News: Xi Jinping bei Donald Trump, Herbstgutachten wohl positiv, Unfallrückgang bei Tempo 30 - DER SPIEGEL
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Stefan Kuzmany

Die Lage am Morgen Wer bremst, verliert?

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»Du zuerst!« – »Nein, Du!«

Es ist schon erstaunlich: Wir leben im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, aber die Argumente klingen wie in den Achtzigern. Sie lauten immer wieder gleich, in etwa so: Warum sollten ausgerechnet wir auf etwas verzichten? Erst die anderen! Mit dieser Haltung gibt es keine Rüstungskontrolle, gibt es keine wirksame Bekämpfung des Klimawandels; und wie es aussieht, wird es so schnell auch keine Begrenzung der halsbrecherischen Raserei bei der Entwicklung der künstlichen Intelligenz geben (mehr dazu hier ). Denn Donald Trump und Xi Jinping haben kein Interesse daran, auf die Bremse zu treten.

Xi Jinping und Donald Trump (mit ihren Ehefrauen)

Xi Jinping und Donald Trump (mit ihren Ehefrauen)

Foto:

Jim Lo Scalzo / EPA

Heute beginnt der Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten in Washington (Fotos von Xis Ankunft sehen Sie hier). Zu diesem Anlass hat sich meine Kollegin Angela Gruber mit der Chinaexpertin Rebecca Arcesati vom Mercator Institute for China Studies unterhalten. Arcesati forscht zum Technologiewettbewerb der Großmächte USA und China – und sie erwartet nicht, dass bei den heutigen Gesprächen eine umfassende KI-Sicherheitskooperation entstehen könnte. »Kein Land hat einen Anreiz, seine KI-Entwicklung einseitig mit Leitplanken zu versehen, weil es befürchtet, dass die Gegenseite dadurch einen strategischen Vorteil gewinnt«, meint Arcesati.

Immerhin könnten kleine Fortschritte erzielt werden, etwa die Einrichtung einer Hotline für schwerwiegende Vorfälle im Bereich der KI-Sicherheit. Das wäre doch ein Anfang, so ein rotes Telefon hat sich ja auch schon im Kalten Krieg bewährt. Und wer weiß, vielleicht ist die KI ja dann auch bald so schlau, wie sie es schon einmal gewesen ist: In dem Film »War Games« von 1983 hat sie am Ende begriffen, dass im Übertrumpfungskampf der Großmächte niemand gewinnen kann.


Die Zutaten des Aufschwungs

Wir durften in den vergangenen Tagen schon die eine oder andere positive Konjunkturmeldung zur Kenntnis nehmen (mehr dazu hier), aber heute ereilt uns der geballte Optimismus: In Berlin stellen die Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Herbstgutachten vor, und aller Voraussicht nach wird ihre gemeinsam erstellte Konjunkturprognose die Hoffnung auf einen moderaten Aufschwung nähren.

Deutsche Exportgüter im Hamburger Hafen (2024)

Deutsche Exportgüter im Hamburger Hafen (2024)

Foto: Christian Ohde / IMAGO

Das ist doch schön. Wir wären aber nicht der SPIEGEL, wenn wir nicht schon vorher ein wenig Wasser in den Wein gießen würden. Und darum empfehle ich die Lektüre eines Textes meines Kollegen Christian Reiermann, der erklärt, woher der vorhergesagte Wirtschaftsschub kommt. Und was ihm fehlt, um dauerhaft zu wirken (mehr dazu hier ).

Triebkräfte sind demnach erstens die staatlichen Investitionen, das Sondervermögen zeigt Wirkung. Und zweitens überraschend steigende Exporte. Die haben allerdings wohl einen unschönen Grund: Deutsche Unternehmen profitieren davon, dass die asiatische Konkurrenz wegen laufender Konflikte unter Handelsbeschränkungen leidet, zum Beispiel unter der Blockade der Straße von Hormus. Die wird aber nicht ewig geschlossen bleiben. Mau bleiben allerdings zwei ebenso wesentliche Faktoren für einen robusten Aufschwung: Der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen sind weiterhin schwach.

Darf man sich also gar nicht freuen, wenn die Institute heute endlich mal einen positiven Ausblick vorlegen? Ich finde: doch. Auch auf die Gefahr hin, jetzt wie ein zwangsoptimistischer Politiker zu klingen, meine ich: Die wichtigste Zutat für einen echten Aufschwung ist die Zuversicht.

Wo ich gerade am Predigen bin, hier noch schnell ein passender Veranstaltungstipp: Am kommenden Mittwoch, den 30. September, empfängt mein Kollege Markus Feldenkirchen den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Spitzengespräch. Es geht um eine Frage, die uns zurzeit wohl alle beschäftigt: Was bedeutet der AfD-Sieg für unser Land? Welche Antworten Joachim Gauck darauf findet, können Sie am Mittwoch im Berliner Admiralspalast miterleben: Hier  gibt es noch Karten.


Kleine Aufmerksamkeiten erhalten das Leben

Vielleicht müssen Sie gleich mit dem Auto los, vielleicht durchqueren Sie auf Ihrer Fahrt die eine oder andere Tempo-30-Zone, und vielleicht ärgern Sie sich dann, dass Sie hier nicht schneller fahren dürfen, Sie haben es schließlich eilig! Dann sollte Ihnen die Studie zu denken geben, über die mein Kollege Lukas Kissel heute exklusiv berichtet: Unfallforscher haben herausgefunden, dass die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten und Getöteten in neu geschaffenen 30er-Abschnitten um mehr als die Hälfte sinkt. Und das sogar, obwohl die Fahrerinnen und Fahrer im Durchschnitt gar nicht so viel langsamer fahren als vorher. Und das gilt auch für die Art von Unfällen, für die das Tempolimit scheinbar egal ist.

Immer mit der Ruhe: Hier gilt Tempo 30 (aus dem Zusammenhang gerissenes Symbolbild)

Immer mit der Ruhe: Hier gilt Tempo 30 (aus dem Zusammenhang gerissenes Symbolbild)

Foto: Markus Klümper / dpa

Das klingt zunächst paradox, aber die Forscher haben dafür eine einleuchtende Erklärung: Offenbar wirkt das Tempo-30-Schild auf Verkehrsteilnehmer wie ein Warnsignal, das sagt: Achtung, hier musst Du aufpassen. Belegt ist das aber nur für punktuelle 30er-Abschnitte. Wie sich ein flächendeckendes Tempolimit auswirken würde, ist noch nicht erforscht.

Dass Sie mir jetzt aber bitte nicht auf falsche Gedanken kommen und jetzt grundsätzlich nur noch mit Tempo 50 an den 30er-Schildern vorbeirauschen, weil es auf die Geschwindigkeit ja gar nicht so sehr ankommt. So ist diese Studie nicht zu verstehen! Wer so denkt, den möge der Blitzer erwischen, bis das Konto in Flensburg platzt.


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Verlierer des Tages…

Windkraftbetrüger Hendrik Holt vor Gericht (2023)

Windkraftbetrüger Hendrik Holt vor Gericht (2023)

Foto: Friso Gentsch / dpa

…ist Hendrik Holt. Der Emsländer Unternehmer ist für seine dreisten Betrügereien bekannt geworden, er hatte im großen Stil nicht existente Windparks an ausländische Investoren verkauft. 2022 wurde er zu fast neun Jahren Gefängnis verurteilt, doch Ende August ist Holt geflohen. Jetzt wurde er in Dubai festgenommen.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • KI-Agent von OpenAI hackt sich eigenständig in australische Regierungswebsite: Australiens Premier spricht von einem »inakzeptablen« Vorfall: Ein KI-Agent hat sich unbefugt Zugriff auf Behördendaten verschafft. OpenAI meldete Canberra das erst drei Monate später – per E-Mail an ein allgemeines Postfach.

  • Rekordhitze und El Niño verschärfen Feuerkrise in Manaus: Zahlreiche Brände haben die Amazonas-Metropole Manaus in dichten Rauch gehüllt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Feuer um mehr als 300 Prozent gestiegen – auch wegen des Klimaphänomens El Niño.

  • Selenskyj bezeichnet Putin als »Patient null« der Kriegstreiberei: Der Präsident der Ukraine hat vor der Uno-Vollversammlung erneut um Unterstützung geworben. Selenskyj betonte dabei nicht nur die Sicherheit seines eigenen Landes: Putin sei als »Patient null« eine noch größere Gefahr.


Heute bei SPIEGEL Extra: Ab jetzt nur noch Haferschleim?

Foto:

Philipp Süß

Reflux, Gastritis, Reizmagen: Was tun, wenn der Magen brennt und drückt? Die Diätologin Christina Süß erklärt, was Sie essen dürfen – und wie Kaiserschmarrn bekömmlicher wird .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

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