Schweigekloster: »Das Schweigen ist die Basis unseres Lebens« - DER SPIEGEL
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Stille »Das Schweigen ist die Basis unseres Lebens«

Ursula Hertewich lebt als Ordensschwester im Kloster Arenberg.
• aus SPIEGEL Wissen 1/2024
Foto: Arnaud Mooij / iStockphoto / Getty Images

SPIEGEL: Was mögen Sie an der Stille?

Hertewich: Mich ordnet die Stille. Ich arbeite beruflich in der Seelsorge und höre den ganzen Tag die Lebensgeschichten von Menschen und rede mit ihnen. Die Stille ist darum für mich der Raum, in dem ich nicht funktionieren muss und nichts machen muss. Ich fühle mich in diesem Raum mit mir verbunden. Und natürlich auch mit Gott.

SPIEGEL WISSEN 1/2024

Worte, Mimik, Gestik – wir kommunizieren immerzu. Nicht alles ist uns bewusst. Erfahren Sie in dieser Ausgabe, wie Sie andere besser verstehen und besser verstanden werden!

SPIEGEL: Welche Rolle spielt das Schweigen in Ihrem Kloster-Alltag?

Hertewich: Das Schweigen ist die Basis unseres Lebens dort. Im Konvent, in dem wir Ordensschwestern leben, schweigen wir grundsätzlich. Und dann haben wir bei uns im Kloster noch ein Gästehaus.

SPIEGEL: Wer kommt zu Ihnen auf der Suche nach Stille?

Hertewich: Das ist schwierig zu beantworten, weil die Menschen alle so unterschiedlich sind. Bei uns war schon ein Großvater, der im Kontakt mit seinen Enkeln gemerkt hat, dass er so hart geworden ist und der herausfinden wollte, woher diese Härte kommt. Aber gerade in letzter Zeit kommen auch sehr viele junge Menschen, denen alles zu laut und zu schnell geworden ist. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es zu wenig Stille in unserer Welt gibt.

SPIEGEL: Einmal im Jahr schweigen Sie für zehn Tage. Welches ist nach so einer langen Zeit das erste Wort?

Hertewich: Ganz oft lachen wir uns tot. Denn auch wenn wir nicht miteinander sprechen, kommunizieren wir ja ganz viel. Mit Blicken oder Gesten. Wenn man zehn Tage miteinander schweigt, hat man deshalb auch das Gefühl, sich sehr gut zu kennen, ohne dass man ein Wort miteinander gewechselt hat. Und dabei passieren auch lustige Dinge. Die besprechen wir dann. Die Gespräche nach dem Schweigen haben oft eine ganz besondere Qualität. Das ist wie beim Fastenbrechen. Wenn man eine Weile nichts gegessen hat, schmeckt der erste Apfeltee ja auch besonders intensiv und gut.

SPIEGEL: Finden Sie Stille auch manchmal unangenehm?

Hertewich: Natürlich. Und ich glaube, das geht jedem Menschen so. Wenn man zehn Tage schweigt, dann sind die ersten beiden Tage oft ganz einfach und schön. Und dann wird es plötzlich schwierig, weil Themen hochkommen, die man nicht zur Seite schieben kann. Da ist zum Beispiel oft ganz viel Einsamkeit dabei. Und dann gibt es auch die Situation, dass mir etwas Schönes bei der Arbeit passiert ist, und ich am liebsten sofort davon erzählen würde, aber es eben noch nicht kann. Das Schöne und das Schwierige – beides wiegt schwerer im Schweigen.

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