Mit dem Gleichmut einer Unerschütterlichen nahm die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette am Mittwoch in einer zum Gerichtssaal umgebauten Reithalle das Urteil des Landgerichts in Verden entgegen: 13 Jahre Haft wegen besonders schweren Raubs in sechs Fällen, besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie Verstößen gegen Waffengesetze. Nach Überzeugung des Gerichts hat Klette mit zwei Komplizen von 1999 bis 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte zur Finanzierung ihres Lebens im Untergrund überfallen. Zuschauer im Saal riefen nach »Freiheit für Daniela!«, ihnen winkte Klette lächelnd zu, als wäre sie gerade nicht etwa verurteilt worden, sondern habe eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk entgegengenommen. Gegen das Urteil legte sie Revision ein. kuz
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen fordert mehr Befugnisse für seine Behörde, um »operativer« zu arbeiten. Das ist zweischneidig und muss genau abgewogen werden – aber die Demokratie braucht in diesen Zeiten entschlossene Verteidiger. Also ein Plus.
Schlecht: Schon nach einem Jahr im Amt wird in Medien und der CDU über eine Ablösung von Kanzler Friedrich Merz spekuliert. Trotz aller Fehler und mieser Umfragewerte – demokratische Politik darf nicht atemlos werden. Sie braucht Zeit.
Es ist auch eine Frage des Zeitgeists, auf welche Art eine Generation ihre Gesundheit ruiniert: Die einen trinken Alkohol und erklären das mit Brauchtum, jahrzehntelang galt Rauchen als cool und nicht als tödlich, und »Leistungsträger« koksen, bis das in den Flüssen ihrer Städte nachweisbar ist. Auf deutschen Schulhöfen kursiert zurzeit ein altbekanntes Nervengift in Beuteln: Nikotin in sogenannten »Pouches«. Die sind nicht legal zu kaufen, aber im Internet zu beziehen. Unter die Oberlippe geschoben geben sie über die Zeit die Droge ab, die über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. In Deutschland wird davor gewarnt, denn Nikotin ist ein schleichendes Gift, das abhängig macht und langfristig Schäden verursacht. In Amerika kommt nun noch das schleichende Gift der Desinformation hinzu: Influencer der regierungsnahen Maha-Bewegung (Make America Healthy Again) bewerben Nikotin als leistungsfördernde Substanz und die Beutel als eine »gesunde« Alternative zum Rauchen. Die Gefahren bleiben ungenannt. Ein Verbot von Mentholzigaretten, das Ex-Präsident Biden angestrebt hatte, wurde nicht umgesetzt. Nikotin als Gift verschwindet so aus der Wahrnehmung. In den USA ist das gerade politisch gewollt. ded
Hieroglyphe unserer Zeit
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Ahdi Agus Oktaviana / Griffith University / dpa
Dem Siegeszug künstlicher Intelligenz setzt natürliches Unbehagen neuerdings einen Wildwuchs von Symbolen entgegen. Noch hat sich keiner der vielen Entwürfe als Standard etabliert, Produkte rein menschlicher Schaffenskraft mit einem entsprechenden Gütesiegel zu kennzeichnen. Logisches Zeichen aber wäre die Hand, wie sie vor rund 67.800 Jahren an der Wand einer indonesischen Kalksteinhöhle hinterlassen wurde – als frühestes uns bekanntes Höhlenkunstwerk überhaupt. fra
Aufgezeichnet
Verzicht auf zwölf sexistische Lieder bei der Erlanger Kirchweih
»Das … hicks … hier is unssssere Kultur … Das nimmt unsss niemanddd weg!«
Teurer Lebensabend: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Pflegeversicherung reformieren, ein Heimplatz könnte für Pflegebedürftige damit teurer werden. Günstig ist er schon heute nirgends, doch die regionalen Unterschiede sind enorm: In Bremen zahlte man 2025 im Schnitt fast 1000 Euro mehr Eigenanteil pro Monat als in Sachsen-Anhalt. Darin enthalten sind Kosten für Pflege, Investitionen, Unterkunft und Verpflegung, unterschiedlich hohe Löhne und Mieten haben daher einen großen Einfluss. Je länger man im Heim wohnt, desto höher werden die Zuschüsse der Pflegekassen. Mit der Reform könnten Betroffene bald länger höhere Eigenanteile bezahlen. bbr
Ärzte und Pfleger werden desinfiziert, nachdem sie den Ebola-Isolationstrakt einer Klinik im Osten des Kongo verlassen. Mehr als 200 Tote könnten dem Virus bei dem aktuellen Ausbruch bereits zum Opfer gefallen sein. Experten warnen, dass die Epidemie die gleichen Dimensionen annehmen könnte wie in Westafrika ab dem Jahr 2014, als über 11.000 Menschen starben. Denn nicht nur wurde die Seuche lange nicht erkannt, da es sich um eine seltene Art des Virus handelt. Es gibt zudem für die sich nun ausbreitende Spezies keinen zugelassenen Impfstoff.
Im Grunde kann man sich den Thermomix als beheizbaren Topf vorstellen, in den eine Mixereinheit oder ein Rührwerk integriert werden kann. Das ideale Gerät, um chipgesteuert Mayonnaise, Suppen oder Teige herzustellen – zum stolzen Kaufpreis von 1500 Euro. Der Hype um die Küchenallzweckwaffe, die man auch in Kochsendungen in nahezu jeder Sterneküche sieht, ist ungebrochen. Der Erfinder und Marktführer Vorwerk hat seit der Einführung seines neuesten Modells TM7 vor einem Jahr allein davon über eine Million verkauft; mehr als die Hälfte im Ausland bis nach Vietnam. Allein mit seinen Kochfunktionen lässt sich der Erfolg nicht erklären, das Gerät ist längst ein Lifestyle- und Designobjekt geworden. mad
Prozent der Frauen in Deutschland arbeiteten 2025 in Teilzeit. Bei den Männern waren es 14,3 Prozent. Insgesamt lag die Teilzeitquote aller Beschäftigten bei 31,9 Prozent, ein neuer Spitzenwert.
Mit einer Bürste kämmt ein Pfleger dem Wasserbüffel »Donald Trump« das helle Haar. Das Tier wurde von seinen Besitzern wegen seiner Frisur nach dem US-Präsidenten benannt und ist in seiner Heimat Bangladesch ein Internetstar. Der Albinobüffel besitzt wahrscheinlich eine Genmutation, durch die sein Körper kein Melanin produziert. Fell, Haaren und Horn fehlt der körpereigene Farbstoff. Trotz seiner Prominenz wurde der Bulle bereits verkauft: Er soll zum islamischen Opferfest Eid al-Adha, das Ende Mai stattfindet, geschlachtet werden.
Prozent der Menschen ab 15 Jahren haben 2025 in Deutschland zumindest gelegentlich geraucht. Der Anteil bei den Männern lag mit 22,5 Prozent deutlich höher als bei den Frauen mit 15,8 Prozent. Knapp 80 Prozent rauchten vor allem Zigaretten, der Rest konsumierte zu einem großen Teil E-Zigaretten.
Je bunter, desto besser, das ist der Color Run. Bei diesem Fünf-Kilometer-Lauf geht es nicht um Bestzeiten. Die Teilnehmer werden unterwegs mit Farbpulver beworfen. Das Ziel: Spaß haben und möglichst bunt ins Ziel kommen. Inspiriert ist der Lauf vom indischen Frühlingsfest Holi, auch Fest der Farben genannt. Seit der Premiere 2012 in Arizona hat sich der Color Run weltweit verbreitet, auch in Deutschland gibt es Veranstaltungen. Mitmachen kann jeder, der bereit ist, ein weißes T-Shirt zu opfern. Oder eine gute Waschmaschine besitzt. jan
»Das … hicks … hier is unssssere Kultur … Das nimmt unsss niemanddd weg!«
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
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Sefa Karacan / Anadolu / AFP
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