Bei kühlem Nieselwetter begrüßte Friedrich Merz seinen Gast Luiz Inácio Lula da Silva am Montag in Hannover, später ließen sich der deutsche Kanzler und der brasilianische Präsident beim Verzehr deutscher Wurstwaren fotografieren. Für die brasilianische Stadt Belém meldete der Wetterbericht für denselben Tag Temperaturen von über 30 Grad. Zu den Spezialitäten der Region zählt geschmorte Ente in einer Soße aus Tucupi mit Jambu. Es ist nicht bekannt, ob Lula nach seiner Abreise aus Deutschland öffentlich zum Besten gegeben hat, er lebe in einem der schönsten Länder der Welt, alle in seiner Delegation seien nun »froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, wieder nach Brasilien zurückgekehrt sind« – doch warum sollte er? So instinktlos würde ein weltgewandter Staatsmann nie daherreden. kuz
Schon 1883 hatte der deutsche Erfinder Paul Nipkow den Geistesblitz, vermittels einer spiralförmig gelochten Scheibe ein Bild »mosaikartig in Punkte und Zeilen« zu zerlegen, um der »elektrischen Wiedergabe leuchtender Objekte« den Weg zu bereiten. Mit dem altertümlichen »Ferntonkino« früher Tage der Television haben heutige TV-Geräte kaum noch etwas gemein. Hochauflösende Flachbildschirme können mit ihren bis zu 33 Millionen Bildpunkten schärfer sein als die Realität selbst – was angesichts unserer Realität womöglich ein zweischneidiger Fortschritt ist. Sieben Privatpersonen hatten mit dem Argument gegen den Rundfunkbeitrag geklagt, das Programm der Öffentlich-Rechtlichen sei ihnen zu einseitig »links« und »progressiv« – und der Beitrag deshalb verfassungswidrig. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat offenbar tief in die Röhre geschaut und die Berufungen nun abgewiesen. Evidente und regelmäßige Defizite hinsichtlich der Vielfalt und Ausgewogenheit des Programms seien nicht feststellbar. Über die Qualität der »mosaikartig in Punkte und Zeilen« zerlegten Wirklichkeit ist damit noch kein letztgültiges Urteil gesprochen. fra
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Die Bürger einiger Städte in Nordrhein-Westfalen haben am Wochenende für Olympische Spiele in ihrer Region gestimmt. Da die Spiele viel am Leben in den Städten verändern, ist Bürgerbeteiligung hier genau richtig.
Schlecht: Die Reformgespräche der Bundesregierung verlaufen leider so, wie sie nicht laufen sollen: Die Parteien schimpfen und grollen, reden von »Blockaden« (CDU) und drohen »erbitterten Widerstand« an (SPD). Das behindert die Suche nach guten Lösungen für die Probleme des Landes.
Aufgezeichnet
Verhandlungen zwischen Iran und USA
Cartoonisten werden abgehängt. Welttempo überholt Zeichentempo.
Um zwanzig nach vier, so die Legende, sollen sich in den Siebzigern regelmäßig kalifornische Schüler getroffen haben, um gemeinsam Gras zu rauchen. Seitdem gilt 420, gesprochen: four-twenty, als Codewort für die Marihuana-Kultur. Schaden und Nutzen werden bis heute gegeneinander abgewogen. Jüngst überraschte der Rückgang der Straftaten in der Kriminalstatistik 2025: Die Teillegalisierung von Cannabis hatte für bessere Zahlen gesorgt. DED
Landauf, landab
Klassenkasse: Mehr als 205 Milliarden Euro waren in den Plänen der öffentlichen Haushalte im vergangenen Jahr für Bildung vorgesehen: für Kitas und Schulen, Berufsbildung und Hochschulen, für Gehälter von Erziehern, Lehrkräften, Professorinnen. Den Löwenanteil sollten die Länder und Kommunen beisteuern, knapp 194 Milliarden Euro. Wie viel den Bundesländern die einzelne Schülerin oder der einzelne Schüler wert ist, unterscheidet sich dabei erheblich. Berlin gab 2024 nach vorläufigen Zahlen pro Schulkind 13.700 Euro aus, Hamburg 13.200 Euro. Deutlich sparsamer waren NRW und Rheinland-Pfalz mit je 9500 Euro pro Schüler sowie Sachsen-Anhalt mit 9100 Euro. him
Als wollte er sich zärtlich das Kinn streicheln: In Angola genießt Papst Leo XIV. den Jubel des Kirchenvolks. Weit weg ist in diesem Augenblick US-Präsident Donald Trump, der ihn als »schrecklich« und »schwach« attackiert hat. Zehn Tage lang reist Leo durch Afrika, Streit mit Trump steht eigentlich nicht auf dem Programm. Mit seinem Papamobil rollt Leo zur »Mamã Muxima«, einer Marienwallfahrtskirche, die an den Sklavenhandel Richtung Amerika erinnert. »Die Liebe muss triumphieren, nicht der Krieg!«, sagt er dem Publikum in Angola – und vielleicht auch dem im Weißen Haus. hor
Nachdem Apple mit seinen Notebooks lange nur Premiumkunden angesprochen hat, will der Konzern mit dem MacBook Neo jetzt auch preissensiblere Menschen erreichen. Es kostet ab 699 Euro, etwas mehr als die Hälfte der günstigsten Version des aktuellen MacBook Air. Ein kluger Kniff findet sich in der Hardware, für die John Ternus verantwortlich ist, der – wie diese Woche bekannt wurde – Tim Cook im September auf dem Chefposten ablösen soll. Um den günstigen Preis zu erreichen, werde der Mobilrechner mit einem iPhone-Chip bestückt, erklärt Apple. Tatsächlich ist der Chip im MacBook Neo ein Überbleibsel aus der iPhone-Produktion . So zeigt der künftige CEO, dass er beides kann: coole Produkte entwickeln und die Lieferkette optimieren. Jetzt muss er noch Apples KI-Probleme lösen. mak
Millionen Passagiere sollen künftig pro Jahr im neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens abgefertigt werden können. Der Terminal allein wäre damit auf Platz fünf der größten deutschen Flughäfen.
Mehr als 750.000 Tulpen stehen Anfang dieser Woche auf den Tulleys Tulip Fields bei St Albans in der südenglischen Grafschaft Hertfordshire in voller Blüte. Das Blumenmeer zeigt nur einen kleinen Ausschnitt einer gewaltigen Vielfalt: Durch Züchtungen sind aus Wildarten der Gattung Tulipa, so lautet der botanische Name, im Laufe der Zeit Tausende sogenannte Sorten hervorgegangen. Es gibt die Liliengewächse in allen denkbaren Farben, außer Blau; sie sind mehrfarbig oder haben ausgefranste Blütenblätter. Einige Arten der Wildtulpe allerdings, Vorläufer der beliebten Zierpflanzen, sind vom Aussterben bedroht. jko
Mäuse wurden 2024 in Deutschland in Tierversuchen eingesetzt, rund 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahlen sind bei fast allen Labortieren rückläufig, am stärksten bei Primaten (minus 34 Prozent) und Ratten (minus 21). Mäuse sind die mit Abstand größte Gruppe von Versuchstieren. Ihr Anteil beträgt 77 Prozent, der von Primaten 0,1 Prozent: 1146 Tiere.
Swamp Soccer, auch Schlammfußball genannt, stammt aus Finnland und ist nichts für Schönwetterkicker. Fußballerische Fähigkeiten helfen, entscheidend sind aber Ausdauer und Standfestigkeit auch in tiefem Morast. Im Sommer kämpfen im finnischen Hyrynsalmi wieder Mannschaften aus aller Welt um den WM-Titel, den sich vor drei Jahren ein Team aus Brandenburg sicherte. Gespielt wird auf überfluteten Ackerflächen im Fünf-gegen-fünf: Ziel ist es wie im Fußball, den gegnerischen Torwart zu überwinden. luc
Cartoonisten werden abgehängt. Welttempo überholt Zeichentempo.
Julian Fiebach / DER SPIEGEL
Foto: Alberto Pizzoli / REUTERS
MacBook Neo
Foto: Ted Shaffrey / AP
Foto: Tolga Akmen / EPA
Foto: China Daily / REUTERS
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