Das Bild dieses Trios erzählt die ganze Geschichte der jüngsten Nato-Tagung in Ankara: rechts die machtbewusste Genugtuung des Gastgebers Recep Tayyip Erdoğan, der für die Bündnispartner so wichtig ist, dass niemand mehr wagt, ihn für Korruption und Unterdrückung zu kritisieren. Links die Unterwürfigkeit des Nato-Generalsekretärs Mark Rutte, verzweifelt um herzliche Verbundenheit bemüht. Und in der Mitte die üble Laune des US-Präsidenten, zum Handschlag augenscheinlich weniger bereit als genötigt. Vorher beschimpfte Donald Trump Spanien wegen dessen Weigerung, ihn bei seinem Irankrieg zu unterstützen – und drohte, alle Handelsbeziehungen abzubrechen. Madrid reagierte mit einer treffenden Beschreibung des seltsamen Zustands unserer Welt: Trumps Anwürfe seien »business as usual«. kuz
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Die rechtsextreme Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN), zu der die AfD gehört, könnte ihren Anspruch auf Fördermittel verlieren. Das EU-Parlament hat dazu ein Verfahren auf den Weg gebracht. Die Demokratie muss ihre Feinde nicht noch finanzieren.
Schlecht: Linke Demonstranten gegen den AfD-Parteitag haben Medienschaffende aus dem rechten Spektrum tätlich angegriffen. Mindestens einer war offenbar klar als solcher zu erkennen. Für Demokraten muss das indiskutabel bleiben.
Gegenstand der Politik
Foto: Valdrin Xhemaj / REUTERS
Der Flamingo
Sie heißt jetzt schon »Flamingo-Revolution«, obwohl bislang noch niemand gestürzt worden ist: Seit Anfang Juni recken Demonstranten in dem albanischen Küstendorf Zvërnec und der Hauptstadt Tirana aus Pappe ausgeschnittene Flamingos in die Höhe. Ein Vogel, so schützenswert wie das Selbstbestimmungsrecht der Albaner. Der rosa Flamingo ist das Erkennungszeichen der Demonstranten geworden, die zuerst gegen ein Projekt des Trump-Schwiegersohns Jared Kushner protestierten, der ein Mega-Luxusresort mit bis zu 10.000 Hotelzimmern in Albanien bauen will. Ausgerechnet in einem bislang geschützten Flamingo-Habitat, an einer Lagune und auf einer Insel. Ein weiteres Beispiel für den Blick der Familie Trump auf die restliche Welt: Alles ist ihre Beute. Mittlerweile richtet sich die Wut der Leute auch gegen die eigene Regierung. Die hatte den Projektentwicklern den Status von »strategischen Investoren« zuerkannt, wodurch in der Bauphase Steuern erlassen werden. Außerdem will der albanische Staat die Infrastruktur für das Luxusprojekt stellen. In Tirana wurden bereits Wasserwerfer eingesetzt und Demonstranten festgenommen. Doch die Proteste halten an. Flamingos können erstaunlich lange auf einem Bein stehen. ded
Aufgezeichnet
Krankschreibung ab Tag eins
Kommt das selbstfahrende Bett?
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
Hieroglyphe unserer Zeit
Foto:
Michael Weber / IMAGO
Wenn ein Schiedsrichter beim Fußball die Umrisse eines Monitors in die Luft zeichnet, schaut er sich anschließend eine strittige Szene auf Hinweis des Video-Assistenten (VAR) an. Der hilft bei der Überprüfung von Fouls oder Toren. Auch Spieler oder Trainer sieht man immer wieder mit zackig ausgeführter VAR-Geste eine Nachkontrolle verlangen. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis auch die ersten Straßenverkehrsteilnehmer die VAR-Geste anwenden. acl
Hin und her: Wer in Deutschland umzieht, muss sich innerhalb von zwei Wochen ummelden. 2025 registrierten die Meldebehörden knapp eine Million Wanderungen über die Bundeslandgrenzen hinweg. In sechs Ländern meldeten sich mehr Menschen an als ab. Das größte Plus verbuchte Brandenburg mit 9044 mehr Zu- als Fortzügen. Das größte Minus gab es in Berlin, dort zogen 12.486 mehr Menschen weg, womöglich teils ins brandenburgische Umland. Zwei Schwächen hat die Statistik: Wenn sich jemand mehrfach an- oder abmeldet, wird er oder sie mehrfach registriert. Zudem werden Fortzüge weniger zuverlässig erfasst, da sich Menschen, die ins Ausland ziehen, nicht immer . kfr
Sie schweißen und lackieren am Bauch eines großen Schiffes: Im Südwesten Bangladeschs sind mehrere Frauen und ein Mann damit beschäftigt, einen Frachter zu reparieren. Die Arbeiten verlangen ihnen körperlich viel ab, die Löhne sind gering, das Klima stets feuchtheiß. Dennoch sind die Werften von Khulna am Fluss Rupsha wichtige Arbeitgeber in der Region, und der Binnenschifffahrtssektor entscheidend für die Wirtschaft in dem mehrheitlich muslimischen Bangladesch, das unter den Folgen des Irankriegs und einer hohen Inflation leidet. mst
Die sozialen Medien sind nicht mehr, was sie waren: Wegen der Masse an Influencern und KI-generiertem Müll, »Slop« genannt, verabschieden sich immer mehr junge Menschen von Instagram und TikTok. Die Marke Polaroid nutzt das, um ihre Sofortbildkameras als Schlüssel zu mehr analogem Leben zu bewerben. Am Strand von Coney Island in New York sind zwei junge Männer in Badehose plakatiert, daneben steht auf Englisch: »Spring ins Wasser, bevor die Rechenzentren es ganz austrinken«. In London prangt der Satz: »Du kannst dich nicht in blauem Licht sonnen«. Polaroid, gegründet in den USA, gehört nach mehreren Insolvenzen der polnischen Familie Smołokowski, die mit Ölgeschäften reich geworden ist. kko
Rund zwei Monate lang überlebte diese Schwimmkrabbe vor der japanischen Insel Okinawa in einer Reisweinflasche aus Plastik. Sie geriet im ostchinesischen Meer wohl als Jungtier durch den Flaschenhals ins Innere und ernährte sich dort von kleinen Fischen, die ebenfalls durch den Eingang des Gefäßes passten. So haben Forschende der Universität Hiroshima es anhand des Mageninhalts der Krabbe rekonstruiert. Als sie die Flasche fanden, war das Tier der Art Portunus sanguinolentus dann zu groß, um eigenständig daraus zu entkommen. jko
Alltagschemikalien fanden Forschende im Urin von rund 5000 Schwangeren aus den USA – im Median. Bei der Hälfte der Frauen lag der Wert also sogar höher. Einige der entdeckten Stoffe, darunter Weichmacher aus Plastikprodukten, können zu Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht der Babys führen.
Kreischende Fans, ausverkaufte Hallen, Millionen Klicks: Musik aus Südkorea ist ein weltweites Phänomen und begeistert auch viele Teenager in Deutschland. Die neue Ausgabe des Kinder-Nachrichten-Magazins DEIN SPIEGEL erklärt, warum Bands wie BTS und Filme wie »KPop Demon Hunters« so erfolgreich sind und wie sich Fans im Internet organisieren. Das Heft wirft auch einen Blick auf die Musikindustrie, die hinter dem Hype steckt. Kinder und Jugendliche werden in jahrelangem Training zu K-Pop-Stars gemacht. Die Regeln sind streng, der Druck hoch. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
Beim Demolition Derby geht es darum, mit Fahrzeugen – nach bestimmten Regeln – ineinanderzukrachen. Gewinner ist das Auto, das noch fahrtüchtig ist. Das Spektakel, hier in Nebraska, ist verbreitet in den USA, wo es seinen Ursprung haben soll; aber auch in anderen Ländern.Ungefährlich ist es nicht, daher müssen Glas und oft auch brennbare Materialien aus den Fahrzeugen entfernt werden, funktionierende Bremsen sind in der Regel vorgeschrieben. Es gibt Tausende Dollar Preisgeld. ngo
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