SPD-Parteitag: Schröders Feldgottesdienst - DER SPIEGEL
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SPD-Parteitag Schröders Feldgottesdienst

Nach der Machtprobe in der Koalition will SPD-Chef Schröder nun auch die eigene Partei auf seinen Kurs einschwören. Doch längst nicht alle sind glücklich mit dem Weg des Kanzlers. Mit leichten Zugeständnissen sollen Kritiker beruhigt werden, damit das Parteitreffen eine "große Umarmungsveranstaltung" werden kann.
Von Markus Deggerich und Harald Schumann
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Nürnberg - Rolltreppe abwärts. Dem Medienkanzler Gerhard Schröder war sein erster inoffizieller Auftritt zum SPD-Parteitag in Nürnberg unangenehm. Zum Begrüßungsempfang am Vorabend der offiziellen Eröffnung des Delegiertentreffens schwebte er die Rolltreppe runter und ahnte schon die Texte zu den Fernsehbildern: Kanzler im Niedergang. Der Abwärtstrend. "Verzeihen Sie die erste Panne, dass ich die Treppe heruntergeführt wurde", versuchte er jovial die Situation aufzufangen.

Wenn es nach Schröder geht, soll es die einzige "Panne" bei dem viertägigen Treffen bleiben. Der Mann will nach ganz oben, und die Partei soll ihn dabei tragen. "Dieser Parteitag ist für meine Partei, mich persönlich und das Land sehr wichtig", kündigte er an.

Schröder will nach der Machtprobe im Bundestag nun auch die eigene Partei auf seinen Kurs einschwören. "Wegweisend" werde seine Rede zur Eröffnung am Montagmittag, streuten am Vorabend seine Berater und machten wichtige Gesichter. Schröder werde nach den innenpolitischen Reformen der ersten drei Jahre nun Deutschlands Stimme im großen Konzert der Weltpolitik Gehör verschaffen. Die Regierungskrise der vergangenen Woche versuchen die SPD-Strategen immer noch allein den Grünen anzuhängen. Erste mahnende Worte kamen bereits wieder vom Generalsekretär Franz Müntefering: Die Grünen, die sich am Wochenende in Rostock versammeln, könnten nicht hinter den Bundestagsbeschluss zur Entsendung deutscher Soldaten zurück.

Aber die SPD-Chefs wissen sehr wohl, dass es auch in der roten Fraktion fast 50 Bedenkenträger gegen die neue außenpolitische Linie gab, die sich erst durch die Vertrauensfrage uneingeschränkt solidarisch mit ihrem Kanzler verhielten. Und an der Basis ist auch nicht jeder glücklich mit dem Staatsmann Schröder, der mit außenpolitischer Stärke den innenpolitischen Sinkflug bei Konjunktur und Arbeitsmarkt überdecken will. Während die Leittiere wie Arbeitsminister Walter Riester jegliche Kritik auf dem Parteitag ausschließen ("Debatte? Worüber?") ahnen Parteiarbeiter wie der Bundesgeschäftsführer Matthias Machnig: "Uns wird nichts erspart bleiben."

Die Spannungen und Unsicherheiten in der Bevölkerung spiegelten sich bisher nur in den Diskussionen der Grünen. Schröder gefiel die Arbeitsteilung nach dem Motto: Wir die Macht, ihr das schlechte Gewissen. Aber auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mahnte: "Wir dürfen nicht nur den militärischen Weg gehen. Genauso wichtig ist die Auseinandersetzung auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller und geistiger Ebene."

Auch die Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Ute Vogt, klagte: "Durch das Gerede über die Koalition ist die Auseinandersetzung über den Bundeswehreinsatz zu kurz gekommen." Sie erwarte in Nürnberg, dass die Volkspartei SPD diese Debatte nachhole.

Doch Streit wollen die SPD-Chefs gerne vermeiden. Um den linken Flügel der Partei zu integrieren, sollen möglichst konkrete Zusagen gemacht werden, was beispielsweise die Aufstockung an Entwicklungshilfe und Geld für humanitäre Aktionen angeht. Das monetäre Placebo soll auch beruhigend auf die Grünen wirken. Denn Schröder will jetzt an dem Bündnis festhalten. In der Partei und der Bundestagsfraktion, warnt Fraktionschef Peter Struck, wäre eine FDP als neuer Partner zurzeit nicht vermittelbar.

Auch die SPD-Linken fühlten sich durch die Vertrauensfrage erpresst, während die Rechten heimlich gehofft hatten, die Grünen dadurch los zu werden. Jetzt will Schröder den großen Versöhner geben, der zugleich als starker Anführer die SPD durch die turbulente Weltpolitik geleitet: Aus den Mühen der innenpolitischen Ebene auf den Feldherrenhügel.

Klaus Wowereit aus Berlin ahnt, der Parteitag werde "eine große Umarmungsveranstaltung". Ein anderer SPD-Stratege brachte es in Zeiten des Krieges auf die Formel: "Nürnberg wird Schröders Feldgottesdienst."

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