Heizungsgesetz von Katherina Reiche: Studie, Grüne und BUND kritisieren Gas-Pläne - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Entwurf von Katherina Reiche Regierungsfraktionen wollen Änderungen an neuem Heizungsgesetz – Umweltschützer sprechen von Mogelpackung

Union und SPD wollen ihr Heizungsgesetz anpassen und Gasheizungen länger laufen lassen. Grüne und Umweltschützer kritisieren die Pläne. Eine neue Studie sieht das Gasnetz unterdessen »spätestens« 2045 am Ende.
Ausrangierte Heizkörper in einem Innenhof
Ausrangierte Heizkörper in einem Innenhof

Ausrangierte Heizkörper in einem Innenhof

Foto:

Daniel Karmann/ dpa

Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD wollen beim geplanten Heizungsgesetz nachbessern. Unter anderem soll noch in diesem Jahr ein weiteres Gesetz verabschiedet werden, das eine vollständige Umstellung auf alternative Brennstoffe für Öl- und Gasheizungen bis 2045 vorsieht. Das geht aus einem Änderungsantrag der beiden Bundestagsfraktionen zum sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetz hervor, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, das sogenannte Heizungsgesetz aus der Zeit der Ampelregierung weitgehend zurückzudrehen. Der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen soll so langfristig möglich bleiben. Als Ausgleich sollen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen ab 2029 zu steigenden Anteilen mit Biogas oder Bioöl betrieben werden. Um Heizungen im Bestand klimafreundlicher zu betreiben, sollen die Brennstoffhändler zudem zunehmend biogene Stoffe beimischen.

Klimakrise

Lesen Sie mehr über die neuesten Entwicklungen, Hintergründe und spannenden Lösungsansätze in unserem Themenspezial.

Für diese schrittweise Umstellung, genannt Biotreppe, sind im Entwurf von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Zielwerte bis 2040 vorgesehen. Laut Änderungsanträgen soll dem hinzugefügt werden, dass die Bundesregierung im Dezember 2026 ein weiteres Gesetz einführt, das die Inverkehrbringer von Gas, Öl und Flüssiggas verpflichtet, »die zur Wärmeversorgung von Gebäuden in Verkehr zu bringenden Brennstoffe ab dem Jahr 2045 vollständig auf klimaneutrale Brennstoffe umzustellen«.

Reiches Gebäudemodernisierungsgesetz war im Juni erstmals im Bundestag beraten worden. Die Regierungsfraktionen legten nun ihre Änderungen vor, über die bald abgestimmt werden soll.

Umweltschützer sprechen von Mogelpackung

Die Grünen hatten wegen des abgeschwächten Klimaschutzes bereits eine Verfassungsklage gegen das Gesetz angekündigt. Die nun vorgeschlagene Änderung halten sie nicht für ausreichend. »Statt die katastrophalen Auswirkungen von Reiches Heizungsgesetz auf das Klima zu ändern, schreibt die Koalition nur rein, dass ein anderes Gesetz zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht den Klimaschutz wiederherstellen soll«, erklärte Grünenfraktionsvize Julia Verlinden. »Das führt zu massiver Planungs- und Rechtsunsicherheit für Unternehmen, Mieterinnen und Vermieter.«

Auch Umweltschützer halten ihre Kritik an der Abschaffung der Vorgaben für neue Heizungen aufrecht. Biobrennstoffe als Ersatz seien eine »Mogelpackung«, erklärte Irmela Benz Colaço, Expertin für Gebäude- und Wohnpolitik beim BUND. »Solche Brennstoffe sind nicht klimaneutral, und sie werden nicht annähernd in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.«

Studie sieht Gasnetz »spätestens« 2045 am Ende

Skepsis an den Plänen weckt auch eine am Montag veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts. Ihr zufolge hat das Gasversorgungsnetz in Deutschland trotz aller politischen Versprechen keine Zukunft. Die Energieversorger dürften »unter realistischen Bedingungen spätestens 2045 keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können«, erklärten die Experten. Die Gasnetze würden deshalb »aller Wahrscheinlichkeit nach« bis dahin stillgelegt.

»Der Umstieg auf Biogas funktioniert nicht, weil ein Großteil der Haushalte zu Wärmepumpen oder Wärmenetzen wechselt«, führen die Studienautoren aus. »Denn wenn Gasnetzbetreiber nicht mehr genug Kund:innen haben, können sie ihre Netze nicht wirtschaftlich weiterbetreiben. Dadurch steigt der Gaspreis für die verbleibenden Haushalte.«

jpe/AFP