren Toleranzbegriff um die Sitten und Gebräuche der Neuankömmlinge erweitert. Die Dritten erwarten beides.

Ohne diesen Satz ist Integration jedenfalls nicht zu schaffen. Ob Schulz das heute so sagen wird?

Spätes Sprechen

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Würde man eine Rezeptur für gutes politisches Reden entwerfen, spielte der Zeitpunkt eine wichtige Rolle, neben der Relevanz des Gesagten, der Verständlichkeit, der Emotionalität und dem Sprechort. John F. Kennedys Satz "Ich bin ein Berliner", gesprochen in der Frontstadt Berlin während des Kalten Krieges, darf als Benchmark in dieser Disziplin gelten.

Die Tücke des Zeitpunkts ist, dass er, falsch gewählt, den Wert der Aussage auf nahezu null stellt. Sie wissen, was jetzt kommt: Trump. Dass er die rassistischen, neonazistischen Exzesse von Charlottesville erst nach ein paar Tagen beim Namen nennt und klar verurteilt, hat keinen Wert, zumal er dazu aus dem eigenen Lager gedrängt werden musste. Was zählt und bleibt, ist der Versuch, den Nazipöbel zu verschonen. Trump will sich diese Leute in der Hinterhand halten. Das ist das Spiel mit dem Undenkbaren.

Menschliche Verschmutzung

Foto: AP

Eine der bittersten Erkenntnisse des heutigen Lebens ist, dass man stört. Es trifft einen leider manchmal in den schönsten Momenten.

Heute morgen machte ich einen Spaziergang durch die Alfama von Lissabon, ergriffen von der Schönheit der Gassen, als mein Blick auf eine Gleichung fiel, die auf eine Hauswand gekrakelt war: Mass Tourism = Human Pollution. Eben noch glücklicher Flaneur, war ich nun Verschmutzer, Verderber, war einer der Zuvielen.

Es gibt diese Proteste derzeit an vielen Orten Europas, auf Mallorca, in Barcelona, auch in Berlin, wo ich zu Hause bin. Meist richtet sich die Wut gegen den Billigtourismus, und, klar, da könnte ich sofort einsteigen, aber mir ist schon bewusst, dass es ein sozialer Fortschritt ist, wenn nicht nur Wohlhabende wie ich die Welt kennenlernen dürfen. Über den Preis sollte man dieses Problem daher nicht lösen. Wie dann? Auf Lissabon ein für alle Mal verzichten? Ich fürchte, dass ich das nicht schaffe.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Gewinner des Tages...

Foto: Primate Research Institute, Kyoto University

... ist der Schimpanse, der heute in Kyoto beim Schnick Schnack Schnuck gewinnt. Dort ist es Forschern gelungen, fünf Schimpansen dieses Spiel beizubringen. Mich rührt die Vorstellung, wie sie da mit ernsten Mienen sitzen, mit ihren langen Armen schwingen und sich dabei überlegen, ob sie die Runde mit Stein, Schere oder Papier gewinnen könnten.

Für mich erwächst hier eine schöne Perspektive. Bislang habe ich entweder mit Kindern gespielt, die heulen, wenn sie verlieren, oder mit Erwachsenen, die irgendwann das Schummeln anfangen, also ihre Hand einen Tick zu spät zu einem der drei Symbole formen und dann immer bei dem landen, das gewinnt (oder mir das unterstellen). Von den Affen ist das nicht zu erwarten. Anders als man annehmen könnte, sind Heulen und Schummeln Ausdruck höherer Entwicklungsstufen. Affen sind da noch nicht angekommen. Deshalb würde es mich freuen, gäbe man sie bald als Spielpartner frei.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag, Ihr

Dirk Kurbjuweit