SPD-Kandidatenduell: Showdown der Sozis - DER SPIEGEL
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SPD-Kandidatenduell Bald fertig

Jetzt gilt es: Die SPD-Mitglieder wählen ihre neuen Vorsitzenden. Beim letzten Duell üben die Kandidaten den Balanceakt. Wenn das Ergebnis knapp ausfällt, droht eine Spaltung der Partei.
SPD-Kandidaten Olaf Scholz, Klara Geywitz, Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans: Duell in Berlin-Mitte
SPD-Kandidaten Olaf Scholz, Klara Geywitz, Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans: Duell in Berlin-Mitte

SPD-Kandidaten Olaf Scholz, Klara Geywitz, Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans: Duell in Berlin-Mitte

Foto: Kay Nietfeld/DPA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kurz vor Schluss geht es dann noch mal ein wenig zur Sache. Norbert Walter-Borjans, der sonst eher bedächtig auftritt, greift an. Die SPD habe in den vergangenen Jahren "zu viele faule Kompromisse gemacht", es dürfe kein Weiter-so geben, die Partei brauche den Neuanfang, sagt er, "und zu einer anderen Politik gehört auch ein anderes Personal".

Das heißt: jemand anderes als Olaf Scholz. Den Finanzminister und Vizekanzler der Großen Koalition.

Dessen Co-Kandidatin Klara Geywitz kontert: Sie lasse es Walter-Borjans nicht durchgehen, dass er Scholz dauernd zum "größten existierenden Problem der SPD" erkläre, ruft Geywitz. Schließlich habe Scholz zweimal Wahlen für die Partei gewonnen und mache "als Vizekanzler einen guten Job".

Die SPD-Mitglieder stehen vor einer Richtungsentscheidung: Wollen sie den aktuellen Kurs fortsetzen? Dafür stehen Scholz/Geywitz, die in der GroKo bleiben wollen. Oder wagen die Genossen etwas anderes? Darauf setzen Walter-Borjans und Saskia Esken. Bei ihnen ist allerdings immer noch unklar, was ihre Wahl für das Bündnis mit der Union wirklich bedeuten würde.

Das monatelange Rennen um den Parteivorsitz geht in die Schlussphase. Nach dem letzten TV-Duell bei Phoenix und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sind nun wieder die 425.630 SPD-Mitglieder am Zug. Bis zum 29. November um 24 Uhr läuft die Stichwahl.

Viele in der Partei rechnen mit einem knappen Ergebnis. Dass ein Team mehr als 60 Prozent der Stimmen auf sich vereint, scheint eher unwahrscheinlich. Und dann? Sollte es den Gewinnern nicht gelingen, die Verlierer einzubinden, droht der Partei die Spaltung. Walter-Borjans und Esken haben die Jusos und wichtige Teile des nordrhein-westfälischen Landesverbands hinter sich. Für Scholz und Geywitz hat sich nahezu das gesamte Parteiestablishment ausgesprochen. Hinter den Kulissen und in den sozialen Netzwerken ist der Ton schärfer geworden. Heckenschützen beider Lager werfen der jeweils anderen Seite vor, die Partei zu zerstören.

Video: Das SPIEGEL-Kandidatenduell

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Scholz und Walter-Borjans bemühen sich am Montagabend wohl auch deshalb immer wieder um versöhnliche Töne. Der Finanzminister tritt deutlich zurückhaltender auf als noch in der vergangenen Woche. Da hatte er seine Konkurrenten immer wieder unterbrochen und ihnen ungewöhnlich scharf widersprochen. Diesmal wählt er wieder die feinere Klinge, etwa wenn er Johannes Rau zitiert und sagt, es gehe darum, "zu versöhnen statt zu spalten".

Es ist ein Satz, den Walter-Borjans in den vergangenen Wochen immer wieder zitiert hat. Er war in den Neunzigerjahren Regierungssprecher unter Rau in Nordrhein-Westfalen.

Auch Walter-Borjans mahnt: Die Sieger müssten auf die Verlierer zugehen. Alle vier dürften "keinen Zweifel zulassen, dass wir das Ergebnis akzeptieren". Am Montag tritt der 67-Jährige souveräner auf als noch in der vergangenen Woche. Da wirkte er von Scholz' Angriffslust überrumpelt.

Monatelanger Selbstfindungsprozess

Deutlich werden die Unterschiede zwischen den beiden Teams wie zuletzt schon häufiger bei Äußerungen der Kandidatinnen. Geywitz verteidigt deutsche Rüstungsexporte, Esken kritisiert, in deutschen Schulen sehe es aus wie in einem armen Land. Zur GroKo-Frage sagt die Bundestagsabgeordnete: Wenn die Union nicht bereit sei, den Koalitionsvertrag nachzuverhandeln, empfehle sie dem Parteitag auszusteigen.

Es hat lange gedauert, bis in das Kandidatenrennen ein wenig Bewegung kam. Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles Anfang Juni steckt die SPD in einem Selbstfindungsprozess. Die Tour mit zunächst 17 Kandidaten und 23 Regionalkonferenzen wirkte manchmal wie eine Therapie. Die Partei versuchte, ihre Traumata aufzuarbeiten.

Ende November steht dann das Ergebnis fest, eine Woche später treffen sich die Genossen zum Parteitag. Dann soll nicht nur die neue Führung gewählt werden. Auch die Halbzeitbilanz der GroKo steht auf dem Programm. Zunächst werden sich die Sozialdemokraten aber genau anschauen, was Ende dieser Woche so passiert: Dann steht nämlich erst mal der Parteitag des Koalitionspartners CDU an.