News: Umfrage sieht Merz gescheitert, Gedenken an Hamas-Opfer vom 7. Oktober, Galeria-Insolvenz - DER SPIEGEL
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Stefan Kuzmany

Die Lage am Morgen Mehrheit will, dass Merz geht

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Deutschland hat genug von Merz

Die Kanzlerschaft von Friedrich Merz ist gescheitert, so sieht es eine große Mehrheit der Deutschen. Der SPIEGEL hat in der vergangenen Woche 2002 Menschen befragen lassen. Das Ergebnis ist repräsentativ für die Wahlberechtigten in Deutschland – und ein weiterer Tiefschlag für den angeschlagenen Kanzler. 67 Prozent halten Merz für gescheitert, in Ostdeutschland sind es sogar 80 Prozent. Dass Merz als Kanzler und Parteichef zurücktreten sollte, meinen 58 Prozent der Deutschen (mehr dazu hier ).

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Foto: Carsten Koall / dpa

Die Gründe für dieses verheerende Urteil sind wohl vielfältig: Links und rechts eingestellte Wähler hielten ihn von Anfang an für ungeeignet. Viele weitere, die zunächst womöglich Hoffnung in ihn gesetzt hatten, hat Merz mit seinem gebrochenen Schuldenversprechen und mit seiner schroffen Rhetorik verprellt. Der Bundeskanzler verbreitete oft genug keine Aufbruchstimmung, stattdessen machte er dem Volk Vorwürfe. Auf Kritik reagierte er beleidigt.

Den Zuspruch für die AfD wollte Merz früher mal halbieren, stattdessen gibt es in Sachsen-Anhalt seit gestern einen rechtsextremen Landtagspräsidenten (mehr dazu hier ). Und obwohl ich nie ein Anhänger von Friedrich Merz gewesen bin: Über sein Scheitern kann ich mich nicht freuen.


Der Tag der Opfer des Terrors

Heute ist der 7. Oktober, und dieser Tag gehört den Opfern. An anderen Tagen können wir wieder darüber diskutieren, ob es die israelische Regierung versäumt hat, ihre Bevölkerung zu schützen, oder ob Benjamin Netanyahu sogar konkrete Warnungen vor dem Angriff ignoriert hat (mehr dazu hier). Und an anderen Tagen werden wir seine in Teilen rechtsextreme Regierung wieder scharf für ihr unmenschliches Vorgehen gegen die Menschen im Gazastreifen kritisieren. Und auch dafür, dass sie die Gewalt von fanatischen Siedlern im Westjordanland gewähren lässt (mehr dazu hier ).

Trauernde an einer Gedenkstätte für Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023

Trauernde an einer Gedenkstätte für Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023

Foto: Debbie Hill / newscom / picture alliance

Aber der 7. Oktober gehört den Opfern des schlimmsten Verbrechens an Juden seit dem Holocaust. Am 7. Oktober vor drei Jahren überfielen palästinensische Terroristen vom Gazastreifen aus Israel und ermordeten über 1000 Menschen. Etwa 5400 Menschen wurden verletzt, 250 verschleppten die Terroristen in den Gazastreifen. 133 überlebten die Geiselnahme nicht.

Einer davon war Hersh Goldberg-Polin, 23 Jahre alt, ein Fußballfan und, als er entführt wurde, gerade zu Besuch auf einem Musikfestival. Seine Mutter Rachel leidet jeden Tag unter dem Verlust ihres Sohnes, jetzt hat sie ein Buch über ihren Schmerz geschrieben. Mein Kollege Thore Schröder hat sie getroffen und gefragt, wie sie es schafft, Hass und Rache von sich fernzuhalten. Ihre Antwort hat mich beeindruckt: »Diese Gefühle haben einfach noch nicht an meine Tür geklopft.«

Lesen Sie dazu hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel


Kein Kaufhaus ist auch keine Lösung

Jetzt will ich hier noch einen Appell loswerden: Die Kaufhauskette Galeria muss unbedingt noch einmal gerettet werden, vierte Insolvenz hin oder her (mehr dazu hier). Das ist keine ganz uneigennützige Forderung: Ich wohne in der Nähe vom Berliner Hermannplatz und dort steht ein Kaufhaus, das auf immer und ewig Karstadt heißen wird, auch wenn der Name längst aus dem Firmennamen verschwunden ist. Und dieses Kaufhaus darf nicht verschwinden.

Passantin vor Galeria-Filiale (Archivbild)

Passantin vor Galeria-Filiale (Archivbild)

Foto: Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGO

Denn wo sonst könnte ich bei einem einzigen Einkauf eine Bratpfanne, eine Kochschürze, einen Pfannenwender und dazu noch alle Zutaten für mein Abendessen kaufen, von dem ich morgens noch keine Ahnung hatte, dass ich es jemals kochen würde? Und wo sonst würde ich es erleben, dass mir eine Verkäuferin auf meine vorsichtige Annäherung, ob ich sie etwas fragen dürfe, so erfrischend ehrlich antwortet: »Ick arbeite gerade.«

Ganz im Ernst: Hier am Hermannplatz ist Karstadt mehr als nur ein Kaufhaus. Es ist ein soziales Zentrum, ein Treff- und Ankerpunkt in einer Gegend, die ohne ihn ziemlich aufgeschmissen wäre. Und das ist sicherlich nicht nur hier so.


Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.


Gewinnerin des Tages…

Anna Politkowskaja (Archivaufnahme von 1991)

Anna Politkowskaja (Archivaufnahme von 1991)

Foto: Sputnik / IMAGO

…ist Anna Politkowskaja. Die russische Journalistin wurde heute vor 20 Jahren im Aufzug ihres Wohnhauses in Moskau erschossen. Sie war eine mutige, aufrechte, unbeirrbare Stimme der Freiheit. Und daher mag es schon sein, dass man Anna Politkowskaja das Leben genommen hat. Aber tatsächlich ist sie unsterblich.


Mein Buchtipp des Tages

Seit 1993 lebte mein großartiger Kollege Marc Pitzke in den USA, seit 2003 hat er für uns von dort berichtet, jetzt ist er nach Deutschland zurückgekehrt. Über seine Liebe zu Amerika und seine Entfremdung von der Trump-Republik hat Marc ein Buch geschrieben: »Abschied von Amerika« erscheint heute.

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Abschied von Amerika

Marc Pitzke
Ein SPIEGEL-Buch: Warum meine Wahlheimat mir fremd geworden ist – und es mir trotzdem schwerfällt, ihr den Rücken zu kehren Verlag: DVA Seiten: 352
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Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Pestverdacht in Russland – Trump will mit Putin telefonieren: Die russischen Behörden wiegeln zwar ab. Doch der mutmaßliche Pesttod einer Laborangestellten in Sibirien beschäftigt auch das Weiße Haus. Donald Trump will persönlich im Kreml nachfragen.

  • Ronaldo wirft Trainer »Wortbruch« vor – will aber weiterspielen: Seine Abreise von der Nationalmannschaft brachte den Eklat – nun erklärt sich Fußballidol Cristiano Ronaldo. Was er über Portugals Coach Jorge Jesus zu sagen hat, dürfte die Lage aber kaum entschärfen.

  • Christa Pike ist nach verpfuschter Hinrichtung wieder bei Bewusstsein: Die zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike ist US-Medien zufolge wieder bei Bewusstsein und ansprechbar. Ihre missglückte Hinrichtung hatte für Empörung gesorgt.


Heute bei SPIEGEL Extra: Kann dieser Immobilien-Trick den MSCI World schlagen?

Foto:

Basil Pind / Stocksy

Ein Haus oder eine Wohnung kostet oft mehr, als sich viele leisten können. Mit einem Kredithebel kann das aber zum Vorteil werden. Wann die Strategie attraktiv sein kann, und warum sie in der Praxis häufig scheitert .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

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