Was den Passagieren und der Besatzung des Kreuzfahrtschiffs »Hondius« widerfährt, klingt wie der Plot eines Horrorfilms: Auf hoher See ist das hochgefährliche Andes-Virus aufgetreten. Ein Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland sind bisher daran gestorben, drei Menschen mit Verdacht auf Ansteckung wurden am Mittwoch vor den Kapverdischen Inseln evakuiert. Die an Bord Verbliebenen stehen unter Beobachtung, das Schiff soll nun die Kanaren anlaufen. Ginge es weiter wie im Kino, würde sich das Virus von dort aus weiter über Europa ausbreiten – tatsächlich jedoch geht die Weltgesundheitsorganisation WHO von einem niedrigen öffentlichen Gesundheitsrisiko aus. Das zur Gruppe der Hantaviren zählende Andes-Virus kann zwar von Mensch zu Mensch übertragen werden, das aber nur bei längerem, engen Kontakt. kuz
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Die schwarz-rote Koalition hat trotz aller Schwierigkeiten ihr erstes Jahr überstanden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber die Parteien der Mitte beweisen damit in diesen Zeiten, dass sie grundsätzlich kompromiss- und handlungsfähig sind.
Schlecht: Die Art, wie die Koalitionspartner miteinander umgehen, dürfte das Vertrauen in die demokratischen Parteien weiter erodieren lassen. Zugleich schwindet die Zeit, um vor den Landtagswahlen im September Reformen auf den Weg zu bringen.
Hieroglyphe unserer Zeit
Foto:
Sean Kilpatrick / ZUMA Press / IMAGO
Seit 2022 soll die Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) die Koordination zwischen EU-Staaten und weiteren Ländern erleichtern. So unverbindlich wie die politische Plattform ist auch ihr Logo, es variiert von Gipfeltreffen zu Gipfeltreffen. Bei der kürzlichen Tagung in Armenien präsentierte sich das Symbol als Verschränkung zweier Ringe in unterschiedlichen Farben. Die einzige Konstante scheint der Wechsel zu sein. Es ist ein Wappen der Unverbindlichkeit. fra
Aufgezeichnet
Merz
Merz erklärt verunglücktem Wanderer im Sauerland, warum er sich aus eigener Anstrengung selbst hochziehen muss.
Leonard Riegel / DER SPIEGEL
Gegenstand der Politik
Foto:
Bluegreen Pictures / IMAGO
Der Peilsender
Mithilfe von Peilsendern wurden schon Ehebrecher enttarnt, gestohlene Fahrräder aufgespürt und Wölfe verfolgt. Jüngst befestigten Menschen wohl einen Tracker an einem freizulassenden Buckelwal, der vor der deutschen Küste gestrandet war. Die Politik, die sich mittels Sendern und Satelliten daran gewöhnt hat, sogar live Kriege mitzuerleben, wollte nun die Position eines Wals wissen. Der hatte zuvor so lange auf Sandbänken festgesessen, dass sich die Vorstellung aufdrängte, da draußen läge metaphorisch die Bundesrepublik: grau und gelähmt, aber noch nicht tot. Bei aller Kraft nicht in der Lage, sich selbst zu befreien. Der Wal wurde schwächer, der Streit um seine Rettung immer ärger. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ließ zu, dass private Helfer die Rettung des Tiers veranlassten – wollte dafür aber Informationen von ihnen über seine weitere Route in der Nordsee. Bis Dienstagnachmittag verlangte Backhaus zuletzt die Herausgabe der Tracker-Daten. Doch das Ultimatum verstrich. Ein Verdacht: Der Sender ist defekt. Fort ist der Wal nun tatsächlich. Die Daten hätten Backhaus wenigstens noch eine Illusion politischer Kontrolle verliehen. ded
Landauf, landab
Zahltag: Vor etwa zwei Wochen sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Veranstaltung des Deutschen Bankenverbands, die gesetzliche Rente könne künftig »allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter«. Prompt entbrannte eine Debatte über die Altersvorsorge in Deutschland. Der Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung zeigt den Status quo (jüngste Zahlen von 2024): Im bundesweiten Schnitt kassierten Ruheständler nach mindestens 35 Versicherungsjahren etwa 1700 Euro gesetzliche Rente brutto pro Monat. Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich. Im Saarland sind es mehr als 1800 Euro brutto, in Thüringen nur 1572 Euro. flk
Sorgfältig geschminkt strömen Tausende trans Frauen Ende April in das indische Koovagam. Thilothama, die hier mit Jungen aus dem Dorf posiert, erlebt an diesem Ort Zugehörigkeit statt Ausgrenzung. Trans Menschen werden in Indien oft diskriminiert, gerade wurden ihre Rechte eingeschränkt. Doch in Koovagam feiern sie, halten Schönheitswettbewerbe und religiöse Rituale ab. Höhepunkt ist die symbolische Vermählung mit dem in der Community verehrten mythischen Prinzen Aravan. Für den soll ein Gott in einem Akt der Liebe das Geschlecht gewechselt haben. kgp
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Karte haben wir uns bei einigen Staaten des östlichen Europa und Zentralasiens, die teilweise im 20. Jahrhundert sozialistischen Föderationen angehörten, an dem Jahr orientiert, an dem das Frauenwahlrecht nach der formellen Unabhängigkeit der heutigen Staaten bestätigt wurde. Diese Maßgabe kann für die Frage, ab wann Frauen in den entsprechenden Gebieten wählen durften, irreführend sein. Wir haben dies angepasst.
Dieser Sommer wird nach Pizza riechen statt nach Nackensteak. Pizzaöfen liegen im Trend, im Freien mit Holz oder Gas betrieben, in der Küche zumeist elektrisch. Bei bis zu 500 Grad Celsius wird die Pizza binnen 90 Sekunden fluffig und kross. Vorher allerdings ist Muße empfohlen. Denn was nützt der teuerste Ofen, wenn er achtlos mit Fertigware befüllt wird? Die neapolitanische Pizza mit schönen braun-schwarzen Blasen am Rand für das perfekte Foodporn-Foto verlangt nach Liebe. Also spezielles Pizzamehl besorgen, den Teig mit den Händen geschmeidig walken und in Kugeln geformt stundenlang ruhen lassen. Beim Warten ließe sich dann zum Beispiel die Kreditkartenabrechnung studieren. Zwischen 200 und 800 Euro kostet ein guter Pizzaofen, gemauert im Garten ist man schnell bei 2000 Euro. mad
Nachgezählt
31
Jahre ist es her, dass die Deutsche Post AG neben Telekom und Postbank als eines der Nachfolgeunternehmen der Bundespost entstand. Der Konzernname ist bald Geschichte. Die Post heißt ab September DHL AG.
Ein kurzer Schlaf mitten am Tag kann die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen und Menschen helfen, produktiver zu werden. Ob auch die Teilnehmer des »Power-Nap-Contest« in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erfrischt und mit Tatkraft erwachten, darf allerdings bezweifelt werden: Der Nickerchen-Wettbewerb erstreckte sich über 90 Minuten – und in einer so langen Zeitspanne driften die meisten Menschen in tiefere Schlafstadien ab. Wer daraus aufgeweckt wird, fühlt sich mitunter müder als vorher. Gewonnen hat den Contest ein über 80-Jähriger: Gemessen wurde das anhand des Ruhepulses, der hier als Indikator eines tiefen friedlichen Schlafs verwendet wurde. gui
Prozent aller in Deutschland arbeitenden Ärzte und Ärztinnen sind 60 Jahre oder älter. Zum Ende des vergangenen Jahres waren 60.826 zwischen 60 und 65 Jahre alt – und 43.444 noch älter. Vor allem unter Hausärzten ist der Durchschnitt hoch: Fast jeder Fünfte von ihnen ist über 65.
Schaukeln, das kennt jeder aus der Kindheit. Aber so, wie es vor allem in Estland als Kiiking betrieben wird – das ist schon eine ganz andere Nummer. Extremschaukeln, so könnte man es nennen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Kiiking schwingen immer heftiger, bis sie im Bestfall die 360-Grad-Drehung schaffen und für einen Moment kopfüber in der Luft stehen. Zur Sicherheit sind Hände und Füße an der Schaukel festgebunden, um schwere Stürze zu verhindern. aha
Merz erklärt verunglücktem Wanderer im Sauerland, warum er sich aus eigener Anstrengung selbst hochziehen muss.
Leonard Riegel / DER SPIEGEL
Foto:
Bluegreen Pictures / IMAGO
Foto: R. Satish Babu / AFP
Pizzaofen
Foto: pond5 images / IMAGO
Foto: Kim Soo-hyeon / REUTERS
Foto:
Kristjan Teedema / Scanpix / IMAGO
Mehrfachnutzung erkannt
Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt.
Sie können SPIEGEL+ auf diesem Gerät weiterlesen oder sich , um Ihr Abo auf einem anderen Gerät zu nutzen.